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Neuer ÖSB-Partner Freedom24

Freedom24 wird Hauptpartner des Österreichischen Schachbundes

Der Österreichische Schachbund verkündet eine Partnerschaft: Der internationale Online-Broker Freedom24 steigt als neuer Haupt- und Strategiepartner ein und soll bis mindestens 2026 eine zentrale Rolle bei nationalen Projekten, Meisterschaften und Bildungsinitiativen spielen. Für Freedom24 ist der Schritt Teil einer breiten Expansion in der DACH-Region. Das Unternehmen betont die Parallelen zwischen Schach und Investieren – Strategie, Analyse, Geduld und Risikoumgang – und positioniert sich bewusst als Förderer von Nachwuchs und Bildung.

Zum Auftakt der Zusammenarbeit leitete der 15. Weltmeister und FIDE-Vizepräsident Viswanathan Anand ein Trainingslager für das österreichische Nationalteam. Er, Freedom24-Vertreter und ÖSB-Funktionäre wurden anschließend von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig im Rathaus empfangen. Dort sprachen sie über mögliche Schachinitiativen in der Stadt, bevor Ludwig eine Show-Partie gegen Anand spielte.

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ÖSB-Präsident Michael Stöttinger rückt in seiner Erklärung den Kernnutzen der Partnerschaft in den Mittelpunkt: Mit Freedom24 könne der Verband die „stärkste Schachjugend in Österreichs Geschichte“ gezielt fördern und Strukturen ausbauen, die langfristigen sportlichen Erfolg ermöglichen. Stöttinger verweist darauf, dass Schach rationales Denken und fundierte Entscheidungen schult – Qualitäten, die sowohl im Spitzensport als auch im Finanzbereich zählen. Freedom24 ergänzt dazu, dass Österreich mit seiner Bildungs- und Innovationskultur ideale Bedingungen für eine solche Kooperation biete.

Die Vereinbarung umfasst Ausbildungsprogramme, Initiativen zur Schachbildung, die Unterstützung nationaler Meisterschaften und eine breite Präsenz des Brokers bei Leitveranstaltungen. Freedom24 tritt damit nicht nur als Sponsor auf, sondern als langfristiger strategischer Partner – gestützt auf seine europaweite Präsenz, CySEC-Lizenzierung und seine Muttergesellschaft Freedom Holding Corp., die seit 2019 an der NASDAQ notiert ist.

FIDE-Sponsor unter Verdacht

Freedom24 tritt nach außen als günstiger Wachstumsbroker auf, trägt aber ein Bündel an Risiken und Unannehmlichkeiten, die viele klassische Direktbanken und Neobroker nicht haben. Der Broker sitzt in Zypern, wird von der CySEC reguliert und ist nur über den zyprischen Anlegerentschädigungsfonds bis 20.000 Euro pro Kunde abgesichert – nicht über eine nationale Einlagensicherung wie in Deutschland mit 100.000 Euro je Kunde. Tests weisen zudem auf vergleichsweise hohe „Reibungsverluste“ hin: Banküberweisungen zurück aufs Referenzkonto kosten laut n-tv-Brokervergleich mindestens einen zweistelligen Eurobetrag pro Auszahlung, und Depotüberträge werden mit rund 100 Euro je Position bepreist – Gebührenmodelle, die in Deutschland bei inländischen Brokern so nicht zulässig wären. Dazu kommt: Freedom24 ist kein deutscher Steueragent, es gibt keinen Freistellungsauftrag, keine automatische Abführung der Abgeltungsteuer; alle Erträge müssen in der Steuererklärung selbst sauber erklärt werden. Erfahrungsberichte kritisieren außerdem eine technisch anfällige App (Login-/SMS-Probleme, gelegentliche Ausfälle) und einen Support, der gerade bei heiklen Themen wie Auszahlungen oder Kontoschließung teils langsam und wenig lösungsorientiert reagiert.

Besonders umstritten sind die extrem hohen Influencer-Provisionen im Freedom-Konzern: Bis zu 2.000 Euro pro neuem Kunden – Summen, die in der Brokerbranche sonst nicht vorkommen. Fachleute sehen darin einen klaren Interessenkonflikt, der die aggressive Social-Media-Werbung erklärt und Zweifel an der Seriosität mancher Empfehlungen nährt. In Summe entsteht der Eindruck eines Brokers, der aggressiv mit Konditionen wirbt, im Alltag aber Gebühren, fehlenden Komfort und mehr Eigenaufwand auf die Kunden abwälzt.

Noch schwerer wiegen die Vorwürfe gegen die Mutter Freedom Holding Corp. und ihren Gründer Timur Turlov. Der Shortseller Hindenburg Research wirft Freedom in einem detaillierten Report 2023 vor, ein „Geflecht aus undurchsichtigen Offshore-Strukturen“ zu betreiben, russische Kunden über Kasachstan und andere Jurisdiktionen faktisch weiter zu bedienen und so Sanktionen zu umgehen, zudem Umsätze und Gewinne durch intransparente Eigenhandels- und OTC-Geschäfte aufzublasen. Hindenburg verweist unter anderem auf Hunderte aufsichtsrechtliche Verstöße kasachischer Freedom-Gesellschaften im Bereich Geldwäscheprävention und Terrorismusfinanzierung, auf fragwürdige Bilanzierungsmethoden, eine wenig belastbare Wirtschaftsprüfung und ein von der SEC geprüftes Ermittlungsverfahren, das nach Darstellung des Reports gegenüber Anlegern nur unzureichend offengelegt worden sei. Turlov selbst, russischstämmiger Milliardär mit kasachischer Staatsbürgerschaft, steht im Zentrum dieser Kritik: Ihm wird vorgehalten, über eng verbundene Vehikel in problematische Russland-Geschäfte verstrickt zu sein und gleichzeitig von westlichen Kapitalmärkten und Retailkunden zu profitieren.

Freedom bestreitet die Vorwürfe, doch der Mix aus Sanktionen, Compliance-Strafen, Shortseller-Anschuldigungen und sehr hohen Affiliate-Vergütungen im Influencer-Marketing beschädigt das Vertrauen in Governance und Geschäftsmodell – und damit indirekt in Freedom24 als Endkundenmarke.

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