Das Aus für Regium

Die Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat nach einer Woche die Finanzierung des vermeintlichen Wunderschachbretts von Regium ausgesetzt. Damit ist das Projekt, dem zuletzt nach und nach die Unterstützer ausgingen, vorzeitig beendet.

Für den Initiator dürfte sich ein erheblicher Verlust ergeben haben. Mit dem Ziel, die Sache professionell aussehen zu lassen, war Regium in Vorleistung gegangen: Werbung bei chess24, chess.com und New In Chess, eine Hochglanzwebsite, eine Firmengründung in den USA und natürlich die Produktion der Videos, die ein Produkt vorgaukeln sollten, das es nicht gibt. Aber anstatt professionell auszusehen, hat er sich von Beginn an verdächtig gemacht und das im Lauf der Affäre durch eine falsche Entscheidung nach der anderen nur verschlimmert.

Hätte sich der Regium-Initiator beraten lassen, dann hätte er von Beginn an gehört, dass er die Sache falsch angeht. Er hätte sich auch bei Square Off abschauen können, wie es geht: Inszeniere dich als enthusiastischer Tüftler, transportiere deine Leidenschaft fürs Produkt und sei stets offen und ehrlich, speziell was den Stand der Dinge betrifft. Square Off hat in mittlerweile zwei Kickstarter-Kampagnen deutlich über eine Million Dollar gesammelt.

Regium hat offenbart, was Schachspieler wollen

Das Projekt Regium hat in der Schachszene manchen Impuls ausgelöst. Unter anderem hat es offenbart, nach was für einem Produkt sich eine Vielzahl von Schachspielern die Finger leckt. Wir dürfen davon ausgehen, dass sich nun eine Vielzahl von Entwicklern bemüht, diese Nachfrage zu befriedigen.

Außerdem hat es einen weiteren Grund offenbart, warum es wichtig ist, dass sich in der Schachszene neben den kommerziellen Platzhirschen eine unabhängige Plattform behauptet. Lichess treibt das Kommerzschach nicht nur in Sachen Funktionalität vor sich her, es hütet auch in höherem Maße die Integrität des Schachs als die kommerziellen Mitbewerber.

Im Lichess-Forum hat die Regium-Affäre die bei weitem längste Debatte jemals ausgelöst: mehr als 1.000 Beiträge, mehr als 120.000 Klicks. Die User spekulieren jetzt, ob das Wunderbrett demnächst unter neuem Namen auf einer neuen Crowdfunding-Plattform auftaucht.

5 1 vote
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments