Vladimir Kramnik
Ehemaliger Schachweltmeister, Mentor von Hans Niemann. Führt seit Jahren eine öffentliche Kampagne gegen mutmaßlichen Betrug im Onlineschach, deren Vorwürfe von der Mehrheit der Statistik-Fachleute als substanzlos eingeschätzt werden. Wurde von chess.com dauerhaft und von der FIDE im Juli 2026 für zwei Jahre gesperrt.
Cheating-Kampagne
Trainierte im November 2023 in der Schweiz mit Hans Niemann, nachdem die beiden zuvor beim Onlineschach aneinandergeraten waren und Kramnik auch ihm Betrug unterstellt hatte. Richtete seine Vorwürfe anschließend gegen Hikaru Nakamura, dessen Siegesserien er in Blogbeiträgen auf chess.com als statistisch verdächtig darstellte, ohne ihn zunächst zu nennen; chess.com wies die Anschuldigungen auf Basis von fast 2.000 Einzelberichten zurück, schloss Ende Dezember 2023 seinen Blog und schaltete sein Konto stumm. Verdächtigte im weiteren Verlauf unter anderem Matthias Blübaum und den ehemaligen DSB-Kaderspieler Tykhon Cherniaiev.
Beschuldigte chess.com Anfang 2025 unverändert, Betrugsbekämpfung zu vernachlässigen; CEO Erik Allebest wies das als faktenfremd zurück und verwies auf die wachsenden Fair-Play-Teams der Plattform. Forderte im April 2025 nach Bekanntwerden einer von einem US-Studenten entwickelten Betrugsbrille die Entwicklung neuer Anti-Betrugs-Systeme, blieb im selben Monat aber öffentlich stumm, als sein Schützling Niemann sich rätselhaft vom Freestyle Chess Grand Slam in Paris zurückzog.
Konflikte mit chess.com
Chess.com sperrte im Januar 2024 das Blog-Feature seines Accounts, woraufhin er verstärkt auf X wechselte, und verwarnte ihn im März 2024 offiziell, nachdem er im Titled Tuesday eine Partie gegen den mexikanischen GM Jose Martinez im zweiten Zug aufgegeben hatte – laut Plattform eine Gefährdung der Wettbewerbsintegrität. Verlor im Juni 2024 in Madrid ein dreitägiges Blitzschach-Showmatch gegen Martinez, den „Clash of Claims“, erklärte es aber wegen technischer Probleme für ungültig und nicht gespielt; er hatte während des Matches wiederholt Formatänderungen verlangt und sich in Debatten mit den Schiedsrichtern verzettelt, während Martinez sich kooperativ zeigte. Arjun Erigaisi kommentierte danach öffentlich, Kramnik „werde verrückt“.
Klage und Sperre
Reichte im Juni 2025 in Genf, an seinem 50. Geburtstag, eine Verleumdungsklage gegen chess.com, die Plattform chessdom und den tschechischen Großmeister David Navara ein. Die FIDE sperrte ihn im Juli 2026 für zwei Jahre von allen Veranstaltungen und Ämtern, nachdem die Ethik- und Disziplinarkommission ihn in acht von elf Anklagepunkten für schuldig befunden hatte; Kramnik nannte das Urteil unrechtmäßig und kündigte Widerspruch an.
Die Niemann-Episode 2023
Verlor im September 2023 online gegen Hans Niemann, der seine eigene Paradeeröffnung, die Berliner Mauer, gegen ihn spielte und eine Zugwiederholung ablehnte. In der Revanchepartie eröffnete Kramnik mit einer Zugfolge, die dem Gegner das Narrenmatt anbietet; Niemann verzichtete darauf und gab nach zwei Zügen auf. Es war der wiederkehrende Vorwurf ohne ausgesprochenes Wort – wenige Tage, nachdem chess.com Niemann entsperrt und Magnus Carlsen seinen Betrugsvorwurf zurückgezogen hatte.
Als Niemann ihn kurz darauf in der Qualifikation zur Champions Chess Tour mit 2:0 schlug und in die dritte Division verwies, verkündete Kramnik erneut seinen Rückzug von chess.com, spielte dort aber weiter – wie schon nach seiner Ankündigung vom Juni 2023, den „Cheating Tuesday“ zu boykottieren. Kontakt zu den Fair-Play-Spezialisten der Plattform nahm er nach PvB-Recherche nicht auf. Niemann berichtete später, Kramnik habe ihm privat geschrieben, er habe kein Problem mit ihm, und ihn zum gemeinsamen Training nach Amsterdam eingeladen.


