Schachturnier im Baskenland verbietet israelische Flagge

Die Organisatoren des Opens Sestao Basque Country im Baskenland haben vor dem Turnierbeginn am 12. September von israelischen Spielern verlangt, nicht unter ihrer Nationalflagge anzutreten, sondern neutral unter der Flagge der FIDE. Nach Protesten dagegen schaltete sich die FIDE ein. Die offenbar vom spanischen Schachverband abgesegnete Regelung ist jetzt weitgehend zurückgenommen.

Das Turnier wird in diesem Jahr zum 40. Mal ausgetragen, mit 20.000 Euro Preisfonds und Teilnehmern aus vielen Nationen. Es ist Teil eines regionalen Programms, das mit Kultur- und Sportveranstaltungen den Tourismus im Baskenland fördern soll. Aus Deutschland werden der Meldeliste nach Ausnahmetalent Christian Glöckler und Großmeister Hagen Pötsch mitspielen.

In den Ansprachen zur 40. Auflage des Turniers ging es um Tourismus, um den Jakobsweg, um Schach als Wachstumstreiber, um Sichtbarkeit für die Marke Sestao. Um Flaggen ging es nicht.

Turnierdirektor Miguel Ángel de l’Olmo Alonso hatte Spielerinnen und Spieler vorab informiert, die israelische Flagge werde auf den offiziellen Startlisten und Namensschildern nicht erscheinen. Stattdessen werde das Kürzel FID (FIDE) angezeigt. Wer das nicht akzeptiere, dürfe nicht teilnehmen. Mindestens sieben Spieler waren betroffen. Nach spanischen Medienberichten wandten sie sich selbst an die FIDE mit der Bitte um Unterstützung.

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Zusammenhang mit Protesten beim Radsport

Offiziell hatten die Organisatoren „Gründe außerhalb unserer Kontrolle“ angeführt. Damit dürften die Proteste gegen das israelische Radsportteam „Israel-Premier Tech“ gemeint sein. Bei der laufenden Spanien-Rundfahrt in Bilbao, zwölf Kilometer von Sestao entfernt, musste jetzt eine Etappe abgebrochen werden, nachdem Demonstranten mit palästinensischen Fahnen die Strecke blockiert hatten.

Spaniens Außenminister José Manuel Albares solidarisierte sich mit denen, die einen Ausschluss forderten. Er sagte im Radio: „Wir müssen Israel und der israelischen Gesellschaft die Botschaft senden, dass es normale Beziehungen mit Europa nur geben kann, wenn Menschenrechte respektiert werden.“ Das israelische Team erklärte, es werde nicht zurückziehen, um „einen gefährlichen Präzedenzfall zu vermeiden“. Die Protestierenden hätten ihrer Sache und dem Sport geschadet. Der internationale Radsportverband UCI verurteilte derweil die Proteste, erklärte sich solidarisch mit den betroffenen Sportlern. Ein Ausschluss des Teams sei keine Option.

Der Gaza-Krieg erreicht den Radsport.

Eingriff der FIDE

Die FIDE schaltete sich ungewöhnlich schnell ein. Sie habe keine Kenntnis von der Entscheidung der Organisatoren gehabt und sei nicht konsultiert worden, teilte sie am Freitag mit. Der Weltverband stellte klar, dass israelische Spieler nicht zu einer neutralen Flagge gezwungen werden dürfen. „Die FIDE verurteilt jede Form von Diskriminierung, auch auf Grundlage von Nationalität und Flagge. Für Israel und seine Spieler gelten dieselben Regeln wie für alle anderen Mitgliedsverbände, die nicht unter Sanktionen stehen.“

In der Meldeliste erschienen bald darauf wieder die israelischen Flaggen hinter den Spielernamen, hinter denen bis dahin das FIDE-Logo geprangt hatte. Im Spielsaal werden ab dem 12. September gar keine Flaggen zu sehen sein. Die Veranstalter wollen in diesem Jahr darauf verzichten, sie an den Spieltischen anzubringen oder aufzustellen.

Anm. d. Red.: „Developing story“ – alle weiteren Entwicklungen in der Perlen-Fundgrube

(Titelfoto via Turnierwebsite)

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Oliver Calm
Oliver Calm
4 Monate zuvor

Der Vorstoß schockiert, doch verwundert er leider nicht, wenn man sieht, wie willfährig sich die Spanier bei der Vuelta zu Lakaien der pro-palästinensischen Terroristen machen.

Vorschlag zur Güte: Israel nimmt den Gazastreifen, die Palästinenser bekommen das Baskenland, oder werden dort eingebürgert.

Das ist doch offenbar dann eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

GLorscheid
GLorscheid
4 Monate zuvor

Die Spanier beziehen sich auf einen Bericht, der besagt die Israelis könnten In Gaza Menschenrechte verletzt haben, mehr haben sie aus neutralen Quellen nicht. Aber man will dem Ministerpräsidenten natürlich folgen und der wohl von der Korruptheit seiner Familienmitglieder ablenken.

Tara
Tara
4 Monate zuvor

Politik hat im Schach nichts verloren. Genauso auf diesen Seiten und in den Kommentaren. Lasst es bitte sein, es löst nur extrem negative Diskussionen und Gefühle aus, das hilft 0,0 und schadet nur.

GLorscheid
GLorscheid
4 Monate zuvor

Kleiner Update von vor Ort. Zum einen scheinen die Israelis zu Hause geblieben zu sein. Damit hatte eine „Delegation“ von einem halben Dutzend Palästinenser freie Rede bei der Eröffnung, Die bestanden aus minutenlangen Vorträgen. Da ich kein Spanisch beherrsche, kann ich nicht sagen was der Inhalt war. Es endete mit lautem Applaus. Ich kann nicht sagen ob die Beiträge humanitäre Themen, Antizionismus oder Antisemitismus enthielten.

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