Forum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Arkady Dvorkovich

Seite 1 von 2Nächste

Ausführlicher Beitrag im Deutschlandfunk zur FIDE-Wahl mit Stimmen von Ullrich Krause und Ulrich Stock:

https://www.deutschlandfunk.de/schach-wiederwahl-umstrittener-fide-praesident-russland-dvorkovich-100.html

Russischer Welt-Schachpräsident: "Ich vertrete nicht die russische Politik"

14. Februar 2023, 18:48 Uhr

Lesezeit: 12 min

Russischer Welt-Schachpräsident: Der Präsident des Schach-Weltverbandes Fide, Arkadij Wladimirowitsch Dworkowitsch (rechts), hier im Jahr 2018 mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Der Präsident des Schach-Weltverbandes Fide, Arkadij Wladimirowitsch Dworkowitsch (rechts), hier im Jahr 2018 mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

(Foto: imago stock&people/imago/Itar-Tass)

Arkadij Dworkowitsch war stellvertretender russischer Ministerpräsident. Jetzt führt er den Welt-Schachverband Fide, in dem viel im Sinne des Kreml läuft. Ein Gespräch über sein Verhältnis zu Wladimir Putin - und wie er zur Ukraine steht.

Werbung

Zum Interview (hinter der Aboschranke)

Interview in "El Mundo", in dem Dvorkovich zu Beginn des Gesprächs klar macht, über allzu Kritisches nicht reden zu wollen:

Arkady Dvorkovich, presidente de la FIDE: "El futuro del ajedrez son los torneos mixtos"

Actualizado Sábado, 10 junio 2023 - 00:18
 

El dirigente admite que, como ruso, deseaba la victoria de Nepomniachtchi.

Zum Interview (Spanisch, aber mit zB Google Translate gut auf Deutsch lesbar)

Arkady Dvorkovich: Der Technokrat auf dem schmalen Grat

Quelle: Revue XXI – „Entre Kremlin et Occident, la dangereuse partie du patron mondial des échecs“, Nicolas Gastineau, Clément Fayol (29.09.2025)

Gelassenes Lächeln, breite Denkerstirn, das Auftreten eines unerschütterlichen Verwaltungsprofis: Arkady Dvorkovich hat etwas geschafft, woran viele russische Spitzenfunktionäre nach dem Überfall auf die Ukraine scheiterten – er blieb an der Spitze einer Weltorganisation. Als Präsident des Weltschachbundes FIDE steuert er eine Disziplin mit Hunderten Millionen Spielerinnen und Spielern, zugleich aber eine Institution, in der seit 2022 jede Geste politisch gelesen wird. Dvorkovich agiert, so beschreibt es Revue XXI, wie ein Meister der Prophylaxe: nicht angreifen, sondern vorbauen, Risiken entschärfen, den Gegner laufen lassen.

Balanceakt als Prinzip

Zwischen den Fronten – Kreml-Hardliner hier, ukrainische und westliche Kritik dort – sendet Dvorkovich widersprüchliche Signale. Er zeigt sich auf Fotos mit dem Umfeld Wladimir Putins, äußerte zugleich früh – im März 2022 – Mitgefühl für ukrainische Zivilisten. Die Reaktion im Moskauer Machtapparat fiel scharf aus: Dmitri Rogozin attackierte ihn öffentlich; Politiker sprachen von „Verrat“. Dvorkovich gab daraufhin die Leitung der Innovationsstiftung Skolkowo ab. Ein Dissident ist er dennoch nicht – in Kiew erscheint er weiterhin als Teil eines russischen Soft-Power-Apparats.

Der DSB kritisiert den Beschluss des FIDE-Rates mit Präsident Dvorkovich (Foto: Bonhage/FIDE), ein russisches Frauen-Team unter neutraler Flagge bei der WM 2025 starten zu lassen. Das sei mit Blick auf den Ukraine-Krieg strikt abzulehnen. Der komplette Beitrag: http://www.schachbund.de/news/durch-d...

