Württemberg: Meisterturnier, Stelle frei

Der DSB möge Normturniere in den Ländern unterstützen – vielleicht eine der besten Entscheidungen, die der Kongress des Schachbunds je getroffen hat. Seitdem der Berliner Vorschlag umgesetzt ist, sprießen auf landauf, landab spannend besetzte Normturniere aus dem Boden. In diesen Tagen ist das Württembergische Schachfestival in Eberstadt, Landkreis Heilbronn, Schauplatz eines solchen Wettbewerbs.

Das württembergische Meisterturnier nach einem Modell, das Württemberg im eigenen Ländle gut findet, auf nationaler Ebene aber verhindern will: eines von zahllosen Beispielen, dass viele Schach-Landesverbände in ihrem regionalen Beritt zwar prima Arbeit leisten, auf Bundesebene aber bestenfalls nutzlos sind, oft schlimmer als das.

Ergebnisse der ersten Runde am Samstag, 28. August:

TeilnehmerTiteTeilnehmerTiteErgebnis
Miezis,NormundsGMGabriel,Josef 1 – 0
Krassowizkij,JarIMSolodovnichenko,GM½ – ½
Murphy,Conor EIMDeuer,MariusFM0 – 1
Richter,NilsFMRogic,DavorGM1 – 0
Zuferi,EnisFMKölle,TobiasFM½ – ½

Livepartien, Ergebnisse, Tabelle

Neben drei etablierten Großmeistern ist das Feld gespickt mit jungen Schachmeistern, die auf eine Norm spekulieren. Tobias Kölle etwa hat gerade erst beim “German Masters” in Magdeburg gezeigt, dass er schon jetzt der nationalen Elite zusetzen kann.

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Tobias Kölle gegen Vincent Keymers 4…h6!? im Damengambit.

Die Leistung des angehenden Abiturienten bei dieser eigentlichen Deutschen Meisterschaft entsprach einer IM-Norm, es wäre seine dritte und der Titel gewesen. Aber die Norm in Magdeburg zählt nicht, weil beim Turnier der besten deutschen Schachspieler Normen erst dann möglich sein werden, wenn die Deutsche Meisterschaft auch so heißt. So lange die Besten im “Masters” um keinen TItel spielen, während die Amateure den “Deutschen Meister” ermitteln, sind Normen im Turnier der Besten unmöglich.

Den richtigen Ansprechpartner für dieses Problem findet Kölle in Elberstadt: Carsten Karthaus, Präsident des Württembergischen Schachverbands, gehört zu denjenigen, die zu verhindern versuchen, dem Leuchtturmturnier des Deutschen Schachbunds den Status zu geben, den es verdient, und mit dem die Öffentlichkeitsarbeiter des Schachs arbeiten könnten. Karthaus favorisiert ein Modell, nach dem diese Errungenschaft abgeschafft und das Amateurturnier gestärkt werden soll. Vincent Keymer hat gerade erst erklärt, dass mit ihm bei künftigen Deutschen Meisterschaften dann eher nicht zu rechnen wäre.

Immerhin: Weil die Württemberger bei sich genau das machen, was sie auf Bundesebene abschaffen wollen, bekommt Kölle jetzt in Eberstadt die Gelegenheit, eine weitere Norm zu erspielen. Gelingt es ihm, die Leistung aus Magdeburg in Württemberg zu wiederholen, wäre der Titel unter Dach und Fach. Kölle könnte sein geplantes Schachjahr nach dem Abitur als IM beginnen.

Conor Murphy (2.v.r.) mit seinen Iren bei der Schacholympiade, bei der er nach Einschätzung seiner Landsleute die beste Leistung eines Iren jemals erzielte. Links außen: Deutsch-Ire Mark Heidenfeld, über den mutmaßlich der Kontakt nach Württemberg zustande gekommen ist. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Leicht wird das nicht. Seine Gegner, der ehemalige Deutsche U18-Meister Nils Richter etwa oder Supertalent Marius Deuer, sind nicht minder ambitioniert.

Großmeister besiegen: Marius Deuer weiß, wie das geht.

Deuer hat gleich in der ersten Runde ein gewaltiges Ausrufezeichen gesetzt: Schwarzsieg über den irischen IM Conor Murphy, der gerade erst als einer der überragenden Spieler der Schacholympiade für Aufsehen gesorgt hat. Mit einer Leistung jenseits der 2700 erzielte der Cambridge-Student seine zweite GM-Norm und die fünftbeste Performance am zweiten Brett, unter anderem dank eines Sieges über Matthias Blübaum. In Württemberg die dritte Norm nachzulegen, dürfte nach der Auftaktniederlage gegen Deuer schwierig werden.

Öffentlichkeitsarbeit:
Stelle frei in Württemberg

Kurz vor Beginn seines Schachfestivals hat der Schachverband Württemberg eine Stellenausschreibung veröffentlicht. Gesucht wird auf Minijob-Basis ein Öffentlichkeitsarbeiter, idealerweise jemand, der oder die das gelernt hat, mit Berufserfahrung. Wochenarbeitszeit: acht Stunden.

Teil des Aufgabengebiets wird der “Newsletter” des Schachverbands Württemberg sein, bislang gepflegt und zusammengestellt von Claus Seyfried, der Anfang Juni gestorben ist.

(Titelfoto: Maria Emelianova/chess.com)

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Birgit Schneider
Birgit Schneider
1 Monat zuvor

Gespielt wird in Eberstadt nicht in Elberstadt (wo soll das sein?)

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor

Was soll der Bezug zum German Masters? Das nun ist ein anderes und für Normenturniere übliches Format: zum einen drei sorgfältig ausgewählte ausländische GMs – bitte nicht zu stark und womöglich mit eigenen Ambitionen im Turnier oder jedenfalls daran, ihre Elo weiterhin zu hegen und zu pflegen (“etabliert” bedeutet nur, dass sie den GM-Titel haben). “Ausland” bedeutet hier auch, dass alle drei für badische Vereine spielen. Zum anderen vor allem Spieler aus dem eigenen Landesverband. Natürlich legitim – auf Bundesebene hätte man die Qual der Wahl, welchen Spielern man Normchancen bieten sollte. In Württemberg konnte man dagegen auch Altmeister Josef… Weiterlesen »

Thomas Richter
Thomas Richter
1 Monat zuvor

Das bezog sich ja auf “Weil die Württemberger bei sich genau das machen, was sie auf Bundesebene abschaffen wollen ….”. “Genau das” ist es wahrlich nicht – beim German Masters “in Reinkultur” (nur die stärksten Spieler) wäre ja auch gar kein Platz für Normenjäger, alle hätten bereits den GM-Titel. Im Artikel steht etwas korrekter “Leuchtturmturnier des Deutschen Schachbunds”, das einzige ‘deutsche’ Leuchtturmturnier ist es sicher nicht: international werden Grenke Chess, jedenfalls früher Dortmund und auch Bundesliga sicher eher registriert als auch eine deutsche Meisterschaft in Bestbesetzung. Aus Sicht von Vereinsspielern stellt sich die Frage, was eher registriert und verfolgt wird:… Weiterlesen »