Vincent Keymer hat beim Quantbox Chennai Grand Masters 2025 einen perfekten Start erwischt. Nach seinem Auftaktsieg gegen seinen künftigen Baden-Badener Mannschaftskollegen Nihal Sarin gewann der 20-Jährige auch in der zweiten Runde gegen Juniorenweltmeister V Pranav. Mit zwei Punkten aus zwei Partien führt Keymer die Masters-Gruppe allein an.
Dahinter lauert ein dichtes Verfolgerfeld um Arjun Erigaisi, der nach seinem Erfolg gegen Awonder Liang in Runde eins für einen Tag seinen Landsmann und engen Freund Praggnanandhaa als Nummer vier der Welt ablöste. Tags darauf, Remis gegen Jorden van Foreest, fiel Erigaisi auf fünf zurück. Mit 2788,8 Elo liegt er 0,2 Punkte hinter Pragg.
Das Turnier begann einen Tag später als geplant. Rund zwölf Stunden vor der ursprünglich angesetzten ersten Runde am 6. August brach im Hyatt Regency Hotel in Chennai ein Feuer aus. Gegen 0.30 Uhr füllte sich der neunte Stock nach einem elektrischen Defekt mit Rauch, die Feuerwehr rückte an, und alle Gäste – darunter die Spieler – wurden evakuiert. Auch das Spielmaterial wurde an einen sicheren Ort gebracht.
Alle blieben unverletzt, doch die Nacht verbrachten die Teilnehmer in einem anderen Hotel. Wegen des aus Sicherheitsgründen verschobenen Starts entfällt nun der für den 11. August angesetzte Ruhetag.
An Wasser mangelte es bei den Löscharbeiten nicht – und im Hyatt sowieso nicht: Der Pool im Erdgeschoss ist legendär. Genau hier landete Magnus Carlsen 2013, nachdem er Viswanathan Anand entthront und seinen ersten Weltmeistertitel gewonnen hatte. Vincent Keymer kündigte schon vor dem Turnier an, diesen Ort unbedingt sehen zu wollen – ein Stück Schachgeschichte, das zum Inventar des Hotels gehört.
Das Chennai Grand Masters gilt als das stärkste klassische Turnier Indiens. Es wird in diesem Jahr zum dritten Mal ausgetragen. Erstmals nehmen in beiden Gruppen – den Masters und den Challengers – je zehn Spieler teil. Im Masters kämpfen Super-Großmeister wie Arjun, Keymer, Anish Giri und Vidit Gujrathi um ein Preisgeld von rund 115.000 Dollar und wertvolle FIDE-Circuit-Punkte für die Qualifikation zum Kandidatenturnier 2026. Gespielt wird ein neunrundiges Rundenturnier mit 90 Minuten für die gesamte Partie und 30 Sekunden Increment.

Im Feld etablierter Supergroßmeister ist Awonder Liang ein Exot. Für den US-Amerikaner ist es ein seltener Abstecher in die Welt der Eliteturniere. Der 22-Jährige, zweifacher Jugendweltmeister und Absolvent eines Mathematik- und Finanzstudiums, gilt zwar als begnadet, betrachtet Schach aber eher als Nebenbeschäftigung.
Den indischen Medien fiel er im Feld der ernsthaften, auf ihren Sport fokussierten Schacharbeiter mit seinem Humor auf. Eine ganze Reihe von Liang-Zitaten kursieren in diesen Tagen in der indischen Presse. Etwa seine Erklärung, warum er in Chennai mitspielt: Er habe gesehen, dass Arjun unter 2800 Elo gefallen ist. „Also dachte ich, ich spende ihm ein paar Punkte, ich habe ja genug davon.“
In den vergangenen Jahren hat Liang vor allem bei kleineren US-Events gespielt und sich ansonsten auf seinen beruflichen Start in der Finanzbranche konzentriert. Er beschreibt seine Schach-Attitüde so: „Ich arbeite vielleicht fünf Minuten am Tag. Ich schreibe meinem Sekundanten: ‘Was spiele ich heute?’ Dann bekomme ich Dateien, manchmal schaue ich rein, manchmal nicht.“
Maximalen sportlichen Ehrgeiz hat er anders als die meisten Konkurrenten nicht mit nach Indien gebracht. Seine Auftaktniederlage nahm er gelassen hin. „Ich finde vor allem wichtig, glücklich zu sein. Es ist gut, das Leben zu genießen.“
Danke für wieder einen sehr runden Hintergrundbericht, meine Perle Conrad. Kein Schach-Influencer hat erwähnt, dass es hier in India insbesondere um die Quali fürs Kandidatenturnier geht und endlich habe ich verstanden, dass und warum das top US Talent (Awonder Liang, der zehntjüngste Spieler, der jemals den Großmeistertitel im Schach erlangte) in der Versenkung verschwand. IMHO wäre Awonder der legitime challenger für Gukesh, würde er seine Kraft und Energy rein dem Sport widmen. Gut, andererseits verfügt er so als faktischer Amateur über diese Lockerheit, die Du eben auch brauchst, um groß aufzuspielen. Ein spannendes Experiment, Kudos an die Veranstalter in Chennai.… Weiterlesen »