Deutscher Schachbund (@schachbund.bsky.social) 2025-07-25T07:32:44.906Z

Die Taktik der Enthaltung

Wie weit seine Vorsicht reicht, zeigte die FIDE-Generalversammlung 2024 in Budapest. Als eine Gruppe staatlich naher Verbündeter Russlands die Rückkehr russischer und belarussischer Teams unter eigener Flagge anstrebte, reiste Oleksandr Kamyshyn, Chef des ukrainischen Verbands, im Eilverfahren an, um Stimmen zu sammeln. Dvorkovich leitete die Sitzung ausgerechnet bei diesem Tagesordnungspunkt nicht – ein klassischer prophylaktischer Zug: lieber nicht positionieren als verlieren. So sichert er sein Amt, ohne offen Partei zu ergreifen.

„Verräter“: Dvorkovich fällt in Ungnade

Der russische Schachverband – ein Machtvulkan

Außerhalb Russlands sind Schachverbände meist Ehrenämter. In Moskau ist die Föderation ein Machtknoten. Dem Vorstand gehören, neben Dvorkovich (Präsident bis 2014, später weiter im Gremium), Schwergewichte wie Dmitri Peskow, Sergei Schoigu und Sergei Sobyanin an; Gazprom-Manager sitzen mit am Tisch. Parallel belegen Recherchen, dass in den besetzten ukrainischen Gebieten Kinderturniere unter russischer Fahne stattfinden und regionale Verbände (Krim, Donezk) in die russische Struktur integriert wurden. Laut Berichten wurden administrativ nahezu 5 000 ukrainische Spielerinnen und Spieler unter 20 Jahren in die Russische Schachföderation überführt – ein Instrument der kulturellen und administrativen Annexion. Der Weltschachpräsident hält sich dazu öffentlich zurück – einer der zentralen Kritikpunkte an seiner Amtsführung.

Ethikverfahren – und ein Freispruch in der Berufung

2024 befasste sich die FIDE-Ethikkommission mit Dvorkovichs Nähe zu sanktionierten Spitzen der russischen Föderation. Erstinstanzlich wurde er angewiesen, Ämter in Russland zu räumen; in der Berufung fiel die Entscheidung zu seinen Gunsten. Politisch schadlos blieb er ohnehin: Schon 2022 wählten ihn die Delegierten mit großer Mehrheit zum FIDE-Präsidenten – trotz eines ukrainischen Gegenkandidaten, der die Wahl als Referendum über Russlands Kriegspolitik führen wollte.

Herkunft, Aufstieg, Netzwerk

Dvorkovich stammt aus einer Schachfamilie: Sein Vater war ein renommierter Schiedsrichter mit Nähe zu Garry Kasparov. Der Sohn studierte Ökonomie in Moskau und an der Duke University, arbeitete in der russischen Regierung, stieg zum Vizepremier unter Dmitri Medvedev auf und übernahm Aufsichtsgremien großer Staatskonzerne (u. a. Russian Railways). 2018 organisierte er die Fußball-WM in Russland – ein globaler Vertrauensposten. Kurz darauf wechselte er an die Spitze der FIDE.

Nach Kirsan: Sanierer mit russischem Geld

Als Dvorkovich 2018 den langjährigen FIDE-Chef Kirsan Iljumschinow ablöste, stand der Verband finanziell und reputativ am Abgrund: gesperrte Konten in der Schweiz, toxische Verbindungen. Dvorkovich stabilisierte die FIDE binnen Tagen – mit Sponsoren aus dem Umfeld russischer Staatskonzerne (u. a. Russian Railways, Gazprom, Rosatom). Er präsentierte sich als international anschlussfähiger Modernisierer, ohne offen nationalistisch aufzutreten: der Mann, der „alles regelt“.

