Ullrich Krause
DSB-Präsident von 2017 bis Mai 2023. Seine Amtszeit endete mit der Aufdeckung der Finanzkrise des Verbands; der Untersuchungsbericht von Ende 2023 beschreibt das „System Krause/Fenner“, in dem Geschäftsführer Marcus Fenner machen konnte, was er wollte, bedingungslos gedeckt vom Präsidenten. Gilt zugleich als Begründer des Schachgipfels.
Amtszeit
Versuchte 2018 nach französischem Vorbild die ursprüngliche Tradition der DSB-Kongresse als zentrales Schachfest samt Spitzenturnier wiederzubeleben – daraus entstand der Schachgipfel, dessen für 2019 in Radebeul geplante Premiere wegen des Falls Dirk Jordan kurzfristig nach Magdeburg verlegt werden musste. Scheiterte am Widerstand des Kongresses mit dem Versuch, per günstiger DWZ-Lizenz eine Brücke für Hobbyspieler ins organisierte Schach zu bauen. Verantwortete eine Leistungssportabteilung, in der es unter dem mitverantwortlichen Marcus Fenner zum Aufruhr kam und aus der 2021 Alexander Naumann als Bundestrainer ausschied.
Unter seiner Präsidentschaft begann – laut PvB-Bericht vom August 2023 knapp drei Jahre zuvor – das Projekt einer neuen Mitglieder- und DWZ-Software. Die dafür gebildete Arbeitsgruppe stand nach Darstellung von PvB nur offiziell allen Interessierten offen: Einem IT-Experten, der die DSB-Doppelspitze für die Eskalation des Konflikts mit der Deutschen Schachjugend kritisiert hatte, wurde der Zugang als „Störenfried“ verweigert; ein weiterer Teilnehmer wurde zunächst zugelassen, später aber nicht mehr zu den Sitzungen eingeladen.
Erklärte Ende 2021, statt eines Sponsors sei ein Investitionsplan „dringend notwendig“, und ließ eine Sponsoring-Anfrage der Merkur-Gruppe um Paul Gauselmann unbeantwortet – als Grund galt die Sorge vor einer Verbindung des DSB mit der Glücksspielbranche, während die Finanzlage des Verbands tatsächlich deutlich schlechter war als vom Präsidium dargestellt. Trat nach der im Februar 2023 offenbarten Finanzlage nicht mehr zur Wahl an; wurde beim Kongress im Mai 2023, bei dem Ingrid Lauterbach zur Nachfolgerin gewählt wurde, gemeinsam mit Lutz Rott-Ebbinghaus nicht entlastet.
Der Befund des Finanzuntersuchungsausschusses
Der Bericht von Matthias Kierzek und Alexander von Gleich prägte den Begriff „System Krause/Fenner“ und rekonstruiert den finanziellen Niedergang des Verbands. Laut PvB-Berichterstattung blockte Krause Kritik ab, diskreditierte missliebige Personen und glaubte an die fiktiven Einnahmen aus Fenners „Scheinwelt“; nannte die Finanzlage Ende 2021 „sehr positiv“ und beschwerte sich noch in seinem letzten Kongressbericht über „Schachfeinde“. Fragte seinen Geschäftsführer erst im August 2022 – auf Initiative von Anja Gering – erstmals ernsthaft nach dem Stand der Finanzen; Fenner antwortete nicht und meldete sich krank.


