Den Schachsport in einem dünn besiedelten Land zu verwalten und, wichtiger, den Spielbetrieb am Laufen zu halten, ist ohnehin nicht leicht. In Mecklenburg-Vorpommern war es aufgrund interner Konflikte zuletzt besonders schwierig. Jetzt steht eine Zerreißprobe bevor: Mehrere Vereine haben sich zusammengeschlossen und beantragt, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Am 28. September in Rostock wollen sie Präsident Guido Springer abwählen.

Die Versammlungsunterlagen, die den gut 1100 Mitgliedern vorliegen, zeichnen detailliert nach, wie tief der Graben im Verband inzwischen ist. Kritisiert werden Springers Alleingänge und ein Führungsstil, der nach Ansicht seiner Kritiker persönliche Konflikte über die Interessen der Schachspieler stelle. Die Vereine verweisen auf formale Winkelzüge, mit denen Springer das Abwahlverfahren zu unterlaufen versuche. Vor der Versammlung war es darum gegangen, ob die Willenserklärungen der Vereine „formal korrekt eingegangen“ seien, um „Nachfragen beim Amtsgericht“ sowie einer möglichen „drohenden Anfechtbarkeit der Mitgliederversammlung“.
Willkommen in der Schachverwaltung.
Ein zentrales Element der Auseinandersetzung ist das traditionsreiche Senioren-Open in Binz auf der Insel Rügen. Dort war bis 2024 die offene Landes-Seniorenmeisterschaft Mecklenburg-Vorpommerns fester Bestandteil des Opens: Wer in Binz spielte, konnte zugleich um den Landesmeistertitel kämpfen – den offenen. Es gibt auch eine geschlossene Senioren-Landesmeisterschaft, die Einheimischen vorbehalten ist.
„Der Verband lässt sich seine Meisterschaft nicht wegnehmen“
Anfang 2025 beendete das Turnierhotel die Zusammenarbeit mit Springer und betraute einen neu gegründeten Verein mit der Organisation. Dieser richtet nun das „1. Binzer Senioren Open 2025“ aus – allerdings ohne offene Landesmeisterschaft. Springer wiederum hält an der offenen Landeseinzelmeisterschaft als separatem Turnier fest: „Diese Meisterschaft ist ein offizielles Turnier unseres Verbandes, das auch künftig durchgeführt werden wird. Der Landesverband lässt sich seine offene Senioren-Einzelmeisterschaft und seinen Termin nicht von einem Konkurrenzturnier wegnehmen.“

In einem Infoschreiben im März stellte Springer fest, das Turnier in Binz sei gekapert worden. Den Ausrichtern des Nachfolgeturniers wirft er „Verbrauchertäuschung“ vor. Sie hätten eine Tradition suggeriert, die es nicht gibt, und einen Bezug zur Landesmeisterschaft hergestellt, die sie nicht ausrichten. Den Schachrundbrief-Schreiber Henning Geibel nennt Springer nicht namentlich, wirft ihm aber vor, in seinem Binz-Rundbrief „größtenteils erfundene Behauptungen“ verbreitet zu haben. Geibel hatte von einer „gerichtlichen Auseinandersetzung“ berichtet. Tatsächlich dürfte der Streit nicht über die Ebene von Anwaltsschreiben hinausgegangen sein. Springer vermutet einen von langer Hand vorbereiteten Versuch, ihm das Turnier zu entreißen.
Zwei Turniere gleichzeitig, 60 Kilometer entfernt
Nun gibt es erstmals zwei separate Veranstaltungen: das Open in Binz auf Rügen und die Landesmeisterschaft auf Usedom in Heringsdorf. Allerdings bedeutet dies keine Erweiterung des Schachangebots in Mecklenburg-Vorpommern, was gar nicht schlecht wäre, sondern zwei Turniere, die das jeweils andere kannibalisieren. Das Open Binz beginnt am 26. November 2025, die Luftlinie gut 60 Kilometer entfernte offene Landesmeisterschaft auch.

Zu wenige Schultern, zu viel zu tragen
Der Konflikt fällt in eine Phase, in der der Verband seit Jahren mit Personalproblemen zu kämpfen hat. Auf der Homepage finden sich zahlreiche unbesetzte Funktionen und immer neue Aufrufe, sich hier oder dort zu engagieren. Vizepräsident Sven Helms beschreibt die Lage so: „Vieles bleibt liegen, manches kann nur noch notdürftig aufgefangen werden. Der organisatorische Unterbau ist brüchig geworden, weil dauerhaft zu wenige Schultern zu viel tragen müssen. Es ist bitter, das einzugestehen – aber notwendig.“
Helms ist derweil unentschlossen, ob er weitermacht: „Die Entscheidung, ob ich mich einer erneuten Wahl stellen werde, habe ich bisher nicht getroffen.“ Seine Motivation sei gering: „Die Entwicklungen der letzten Monate haben ihren Anteil daran.“
Anstatt gemeinsam für die Belange der Schachorganisation einzutreten, bekämpft man sich lieber gegenseitig.
Das ist nicht besonders schlau.
Davon, dass die beiden Veranstaltungen einander kannibalisieren würden, kann m. E. keine Rede sein. Das Turnier in Binz ist seit Jahren „überbucht“, heuer liegen zweieinhalb Monate vor Turnierbeginn 174 Anmeldungen vor (bei einer Begrenzung auf 160), während in Heringsdorf 67 Spieler angemeldet sind bei einer Kapazität von maximal 200 Spielern. Dass eine offizielle Landesmeisterschaft nur der zuständige Fachverband ausschreiben darf, halte ich übrigens für richtig.
Schachlehrer ist ein sehr ehrenwerter Beruf!
Ist es richtig, dass Guido Springer hauptberuflich Schachlehrer ist?
Wenn man die Preisgelder in der Ausschreibung der Offenen Meisterschaft sieht, dann ist ja ein Überschuss zu erwarten. Zusätzlich mit den Kickbacks des Hotels sind das ja nennenswerte Einnahmen für den Schachverband Mecklenburg Vorpommern. Den Termin wird das Hotel mitbestimmen. Der wird immer außerhalb der Saisonzeiten liegen.