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Schachboxen

"Als die Glocke läutet, weiss ich, dass ich keine weitere Boxrunde mehr schaffen werde. Entweder ich setze ihn jetzt matt, oder ich bleibe in der nächsten Boxrunde liegen."

Seitdem sich aus dem Kunst-Experiment Schachboxen ein Wettkampfsport entwickelt hat, ist darüber viel geschrieben worden. Was bislang fehlte, war der Erfahrungsbericht eines Schachspielers, der Schachboxen ausprobiert. Wie fühlt sich das an?

Jetzt hat der österreichische FM und Autor Anatol Vitouch eine Reportage abgeliefert, in der Schweiß perlt, Fäuste fliegen und Knie einknicken. Schachboxen aus erster Hand, der Selbsttest eines Neugierigen.

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(Fast) ohne Boxerfahrung, aber mit einigen hundert Elo mehr als sein Gegner war Vitouch zum Schachboxen angetreten. Wie es ausgegangen ist? Lest selbst.

https://www.redbull.com/ch-de/theredbulletin/schachboxen-selbsttest-guide

Die "Junge Welt" widmet dem Schachboxen einen ausführlichen Beitrag:

https://www.jungewelt.de/artikel/433520.schachboxen-kopf-und-faust.html

Schachboxen: Wie ein Nischensport zwischen Russland und den USA Fahrt aufnimmt
Quelle: 60 Minutes – „Chess boxing: a sport where brain meets brawn“

Schachboxen wirkt wie ein Gag, ist aber ein klar strukturiertes Hybridformat: drei Minuten Boxen, drei Minuten Schach, im Wechsel, bis K.o. oder Matt. Der Beitrag folgt der Weltmeisterschaft in Serbien und zeigt, wie unterschiedlich die Länder aufgestellt sind.

Russland dominiert den Sport. Dort ist Schachboxen an Schulen und Universitäten verankert, ein System mit hunderten Nachwuchsathleten. Gründer der nationalen Föderation ist Peter Zukov, der erzählt, wie sowjetische Boxtrainer Schach schon früher als Denkschule nutzten.

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Die USA dagegen treten mit einem zusammengewürfelten Team an. Trainer Matt Thomas, selbst Ex-Weltmeister, hat Anwälte, Studenten und Veteranen rekrutiert. Er setzt stark auf mentale Vorbereitung: Das Umschalten zwischen körperlicher Höchstlast und kühlem Denken hält er für den einzigen Vorteil der Amerikaner.

Im Mittelpunkt des Films stehen zwei Figuren:
Wayne „God King“ Clark, früher Harlem Globetrotter, der im Ring nervös wirkt und gegen einen Russen klar verliert.
James Kanty III, professioneller Schachspieler, mit erst zwei Jahren Boxpraxis. Trotz harter Treffer setzt er im Finale gegen einen russischen Schwergewichtler auf seine Stärke: die Schachrunde. Er gewinnt durch Matt und holt den wichtigsten WM-Titel.

Dazu zeigt das Video einen US-Schachmeister, William „Gambit Man“ Grafe, der sich 30 Pfund antrainiert hat und zwischen blitzschnellen Zügen und harten Treffern pendelt. Er gewinnt eine Partie klar, scheidet aber später knapp aus.

Das Turnier endet mit einem erwartbaren Bild: Russland sammelt die meisten Medaillen. Doch die USA überraschen mit neun Podestplätzen und einem Schwergewichts-Weltmeister. Der Beitrag deutet: Der Sport wächst, Russland bleibt Maßstab, aber die USA haben genug Charaktere, um das Feld aufzurütteln.

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