Die Methode Dvorkovich

Das Porträt zeichnet einen Funktionär, der Konflikte entkernt, indem er sie verwaltet. Sein Stil: höflich, verbindlich, nie grob – und, aus Sicht der Kritiker, politisch folgenlos. Peter Heine Nielsen, Großmeister und Sekundant Magnus Carlsens, betreibt seit Jahren eine dokumentarische Kampagne gegen die gefühlte Rehabilitierung Russlands im Schach. Er dokumentiert Fälle, in denen in besetzten Gebieten Partien stattfinden oder enge Kontakte sichtbar werden. Sein Resümee über Dvorkovich: Er perfektioniere die Kunst, nichts zu tun – in der Geopolitik möglicherweise erfolgreich, im Sportethos jedoch fragwürdig.

Warum er bleibt

Dvorkovich vereint seltene Eigenschaften: Er spricht die Sprache internationaler Institutionen, kennt die Binnenlogik russischer Macht, liefert Sponsoring und Administration – und vermeidet sichtbare Frontstellungen. Diese Mischung macht ihn für viele Verbände attraktiv: Sie erhalten Stabilität, Geld und Ruhe. Der Preis ist eine FIDE, die formal Regelwerke befolgt (Neutralflaggen, Sperren), politisch aber einen Graubereich kultiviert, in dem Moskaus Einfluss nicht verschwindet, sondern anders verankert wird.

Dvorkovich will die dritte Amtszeit

Dvorkovich verteidigt neuen Kombi-Welttitel und räumt Fehler ein
Quelle: ChessBase India – Interview mit Sagar Shah (Oktober 2025)

Werbung

Die vergangenen Jahre seien „nicht einfach“ gewesen, sagt FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich im Gespräch mit Sagar Shah. Pandemie, politische Spannungen und „die geopolitische Situation“ – gemeint ist der russische Angriff auf die Ukraine – hätten seine Amtszeit geprägt. Dennoch sieht er den Weltverband auf stabilem Fundament: „Wir haben dem Schach auf höchstem Niveau gedient“, sagt Dvorkovich, „und FIDE steht finanziell solide da.“

Im Zentrum des Interviews steht das neue, gemeinsam mit Norway Chess entwickelte Weltmeisterschaftsformat: Der „Combined World Chess Champion“ soll ab 2026 in einem mehrjährigen Zyklus ermittelt werden. Gespielt wird in drei Disziplinen – Fast Classic, Rapid und Blitz – mit hohen Preisgeldern und vier Turnieren pro Jahr. Das Ziel, sagt Dvorkovich, sei ein Titel, der die Vielseitigkeit des modernen Schachs abbildet und zugleich dem schnelleren, digitalen Zeitalter gerecht wird. Der klassische Weltmeistertitel bleibe die Nummer eins, doch der kombinierte Titel könne „mindestens so bedeutend wie Rapid und Blitz“ werden.

Gegenüber der Grand Chess Tour hebt Dvorkovich hervor, dass bei der neuen Serie alle Disziplinen innerhalb eines Events kombiniert werden. „Man kann nicht mit lauter Remis ins Finale kommen“, sagt er, „Risiko gehört dazu – und genau das macht es für Zuschauer spannend.“ Idealerweise, meint er, sollten FIDE und Grand Chess Tour ihre Kräfte irgendwann bündeln. Noch sei der Kalender allerdings „völlig überladen“. Zwei Teilnehmer des neuen Formats sollen künftig direkt für das Kandidatenturnier qualifiziert sein – eine Entscheidung, die Dvorkovich als pragmatisch verteidigt: „Schon heute werden viele Matches durch Rapid- oder Blitz-Tie­breaks entschieden.“

Das neue Fast-Classic-Format mit zwei Partien pro Tag nennt er „herausfordernd, aber zukunftsfähig“. Es sei intensiver, aber auch attraktiver für Medien und Sponsoren. Dass Magnus Carlsen an der Entwicklung beteiligt war, verneint Dvorkovich. Er gratuliert ihm zum ersten Kind, nennt das „das wichtigste Ereignis seines Lebens“ – und fügt hinzu: „Wenn ich er wäre, läge meine Priorität bei der Familie.“ Eine Teilnahme Carlsens am neuen Weltturnier wäre wünschenswert, „doch es wurde nicht für ihn gemacht“.

