Coronavirus bedroht das Kandidatenturnier

Zwei Chinesen sind unter den acht Spielern, die von Mitte März bis Anfang April in Jekaterinenburg (Russland) den Herausforderer von Magnus Carlsen ermitteln sollen. Aber wegen des sich ausbreitenden Coronavirus hat Russland unlängst seine Grenze zu China geschlossen, den Zugverkehr zwischen beiden Ländern komplett eingestellt und den Flugverkehr weitgehend. Die Erteilung von Visa für Chinesen wurde stark eingeschränkt. Wie lange diese Beschränkungen gelten, ist offen. Auch innerhalb Chinas ist die Reisetätigkeit stark eingeschränkt.

Dürfen die Schachgroßmeister Ding Liren und Wang Hao unter diesen Umständen nach Jekaterinenburg fahren? Beide leben in einiger Entfernung von der Stadt Wuhan, dem Zentrum der Corona-Krise, Wang Hao gut 2.000 Kilometer entfernt im Nordosten in der Stadt Harbin, Ding Liren gut 800 Kilometer entfernt in der Küstenstadt Wenzhou. Gleichwohl gibt es in China keine Provinz mehr, die nicht betroffen ist.

Die Ausbreitung des Virus und die Zahl der Todesfälle lässt sich auf der Live-Karte der John-Hopkins-Universität verfolgen.

Der Journalist Ian Rogers verbreitete jetzt auf Twitter, der chinesische Schachverband habe Ding Liren und Wang Hao aufgefordert, 14 Tage vor Turnierbeginn anzureisen, um die Inkubationszeit abzusitzen. Dem widersprach der Schach-Weltverband: Es würden alle Szenarien durchgespielt, die eine Einreise der beiden Chinesen erschweren oder verhindern könnten.

Noch ist offen, woher die Aufforderung an die beiden Spieler stammt. Die FIDE gibt an, niemand anders als der Rechtsberater stehe in Kontakt mit Ding Liren und Wang Hao, damit deren Kandidaten-Verträge möglichst bald unter Dach und Fach sind. Rogers sagt, der Chinesische Verband habe die Aufforderung, 14 Tage eher zu kommen, nur weitergeleitet, benennt aber nicht deren Ursprung.

„Können helfen, ein Visum zu bekommen“

Einer E-Mail des FIDE-Rechtsberaters an die Spieler lässt sich entnehmen, dass der Weltverband zumindest erwägt, die Spieler zu bitten, sehr zeitig anzureisen. Laut Rogers, in Sachen asiatisches Schach gewöhnlich exzellent informiert, stehen jedenfalls beide Spieler seit der Botschaft ihres nationalen Verbands unter dem Eindruck, sie sollten zwei Wochen vor Beginn des Kandidatenturniers in Jekaterinenburg präsent sein.

Akut ist die Frage offen, ob die beiden WM-Kandidaten ein für die Wochen des Kandidatenturniers gültiges Russland-Visum haben. Haben sie keines, dann haben sie auf jeden Fall ein Problem.

„Aber wir könnten ihnen helfen, eines zu bekommen“, tweetete die FIDE. Angesichts eines FIDE-Präsidenten, der einst stellvertretender Ministerpräsident Russlands war, sollte in dieser Hinsicht Spielraum bestehen.

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