Rechtskräftig verurteilt: Dirk Jordan akzeptiert Bewährungsstrafe und zahlt 125.000 Euro an den DSB

Nach mehr als sieben Jahren juristischem Tauziehen ist die Sache Dirk Jordan seit diesem Montag erledigt. Das berichtet die Sächsische Zeitung (Abo). Das Landgericht Dresden verurteilte den 69-jährigen Schachorganisator zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Die Strafe wird für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Seine Frau Martina Jordan wurde zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt.

Beide Seiten – Verteidigung und Staatsanwaltschaft – verzichteten unmittelbar nach der Urteilsverkündung auf Revision. Die Urteile sind damit rechtskräftig. Jordan trägt fünf Sechstel der Prozesskosten, Martina Jordan die Kosten ihrer Berufung zu zwei Dritteln.

Das Landgericht fasste zwei Berufungsverfahren zu einem zusammen. 2023 hatte das Amtsgericht Dresden Jordan wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und Untreue in 27 Fällen zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; 2025 folgte eine weitere Verurteilung wegen Steuerhinterziehung in 13 Fällen. Gegen beide Urteile hatten die Jordans Berufung eingelegt. Die nun verhängte Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten liegt über dem ersten Einzelurteil, aber unter der Summe beider Einzelstrafen – was dem Mechanismus der Gesamtstrafenbildung entspricht, auf den sich Gericht und Staatsanwaltschaft verständigt hatten. Eine Gefängnisstrafe war damit ausgeschlossen.

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Jordan hatte von 2001 bis 2018 die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft im Auftrag des DSB organisiert. Über all diese Jahre kassierte er Hotelprovisionen, die nicht an den Verband flossen, sondern auf Konten von Vereinen, die er kontrollierte: „64 Felder“, dessen Präsident er war, und „Ran ans Brett“, deren Schatzmeisterin Martina Jordan war. Die Zahlungen wurden als Spenden deklariert, waren wirtschaftlich aber Gegenleistungen für die Vergabe von Hotelkontingenten. Der DSB trennte sich im Juni 2018 von Jordan. Im Sommer 2019 folgte eine Hausdurchsuchung und ein Vermögensarrest.

125.000 Euro für den DSB

Parallel zum jetzt beendeten Strafverfahren einigte sich Jordan mit dem Deutschen Schachbund außergerichtlich auf einen Vergleich im seit 2019 ruhenden Zivilverfahren. Über seinen Verein „64 Felder“ zahlt Jordan 69.150 Euro an den DSB. Aus eigenen Mitteln stockt Jordan nach Darstellung der Sächsischen Zeitung die Summe auf insgesamt 125.000 Euro auf.

Die strafbare Untreue gegenüber dem DSB umfasst einen weit größeren Zeitraum als die noch justiziable Spanne von 2014 bis 2018. Mutmaßlich seit Beginn seiner vermeintlich ehrenamtlichen Tätigkeit als DSAM-Chef 2001 hat Jordan über seine Vereine Hotelprovisionen für DSAM-Übernachtungen kassiert. Während einige Menschen aus der Schachszene Jordans DSAM-Geschäftsmodell als „offenes Geheimnis“ beschreiben, wollen die führenden DSB-Funktionäre nichts gewusst bzw. „keine konkreten Kenntnisse“ gehabt haben. Das im organisierten Schach gängige, im Fall Jordan 17 Jahre dauernde Nichtwissenwollen wertete der Richter 2023 als Versäumnis des Verbands und mildernden Umstand für den Angeklagten.

DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach hat den nun geschlossenen Vergleich auf Anfrage dieser Seite bereits am 16. April bestätigt, zugleich aber betont, er sei an Bedingungen geknüpft und könne noch widerrufen werden. Das dürfte nun hinfällig sein.

Dass der Vergleich ohne Beteiligung der Verbandsbasis geschlossen wird, hatte der Badische Schachverband noch zu verhindern versucht. Rund sieben Jahre nach Beginn der juristischen Auseinandersetzung will Verbandspräsident Christoph Mährlein, das DSB-Präsidium jetzt per Kongressbeschluss anweisen, ohne Zustimmung des Kongresses oder eines besonderen Beauftragten keine Vereinbarungen zu schließen, die einen Verzicht auf DSB-Ansprüche beinhalten könnten. Außerdem sollte der Kongress einen Beauftragten wählen, dem die Führung des Verfahrens übertragen wird. Der Antrag dürfte jetzt überholt sein.

Jordan sagte nach dem Urteil gegenüber der Sächsischen Zeitung. „Wir sind weiter zum Wohl des Schachs unterwegs.“

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Walter Rädler
Walter Rädler
17 Tage vor

Die Kuh ist vom Eis, das finde ich sehr gut.

Schachfreund
Schachfreund
17 Tage vor

Jordan hätte sich auch eine sehr dunkle Sonnenbrille aufsetzen und sagen können „wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs“.

peters
peters
9 Tage vor

In Kempten hat ein Paar gestanden, 1,9 Millionen Euro über 10 Jahre hinweg aus Parkautomaten gestohlen/entwendet zu haben. 10 Jahre lang ist niemand aus der Verwaltung aufgefallen, dass riesige Beträge fehlen. Warum nur erinnert mich das an Jordan und den DSB?