Schachboxen beim Schachgipfel

Was die Organisatoren bei den Deutschen Meisterschaften 2025 in München nicht einmal versucht haben, soll beim Schachgipfel 2026 Teil des Konzepts sein: Die Veranstaltung öffnen, ihr Farbe geben, Menschen neugierig machen, sie zum Zuschauen und Ausprobieren animieren. Drei Tage lang, vom 17. bis 19. Juli, wird Schachboxen Teil des Rahmenprogramms sein – mit Demokämpfen, Mitmachangeboten und einer Sportart, die Gegensätze verbindet.

„Als die Glocke läutet, weiß ich, dass ich keine weitere Boxrunde mehr schaffen werde. Entweder ich setze ihn jetzt matt, oder ich bleibe in der nächsten Boxrunde liegen.“ So steht es im wahrscheinlich besten deutschsprachigen Text, der je über Schachboxen geschrieben worden ist: der Erfahrungsbericht eines Schachspielers. Den hat hat schon vor dreieinhalb Jahren der österreichische Boxanfänger, FM und Autor Anatol Vitouch in Form einer Reportage abgeliefert, in der Schweiß perlt, Fäuste fliegen und Knie einknicken.

Bilder vom Training sowie die Gespräche mit Denno Probst und Alina Fichte-Rath.

Gewonnen wird im Schachboxen durch Schachmatt, K. o. oder auf Zeit. Zwischen Ring und Brett wechseln die Athletinnen und Athleten im festen Rhythmus. Tatsächlich entscheiden sich die meisten Kämpfe auf dem Brett, aber wer gut boxt, hat eine Siegchance, so lange der König nicht matt und noch Zeit auf der Uhr ist. Für Zuschauer sei das Format „adrenalingeladen, voller Bewegung, voller Konzentration“ – eine „Grenzerfahrung für die Kämpfer, super anzusehen“, erklärt Denno Probst von Chessboxing Cologne im Gespräch mit DSB-Öffentlichkeitsarbeiter Finn Engesser.

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Beim Schachgipfel sind Demokämpfe geplant. „Man kann sich mal live ansehen, wie ein Schachboxkampf abläuft“, sagt Probst. Beim Showkampf werde „natürlich nicht auf K. o. gegangen“, stattdessen trügen die Athleten Kopfschutz, die Priorität liege auf der Präsentation. Trotzdem bleibe der Reiz erhalten: „Vor dem Publikum möchte man auch immer gut dastehen.“

Probst sieht im Format eine sinnvolle Erweiterung des Gipfels: „Das Event ist riesengroß, viele Leute werden kommen.“ Der Bewegungsfaktor bringe eine neue Dynamik ins klassische Turnierumfeld und spreche andere Zielgruppen an. In Dresden soll das Publikum nicht nur zuschauen, sondern Fragen stellen, selbst aktiv werden und erleben, wie sich nach einer harten Boxrunde die Partie am Brett entscheidet.

Für Alina Fichte-Rath liegt der Reiz des Schachboxens gerade im Bruch mit Klischees. „Diese Gegensätze, dass jemand sowohl schlau als auch sportlich sein muss, das ist einfach das, was es für Leute so interessant macht“, sagt die dreifache Weltmeisterin. Schachboxen verlange Disziplin in zwei Disziplinen – und mentale Härte.

Nach einer harten Boxrunde sinke die Konzentration spürbar: „Und dann sinkt die Elo.“ Entscheidend sei deshalb, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Ihr Erfolgsrezept bringt Fichte-Rath in einem Satz auf den Punkt: „Nicht aufgeben, egal wie doll man gehauen wird.“

In der Turnierarena abseits des Rings droht derweil ein personeller Rückschlag. Der amtierende deutsche Meister Vincent Keymer und Vizemeister Matthias Blübaum sind international gefragt wie nie. Noch stehen die Felder für die Deutschen Meisterschaften 2026 nicht fest, aber zu hören ist, dass die Teilnahme der beiden Supergroßmeister in Dresden als sehr unwahrscheinlich gilt. Wer den internationalen Turnierkalender studiert, findet Anhaltspunkte, warum das so ist.

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4 Kommentare
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Chris
Chris
13 Tage zuvor

Ich mag mich täuschen. Ich glaube aber, daß die beiden deutschen Spitzenspieler mehr Zugkraft fürs Publikum sind als Schachboxen. Sollten bekannte Schachstreamerinnen, oder Streamer daran teilnehmen, könnte es jedoch anders sein.

Germaine
Germaine
13 Tage zuvor

Soll der Schachgipfel nicht im Juli und nicht in Juni stattfinden?