Vincent Keymer in Indien: Turniersieg, Top Ten der Welt und Deutscher Rekord

Eine Runde vor Schluss steht Vincent Keymer als Sieger des Quantbox Chennai Grandmasters 2025 fest. Am vorletzten Spieltag reichte dem 20-Jährigen ein Remis mit den schwarzen Steinen gegen Jorden van Foreest, um den Triumph perfekt zu machen. Da auch seine Verfolger Arjun Erigaisi und Karthikeyan Murali remis spielten, führt Keymer dank einer Performance von knapp 2900 mit 6 Punkten aus 8 Partien und 1,5 Punkten Vorsprung uneinholbar.

https://twitter.com/Chennai_GM/status/1956013406487818560

Bereits in der siebten Runde war Keymer dank eines Schwarzsiegs über Awonder Liang als dritter Deutscher nach Robert Hübner und Artur Jussupow in die Top Ten der Weltrangliste vorgestoßen. Mit einer Live-Elo von 2747 Punkten stellte er beim Turnier im Schach-Mutterland Indien zugleich einen neuen deutschen Rekord auf. Sein bisheriger Bestwert aus dem Januar 2024 lag bei 2743.

„Hoffe, es geht noch weiter“

Top-Ten-Neuzugang Vincent Keymer (20) ist der sechste Spieler aus den Jahrgängen 2003 und jünger, der in diese Spitzengruppe vordringt. Er verdrängte Anish Giri (31) vom zehnten Platz, der in Chennai bislang ausschließlich remisiert hat. „Etwas Besonderes, ein wichtiger Schritt“, kommentierte Keymer gegenüber Chessbase India. „Ich hoffe, es geht noch weiter.“

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Mut in dieser Hinsicht machte ihm auf Twitter Hikaru Nakamura: Seinen nächsten Stopp solle Vincent da einlegen, wo jetzt Magnus Carlsen rangiert, sagte der US-Großmeister, als Nummer zwei der Welt ein Teil des Trios der Mittdreißiger, die die Liste anführen – noch.

Keymer betonte die Bedeutung seines Umfelds in Chennai. Trainer Peter Leko sei einmal mehr eine große Hilfe gewesen. „Wir haben so ziemlich jeden Tag telefoniert und besprochen, was wir vorbereiten und wie wir die nächste Partie angehen.“ Keymer betonte auch die Rolle seines Vaters Christof Keymer: „Manchmal läuft von allein alles gut, aber wenn etwas schief geht, ist es schön, jemanden zu haben, den man kennt und dem man vertraut.“ Das helfe, nach Rückschlägen für bevorstehende Herausforderungen bereit zu sein.

Turnierverlauf

Das Turnier begann mit einer unerwarteten Verzögerung: In der Nacht vor der ersten Runde musste das Hyatt Regency Chennai wegen Feueralarms evakuiert werden, die Spieler wurden kurzfristig in einem anderen Hotel untergebracht. Der Ruhetag entfiel. Keymer startete trotzdem furios.

Mit einem starken Start legte Vincent Keymer die Basis für einen souveränen Turniersieg.

Nach Siegen über Nihal Sarin und Juniorenweltmeister Pranav Venkatesh gelang Keymer in Runde drei gegen 2650-GM Karthikeyan Murali eine anti-sizilianische Demonstration. Mit 3/3 stand er allein an der Spitze. Turnierfavorit Arjun Erigaisi, bis dahin Nummer fünf der Welt, hielt den Anschluss, bis ihn in Runde vier Nihal Sarin in einem taktischen Schlagabtausch bezwang.

Turnierfavorit Arjun Erigaisi. | Foto: Stev Bonhage/Freestyle Chess

Keymer ging dagegen in Runde vier gegen Anish Giri äußerst solide zu Werke. Die Partie wurde remis, und der Deutsche hatte sich ein wenig abgesetzt, bevor es in der sechsten Runde zum Duell mit Erigaisi kam. Mit den schwarzen Steinen wehrte der Inder alle Angriffsversuche ab, kam aber seinerseits nicht zum Kontern. Die scharfe Partie mündete in ein ausgeglichenes Endspiel, das remis wurde. Die Punkteteilung zementierte Keymers Vorsprung.

https://youtu.be/8hd_PM7e9Ow
Der Siebtrundensieg mit Schwarz über Awonder Liang (Elo 2696) in der Analyse.

Der Schlüsselsieg in Runde sieben gegen Awonder Liang (siehe Video oben) katapultierte Keymer in die Top Ten und auf 2747. Da Erigaisi parallel gegen Giri remisierte, war das Turnier so gut wie entschieden. In der achten Runde machte Keymer den Sack zu. In einem Königsinder gegen Jorden van Foreest hatte er ausgangs der Eröffnung ein wenig Druck, aus dem sich aber nichts Greifbares ergab. Im Endspiel musste Keymer angesichts eines gegnerischen Freibauern ein wenig aufpassen, ohne in Gefahr zu geraten.

Bericht im Spiegel.

Ausblick

Nach diesem Erfolg gönnt sich Keymer eine kurze Pause und ein kleines Trainingslager. Ab dem 3. September wartet in Usbekistan das Grand Swiss: elf Runden Schweizer System, gespickt mit Elitegroßmeistern. Die ersten beiden qualifizieren sich fürs Kandidatenturnier. Eine weitere Kandidatenchance wird sich Keymer im Oktober beim World Cup eröffnen, wo drei Plätze für die finale WM-Ausscheidung zu vergeben sind. Vielleicht ein gutes Omen: Der World Cup 2025 findet in Indien statt.

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Nach dem Sieg in Weissenhaus und der Deutschen Meisterschaft hat Vincent Keymer jetzt den dritten Turniersieg im kritischen Jahr 2025 eingefahren.

In der ersten Version des Textes stand, Keymer sei nach Robert Hübner der zweite Deutsche, der in die Top Ten der Welt vorgedrungen ist. Tatsächlich war auch Artur Jussupow nach seinem Wechsel vom russischen zum deutschen Verband ein Top-Ten Spieler. Der Fehler ist korrgiert.

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