Zum Konflikt um die Freestyle Chess Tour räumt Dvorkovich eigene Fehler ein. Er habe „die Bedeutung der Kommunikation mit den Spielern unterschätzt“ und entschuldigt sich für Missverständnisse, macht aber auch deutlich, dass „auf beiden Seiten Fehler“ passiert seien. Mit Organisator Jan Henric Buettner gebe es wieder Kontakt, doch noch keine offizielle Partnerschaft. „Jeder, der etwas Positives fürs Schach versucht, ist willkommen“, sagt Dvorkovich. Freestyle Chess und Chess960 seien „echter Spaß“ für die Topspieler, klassisches Schach als Zuschauer jedoch „nach wie vor das interessanteste Format“.

Zur Global Chess League in Mumbai sagt er, sie wachse zu einem medienfreundlichen und wirtschaftlich tragfähigen Teamformat heran: „Das ist kein Charity-Projekt, sondern eine professionelle Investition mit Zukunft.“

Auf Kritik an der FIDE-Ratingpolitik reagiert Dvorkovich ungewohnt selbstkritisch. Die jüngste Debatte um Hikaru Nakamura und dessen Punktegewinne gegen schwächere Gegner in US-Turnieren kommentiert er mit: „Das sah nicht gut aus – aber es war unser Fehler, nicht seiner.“ Kurzfristig habe die FIDE die 400-Punkte-Regel für Spieler über 2650 Elo eingeführt, langfristig brauche es eine umfassende Reform, um inaktive Ratings und veraltete Wertungen zu korrigieren.

Berichte: EU plant Sanktionen gegen FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich

Quelle: Current Time / Radio Swoboda – Entwurf des 20. EU-Sanktionspakets

Nach Berichten von Current Time und Radio Swoboda soll Arkady Dvorkovich, Präsident des Weltschachverbands FIDE, in einem Entwurf des 20. EU-Sanktionspakets aufgeführt sein. Den Redaktionen liegt nach eigenen Angaben ein entsprechendes Arbeitspapier vor, das bislang nicht offiziell veröffentlicht ist.

https://bsky.app/profile/leonwatson.bsky.social/post/3megttnf4g22j

Dvorkovich wird in dem Entwurf ausdrücklich als „Ökonom und Präsident der FIDE“ genannt. Er erscheint dort in einem Abschnitt gemeinsam mit weiteren russischen Sport- und Verbandsfunktionären, darunter der Präsident des Russischen Olympischen Komitees, Stanislaw Posdnjakow, sowie der Präsident des russischen Ringerverbands, Michail Mamiaschwili. Als FIDE-Chef wird Dvorkovich Ende der Woche bei der FIDE-Freestyle-WM in Weissenhaus erwartet.

Nach Darstellung der EU, wie sie in dem geleakten Entwurf wiedergegeben wird, richtet sich das geplante Sanktionspaket gegen Personen und Organisationen, die für die Untergrabung der ukrainischen Souveränität, die Unterstützung des russischen Angriffskriegs oder die Umgehung bereits bestehender Sanktionen verantwortlich gemacht werden.

Wichtig ist die Einordnung: Bei dem genannten Dokument handelt es sich nicht um einen beschlossenen Rechtsakt, sondern um einen Entwurf, über den investigative Medien berichten. Bis zu einer formellen Verabschiedung durch den EU-Rat und einer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union gelten die Sanktionen nicht als rechtskräftig.

Nach Angaben von Radio Swoboda und dem Investigativprojekt „Systema“ umfasst der Entwurf insgesamt 30 Personen und 64 Organisationen. Eine offizielle Bestätigung oder Veröffentlichung des vollständigen Dokuments durch die EU liegt bislang nicht vor. Änderungen sind möglich. Nach einem Bericht von "Tribuna" (siehe Tweet) laufen schon ungarische Bestrebungen, Dvorkovich von der Liste zu bekommen, bevor die EU sie bschließt.

