Artur Jussupow
Großmeister und ehemaliger WM-Kandidat, seit 1991 für Deutschland gemeldet – die FIDE führt ihn unter der deutschen Transliteration Jussupow, nicht als Yusupov. Autor der Trainingsbuchreihe „Tigersprung“ und Mitinitiator der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft.
Als Trainer und Autor
Rief 1997 gemeinsam mit Horst Leckner in Bad Wiessee die Offene Internationale Bayerische Meisterschaft ins Leben, aus der eines der größten Open Europas wurde. Begründete 2025 im Gespräch mit Jesse February die Entstehung seiner Reihe „Tigersprung“: Sie ging aus der eigenen Suche nach geeignetem Lehrmaterial für seine Kinder und der Zusammenarbeit mit Hans-Walter Schmitt an der Schach-Tiger-Akademie Frankfurt hervor, nachdem die gemeinsame Schachschule mit Mark Dworetzki beendet war. Empfahl Hussain Besou, mit Büchern am Brett zu arbeiten statt am Bildschirm – eine Empfehlung, an die sich das Talent nach eigener Aussage bis heute hält. Nahm 2026 am Grenke-Freestyle-Festival in Karlsruhe teil.
Dopingkontrollen
Trat gemeinsam mit Robert Hübner präventiv aus der deutschen Nationalmannschaft zurück, weil er die seit 2002 bei der Schacholympiade eingeführten Dopingkontrollen ablehnte – einer der bekanntesten Konflikte um Dopingtests im Schach. Der bekennende Kaffeetrinker wollte sich zudem nicht mit der damals diskutierten Frage befassen, ob drei oder vier Tassen Kaffee als Doping zählen; das Koffeinlimit im Schach ist längst abgeschafft.
Positionen
Sieht bei Frauen im Schach in Ländern wie Indien oder den USA bereits eine kritische Masse erreicht, Deutschland dagegen mangels ausreichend starker Spielerinnen im Rückstand – nachhaltige Veränderung erfordere jahrzehntelange frühe Förderung. Wandte sich im August 2025 mit einem Brief an den DSB-Hauptausschuss, in dem er die PvB-Berichterstattung als „Doppelmoral“ und „sehr schweren“ Rechtsverstoß kritisierte und den DSB-Datenschutzbeauftragten aufforderte, rechtliche Schritte gegen die Perlen vom Bodensee zu prüfen.
Verhältnis zu Garry Kasparov
War Ehrengast des ersten Bopfinger Schachtags im November 2025 und führte dort erstmals öffentlich seine einzige Gewinnpartie gegen Garry Kasparov vor, gespielt beim GMA-Weltcup 1989 in Barcelona. Ordnete den Sieg selbst als schmeichelhaft ein und führte ihn eher auf grobe Zeitnotfehler seines Gegners zurück als auf die eigene Leistung. Beschrieb das Verhältnis der beiden als von Rivalität geprägt, aber ohne enge Freundschaft: Der Altersunterschied von drei Jahren habe bei den ersten Begegnungen noch gezählt, doch Kasparov sei rasch auf Augenhöhe aufgeschlossen; man sei sich über Jahre bei Jugendturnieren, in Auswahlmannschaften und im internationalen Turnierbetrieb begegnet und immer gut miteinander ausgekommen, habe aber in Baku und Moskau gelebt.
Illustrierte das mit einer Anekdote von einem Freundschaftsspiel im Fußball, bei dem eine Mannschaft von Schachspielern gegen eine Auswahl von Journalisten und ehemaligen Profisportlern antrat: Jussupow, dort wie am Brett als defensiver Stabilisator aufgeboten, lief mit dem Ball auf das gegnerische Tor zu, während Mittelstürmer Kasparov im Abseits stehend den Ball forderte. Er spielte einen Querpass auf einen anderen Mitspieler und vergab damit die Torchance; Kasparov quittierte das mit einer erkennbaren Geste der Verärgerung. Halb im Scherz mutmaßte Jussupow, womöglich habe genau diese Szene eine engere Freundschaft verhindert.


