Gut geschlafen?

Wer im Schach besser werden will, muss Schach trainieren. Logisch. Ganz oben stehen Taktik- und Rechentraining. Die einzelnen Partiephasen wollen erforscht und verstanden werden, die Technik muss besser werden, der Punch auch. Obendrein schadet es nicht, etwas über Strategie zu wissen. Es gibt viel zu tun.

Dazu kommen außerschachliche Aspekte. Wer sich wie der Schreiber dieser Zeilen übergewichtig, untrainiert und nikotinabhängig ans Brett setzt, der endet nicht in der Bundes-, sondern in der Bodenseeliga (und zockt mit seiner Lebenserwartung). Ambitioniertes Schach bedingt körperliche Fitness und ausgewogene Ernährung.

Niclas Huschenbeth hat in seinem neuesten Video einen weiteren Aspekt aufgezeigt. Der deutsche Großmeister erklärt, dass Schlaf in mehrfacher Hinsicht ein wichtiger Faktor ist, um besser Schach zu spielen.

Im Schlaf transferiert unser Gehirn Gelerntes vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Wer sich in der Nacht vor der Partie hinsetzt, um Varianten zu pauken, und danach keinen gesunden Schlaf findet, der darf sich darauf einstellen, dass am nächsten Tag vom kurz zuvor Gepaukten nicht viel übrig ist.

Ausgeschlafen zum World Cup

Und wer in der Nacht vor der Partie nicht ausreichend schläft, der sollte besser per Schäfermatt oder mit anderen Eröffnungstricks einen schnellen Sieg ansteuern. Die Konzentration wird nämlich nicht lange halten. Sie leidet unter Schlafentzug.

Huschenbeth hat unlängst ein das Buch über Schlaf schlechthin gelesen. Diese Lektüre führte dazu, dass der Großmeister die Teile seines Lebens neu organisierte, die mit Schlaf zu tun haben, um möglichst effizient zu schlafen. Dass das funktioniert, hat sich zum Beispiel beim World Cup gezeigt.

Natürlich, 42…f4! war die einzige Chance, die fast schon den Bach heruntergegangene Schwarzpartie gegen Vitiugov zu retten. Aber um zu begreifen, dass sich Schwarz mit 42…f4 herauslügen kann, muss der Schwarze vorhersehen, dass nach 43.c7 f3 44.Dd8+ Kg7 45.c8D Txc8 46.Dxc8 fxg2+ Kg1 der Zug 47…Df3 den Schwarzen trotz Minusturm in der Partie hält. Eine solche Rechenleistung vollbringen nur ausgeschlafene Schachmeister, die auch nach der Zeitkontrolle noch hellwach und fokussiert sind.

Huschenbeth war hellwach und vermochte noch in der vierten, fünften Stunde, die Konzentration hochzuhalten. Aus vier Turnierpartien gegen die nominell favorisierten Schachfreunde Naiditsch und Vitiugov holte Huschenbeth drei Punkte. Mit einiger Wahrscheinlichkeit hätte er sich in seiner fast schon verdaddelten Schwarzpartie gegen Vitiugov nicht noch herausgelogen, wäre er nicht auch nach der Zeitkontrolle noch hellwach und fokussiert gewesen.

Warum wir schlafen? Matthew Walker erklärt es in seinem vielfach gepriesenen Bestseller.
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[…] nach Elo wahrscheinlich stärkste Spieler dieses 20. Spieltags war in Liga sieben anzutreffen. Niclas Huschenbeth hat mit seiner Fangemeinde ein eigenes Team gegründet, das muss ganz unten anfangen – und […]