Ding Liren

Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess

Chinesischer Großmeister, Schachweltmeister 2023 bis 2024 und erster chinesischer Weltmeister. Zog sich sowohl nach dem Titelgewinn als auch nach dem Titelverlust monatelang vom Brett zurück, unter anderem wegen psychischer Probleme – eine Zäsur, die seine Karriere seither prägt.

Karriere

Verteidigte 2018 bei der Schacholympiade mit gebrochener Hüfte an Krücken das erste Brett Chinas ungeschlagen mit einer 2873-Performance und trank während der Partien nichts, um Toilettengänge zu vermeiden; China gewann Gold. Setzte im WM-Match 2023 gegen Ian Nepomniachtchi auf breite Eröffnungsvielfalt statt tiefer Theorie – ein Ansatz, den er auch gegen Gukesh verfolgen wollte.

Verlor im Februar 2024 sein Viertelfinale bei der Weissenhaus Freestyle Chess G.O.A.T. Challenge, baute davor aber respektvoll die Figuren auf und suchte trotz Trostangeboten der Helfer eigenhändig einen heruntergefallenen Bauern, bevor er die Arena verließ. Bereitete sich im August 2024 auf das WM-Match gegen Gukesh vor, ohne dass Austragungsort oder Vertrag feststanden, und beendete den Sinquefield Cup drei Monate vor dem Match mit nur 3,5 aus 9.

Drohte im Sommer 2025 mit Elo 2734 und Rang 19 als erster Exweltmeister ohne automatisches Kandidaten-Privileg vorzeitig aus dem WM-Zyklus auszuscheiden. Gewann im Juni 2026 in Hongkong mit dem Team Dragon Chilling Doppelgold bei der Rapid- und Blitz-Team-WM – ein Comeback-Signal.

Die verschwundenen Monate 2023

Spielte am 29. April 2023 im WM-Match gegen Nepomniachtchi seine für lange Zeit letzte klassische Partie und war danach – abgesehen von einem Grand-Chess-Tour-Wettbewerb in Bukarest – praktisch nicht mehr zu sehen. Zog von der Global Chess League, der Speed Chess Championship und den Asienspielen zurück und wurde beim Saint Louis Rapid & Blitz sowie beim Sinquefield Cup durch Levon Aronian und Quang Liem Le ersetzt.

Deutete gegenüber chinesischen Medien an, seine Karriere werde nicht von langer Dauer sein und er wolle mittelfristig „woanders neues Glück finden“. Trat Ende Oktober 2023 erstmals wieder öffentlich auf, als Kommentator im chinesischen Fernsehen, und erklärte im Schachkalender 2024, er sei nach der WM erschöpft und krank gewesen und noch nicht genesen, aber die Leidenschaft fürs Schach sei nicht erloschen; zur Erholung habe er mit der Familie in der Inneren Mongolei Pferdereiten ausprobiert. Kehrte im Januar 2024 in Wijk aan Zee zurück, nach 244 Tagen ohne klassische Partie.