Werbung

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat das geplante 20. Sanktionspaket gegen Russland Anfang Februar in Brüssel als bewusste Verschärfung angekündigt. Russland führe keinen Krieg mit Friedensabsicht, sondern einen Abnutzungskrieg gegen die Zivilbevölkerung, sagte sie mit Blick auf Angriffe auf Wohnhäuser, Energieanlagen und zivile Infrastruktur. Um Moskau zu ernsthaften Verhandlungen zu zwingen, setze die EU auf weiteren Druck. Das neue Paket zielt laut von der Leyen vor allem auf Energie, Finanzsektor und Handel: ein umfassendes maritimes Dienstleistungsverbot für russisches Rohöl, neue Maßnahmen gegen die sogenannte Schattenflotte, zusätzliche Sanktionen gegen Banken – auch wegen Sanktionsumgehung über Kryptowährungen –, verschärfte Export- und Importverbote sowie erstmals der Einsatz eines Anti-Umgehungsinstruments. Die Kommissionspräsidentin betonte, die bisherigen Sanktionen wirkten bereits messbar, und rief die Mitgliedstaaten auf, das Paket zügig zu beschließen – als klares Signal vor dem vierten Jahrestag des russischen Großangriffs auf die Ukraine.

Ukraine verhängt Sanktionen gegen FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich

Quellen: Präsidialerlass der Ukraine Nr. 123/2026 vom 16. Februar 2026; Liste der sanktionierten Personen im Anhang zum Beschluss des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates; Mitteilung des ukrainischen Schachverbands

Die Ukraine hat persönliche Sanktionen gegen den Präsidenten des Schachweltverbands FIDE, Arkady Dvorkovich, verhängt. Das geht aus dem Erlass Nr. 123/2026 hervor, den Präsident Wolodymyr Selenskyj am 16. Februar 2026 unterzeichnete. Mit dem Dokument setzte er eine Entscheidung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates in Kraft.

Im Anhang des Beschlusses wird Dvorkovich namentlich geführt – mit Geburtsdatum (26. März 1972) und russischer Staatsangehörigkeit. Gegen ihn werden umfassende Maßnahmen verhängt, darunter das Einfrieren von Vermögenswerten, ein Verbot wirtschaftlicher Aktivitäten in der Ukraine sowie Einreisebeschränkungen. Die Sanktionen gelten teils unbefristet, teils für zehn Jahre.

Der ukrainische Schachverband erklärte, er habe die Verhängung persönlicher Sanktionen gegen Dvorkovich „erreicht“. In seiner Mitteilung verweist der Verband ausdrücklich auf den genannten Präsidialerlass. Insgesamt umfasst die Liste zehn Personen.

Eine Begründung für die Aufnahme Dvorkovichs in die Sanktionsliste wird in den veröffentlichten Dokumenten nicht näher ausgeführt.

EU-Visa-Bann könnte FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich ins Wanken bringen
Quelle: EUobserver – „EU travel ban could see Russia’s world chess head challenged for top role“, Andrew Rettman, 16. Februar 2026

EU-Sanktionsdrohung

Der amtierende FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich steht vor einer möglichen politischen Zäsur. Laut EUobserver prüfen EU-Diplomaten ein Einreiseverbot und das Einfrieren von Vermögenswerten gegen den russischen Funktionär. Grundlage ist ein Entwurf der Europäischen Kommission, der ihm vorwirft, Russlands Angriff auf die Ukraine unterstützt zu haben.

In einem EU-Dokument heißt es, Dvorkovich habe besetzte ukrainische Gebiete als „new territories“ der Russischen Föderation bezeichnet. Zudem spiele er eine „key role“ in der russischen Schachföderation und habe Turniere in besetzten Regionen – darunter die Krim sowie Teile von Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson – organisiert oder ermöglicht.

Auswirkungen auf die FIDE-Wahl

Ein EU-Beschluss könnte bereits im Rahmen des 20. Sanktionspakets gegen Russland erfolgen. Sollte ein Visabann verhängt werden, halten Vertreter westlicher Verbände seine weitere Amtsausübung für kaum haltbar. „If the EU will impose some visa ban on Dvorkovich, I think it is impossible for him to continue in his role“, sagte Aleksi Olander vom finnischen Verband.

