Die Schachsammlung des deutschen Großmeisters Lothar Schmid wird im kommenden Monat bei Sotheby’s in London versteigert. Das berichtet The Guardian. Die Sammlung umfasst mehr als 50.000 Objekte aus mehreren Jahrhunderten. Sie gilt als die größte und bedeutendste ihrer Art in privater Hand. Die Versteigerung ist nicht die erste Versteigerung von Objekten, die Schmid über sieben Jahrzehnte in aller Welt gesammelt hat. Nach Angaben seines Sohnes Bernhard sollen schon im Juni über ein deutsches Antiquariat und Auktionshaus weitere Artikel verkauf werden, die bis vor Kurzem in Schmidts Haus in Bamberg aufbewahrt wurden. Dort starb Lothar Schmid 2013.
Zu den Stücken gehören laut Guardian Objekte von der Weltmeisterschaft 1972 in Reykjavik zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer, die als „Match of the Century“ bekannt wurde. Schmid leitete diesen Wettkampf als Hauptschiedsrichter. Versteigert werden unter anderem seine Notationsblätter aus dem Duell sowie die Aufzeichnungen von Spasski und Fischer.
Eines der wertvollsten Objekte ist ein Buch von Luis Ramírez de Lucena. Es trägt den Titel „Repetition of Loves and the Art of Chess“, beschreibt Regeln und Strategie des Schachs und gilt als ältestes erhaltenes Buch über den Sport. Sotheby’s erwartet dafür mindestens 70.000 Pfund. Zur Auktion gehören zudem seltene Werke über den sogenannten „Türken“, einen schachspielenden Automaten, der 1769 der Habsburger Kaiserin Maria Theresa vorgestellt wurde. Ein weiteres Spitzenstück ist die einzige existierende italienische Ausgabe von Givochos Schachbuch von Jacobus de Cessolis, einem mittelalterlichen Moralgedicht, das Schach als Bild für die feudale Gesellschaft nutzt.
Schmids Sohn Bernhard Schmid erinnert sich im Gespräch mit Guardian-Redakteurin Kate Connolly an die Sammelleidenschaft seines Vaters. Er reiste auf fünf Kontinente, um Objekte zu erwerben, in die er sich verliebt hatte. Einmal flog er nach Südamerika, um ein Buch zu kaufen, das er seinen Kindern als so teuer wie ein Haus beschrieb.
Die finanziellen Mittel für diese Sammlung lagen in der Familiengeschichte. Die Familie besaß den Karl-May-Verlag, der die Abenteuerromane von Karl May veröffentlichte. Später führte Schmid den Verlag selbst und verwaltete damit zugleich einen bedeutenden literarischen Nachlass. Um diesen Besitz entstand 2008 ein öffentliches Tauziehen mit dem Freistaat Sachsen. Schmid verlangte 15 Millionen Euro für handschriftliche Manuskripte Karl Mays, dessen Bibliothek, Kunstgegenstände und Möbel aus der „Villa Shatterhand“ in Radebeul. Sachsen bot zunächst rund 3,5 Millionen Euro und verwies auf deutlich niedrigere Wertschätzungen zwischen einer und sieben Millionen Euro. Schmid drohte daraufhin mit einer Versteigerung auf dem freien Markt. Parallel stritten Gutachter aus verschiedenen Städten über den tatsächlichen Wert der Sammlung.

Als Schachspieler blieb der 1928 geborene Lothar Schmid während seiner ganzen Laufbahn Amateur. Das hielt ihn nicht davon ab, Großmeister im Turnierschach und im Fernschach zu werden. Als Nationalspieler vertrat er die Bundesrepublik zwischen 1950 und 1974 bei elf Olympiaden. Und doch ist er international am ehesten als der Schiedsrichter bekannt, ohne den das Spassky-Fischer-Match 1972 wahrscheinlich geplatzt wäre.
Bernhard Schmid beschreibt seinen Vater als charmant, weltgewandt, ausgeglichen und politisch neutral. Gerade deshalb habe er als Schiedsrichter zwischen Fischer und Spassky gepasst. Beide Spieler kannten und respektierten ihn und besuchten ihn später getrennt voneinander in seinem Haus. Dort erlebte der junge Bernhard Schmid, wie sein Vater den beiden Weltklassespielern Stücke aus seiner Sammlung zeigte. Lothar Schmids Frau Ingrid habe die Sammelleidenschaft ihres Mannes hingenommen, sagt der Sohn heute. Andere kauften Immobilien, Lothar Schmid kaufte Schachbücher und -objekte.
Korrektur: In einer früheren Version dieses Beitrags stand, bei Sotheby’s komme jetzt die gesamte restliche Sammlung Schmids unter den Hammer. Das war nicht korrekt. Lothar Schmids Sohn Bernhard macht darauf aufmerksam, dass weitere Versteigerungen geplant sind.
Danke für die Information. Es kann sich aber nur um einen Teil der Sammlung von Lothar Schmid handeln. Ein anderer (beträchtlicher) Teil wurde nämlich im Frühsommer 2025 bei Klittich + Pfankuch in Braunschweig Stück für Stück versteigert. Es war damals ein sehr lebhafter Samstag.
Interessant wäre es vielleicht noch zu erwähnen, dass es eine online-auction ist. Mitbieten kann man online ab 2. April, die Zuschläge erfolgen am 18. April.
https://www.sothebys.com/en/buy/auction/2026/books-manuscripts-objects-from-three-important-collections?locale=en
Im Bericht über den Verkauf der Schachsammlung von Lothar Schmid sind mehrere Fehler enthalten. Teile der Sammlung werden seit annähernd 10 Jahren 2x jährlich beim Auktionshaus Klittich in Braunschweig zur Versteigerung angeboten. Schätzungsweise konnte damit die Sammlung um 5.000, teils hochwertige, Posten verkleinert werden. Seit 8 Jahren biete ich unter dem Handle „im.Makler“ nahezu wöchentlich bei Ebay vielfältige Artikel Waren zum Thema Schach aus dem Hause Schmid zur Versteigerung an. Auch hier kann ich die Menge nur schätzen. Es werden in dieser Zeit wohl rd. 16.000 Auktionen gewesen sein, die weltweite Resonanz hervorgerufen haben und auch noch hervorrufen. Die nun… Weiterlesen »