Im September will der 53-jährige Dvorkovich beim FIDE-Kongress in Samarkand für eine weitere Amtszeit kandidieren. Ein EU-Sanktionsbeschluss kurz vor der Wahl würde seine Wiederwahlchancen erheblich schwächen.

Interne Konflikte im Weltschach

Unabhängig von möglichen EU-Maßnahmen ist Dvorkovich bereits umstritten. Innerhalb der FIDE sorgte seine Entscheidung vom Dezember, russische und belarussische Spieler wieder zu internationalen Wettbewerben zuzulassen, für Widerstand. Mehrere Verbände – darunter aus England, Estland, Deutschland, Norwegen und der Ukraine – haben dagegen beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) geklagt.

Ukrainische Funktionäre werfen Dvorkovich Nähe zu russischen Entscheidungsträgern vor. „He is constantly seen at meetings with war criminals in Moscow and other regions“, sagte der ukrainische Vizepräsident Volodymyr Kovalchuk. Der ukrainische Verband fordert, dass er im Fall von Sanktionen automatisch zurücktritt.

FIDE-Reaktion

Die FIDE erklärte, man würde in einer solchen Situation „established internal procedures“ anwenden.

Damit wird die Präsidentschaft von Arkady Dvorkovich zunehmend zum geopolitischen Konfliktfeld – zwischen europäischen Regierungen, nationalen Verbänden und einem internationalen Sportverband.

EU-Sanktionen könnten FIDE-Präsident Dvorkovich zum Rücktritt zwingen

Quelle: Sport.ua – „FIDE is close to getting rid of Putin's henchman. What's happening“, 27./28. Februar 2026

Der Präsident des Weltschachverbands FIDE, Arkady Dvorkovich, könnte in das 20. Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland aufgenommen werden. Die Europäische Kommission habe vorgeschlagen, seine Vermögenswerte einzufrieren und ihm die Einreise in die EU zu verbieten. Das berichtet Sport.ua.

Auslöser sei ein Dekret des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, mit dem Sanktionen gegen zehn russische Sportfunktionäre in Kraft gesetzt wurden, die die russische Aggression unterstützen oder in besetzten Gebieten aktiv sind. Dvorkovich steht auf dieser Liste. Sollte die EU die Maßnahmen übernehmen, wäre er nach bisheriger Praxis gezwungen, sein Amt als FIDE-Präsident niederzulegen.

Petition und Ermittlungen

Das Sanktionspaket gehe auf eine Petition des Skeleton-Athleten Vladyslav Geraskevych zurück. Nach Angaben von Volodymyr Kovalchuk, Vizepräsident des ukrainischen Schachverbands, habe der Verband seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 an der Vorbereitung entsprechender Schritte gearbeitet.

Kovalchuk erklärte, Dvorkovich sei als früherer Vizepremier in der Regierung von Dmitry Medvedev Teil des engen Kreises um den russischen Präsidenten und vertrete die Interessen des Aggressorstaats. 2022 habe der ukrainische Sicherheitsdienst ein Strafverfahren gegen Dvorkovich eingeleitet. Auch der Parlamentsausschuss für Jugend und Sport unter Leitung von Andriy Kozhemyakin habe ihn auf eine Sanktionsliste gesetzt.

Streit um Startrechte bei FIDE

Besonders umstritten war laut dem Bericht eine Entscheidung der FIDE-Versammlung im November 2025. Dvorkovich habe sich dafür eingesetzt, russischen und belarussischen Spielerinnen und Spielern die Teilnahme an internationalen Wettbewerben unter eigener Flagge und Hymne auf Jugend- und Behindertenebene zu ermöglichen.

Obwohl die erforderliche Stimmenzahl nicht erreicht worden sei, habe Dvorkovich die Entscheidung in Kraft gesetzt. Der ukrainische Verband legte gemeinsam mit Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Island beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Berufung ein.

Entscheidung der EU offen

Ob die EU die Sanktionen tatsächlich verhängt, hängt nach dem Bericht unter anderem von der Haltung Ungarns ab, das in der Vergangenheit entsprechende Maßnahmen blockiert habe. Sollten Einreiseverbot und Vermögenssperre beschlossen werden, könne Dvorkovich als Unterzeichner von Finanzdokumenten der FIDE sein Amt nicht weiter ausüben.

Als Beispiel verweist der Bericht auf das Jahr 2018, als Dvorkovichs Vorgänger Kirsan Ilyumzhinov nach US-Sanktionen sein Amt niederlegen musste. Auch Vladyslav Vlasyuk, Sanktionsbeauftragter des ukrainischen Präsidenten, erklärte, an der Spitze einer internationalen Organisation könne keine Person stehen, die auf einer Sanktionsliste geführt werde.

Zwei Gesichter an der Spitze des Weltschachs

Quelle: EUobserver – „EU sanctions? The two faces of Russia’s FIDE world-chess boss“, Andrew Rettman, 26. Februar 2026

Ein Präsident, der nach außen verbindlich auftritt und zugleich innenpolitische Loyalität zeigt, steht im Zentrum der Debatte um das Weltschach. Das schreibt EUobserver.

Arkady Dvorkovich erscheint in seiner Rolle als Chef des Weltverbands als moderater Funktionär. Er reist zu Turnieren, äußert sich respektvoll über Schachgrößen und vermeidet politische Aussagen im Amt. Die Führung betont, dass unter seiner Leitung die territoriale Integrität der Ukraine gewahrt bleibe, etwa durch die Nichtanerkennung von Turnieren in besetzten Gebieten.

Gleichzeitig existiert ein anderes Bild. Außerhalb seiner Funktion äußert sich Dvorkovich offen zur russischen Politik. Er lobt russische Soldaten, spricht von „Nazismus“ in der Ukraine und bezeichnet besetzte Gebiete als Teil Russlands. Auftritte bei militärnahen Veranstaltungen und Begegnungen mit Kriegsakteuren verstärken diesen Eindruck.

Streit um Verantwortung und Rollen

Der Verband trennt strikt zwischen Amt und Privatperson. Aussagen zur Ukraine oder zur russischen Politik seien nicht in offizieller Funktion erfolgt. Kritiker halten diese Trennung für unhaltbar. Sie verweisen darauf, dass politische Positionen und Netzwerke auch außerhalb des Amts Einfluss auf Entscheidungen nehmen.

Ein ehemaliger Insider beschreibt die Struktur des Verbands als stark von russischen Interessen geprägt. Viele Mitarbeitende hätten enge Verbindungen, Kritik bleibe intern aus. Offizielle Aussagen, wonach Spieler freiwillig ihre nationale Zugehörigkeit ändern, stoßen auf Widerspruch. In besetzten Gebieten entstehe diese Entscheidung unter Druck.

Konfliktlinien im Schach und in der Politik

Die Diskussion erreicht die europäische Ebene. Die EU prüft Sanktionen gegen Dvorkovich, darunter Einreiseverbote und eingefrorene Vermögen. Ungarn stellt sich quer und versucht, Sportfunktionäre aus dem Sanktionspaket herauszuhalten.

Im Schach selbst wächst der Druck. Mehrere Verbände unterstützen eine Klage gegen Entscheidungen des Weltverbands. Kritik richtet sich gegen die Rückkehr russischer Spieler und gegen die Rolle Russlands in den Gremien.

Auch politische Stimmen melden sich zu Wort. Vertreter der Ukraine fordern, internationale Sportorganisationen von russischem Einfluss zu lösen. Die Wahl des Verbandspräsidenten gilt ihnen als Fehler, der das Schach politisch belastet.

Offene Frage ohne klare Antwort

Die zentrale Frage bleibt: Wer ist Arkady Dvorkovich in seiner Funktion wirklich – ein neutraler Sportfunktionär oder ein politischer Akteur mit klarer Linie? Eine eindeutige Antwort fehlt. Klar ist nur, dass beide Rollen nebeneinander bestehen und den Streit weiter antreiben.

Seite 1 von 2Nächste
Werbung