Garry Kasparov

Foto: Lennart Ootes/Saint Louis Chess Club

Ehemaliger Schachweltmeister, geboren 1963 in Baku als Garri Weinstein; den Namen änderte die Familie nach dem frühen Tod des jüdischen Vaters, um Antisemitismus in der Sowjetunion zu meiden. Wurde 1985 jüngster Weltmeister der Geschichte und dominierte das Schach bis zur Jahrtausendwende. Lebt seit 2013 im Exil und ist einer der prominentesten Gegner Wladimir Putins; Russland führt ihn seit Mai 2022 als „ausländischen Agenten“ und seit März 2024 als „Terrorist und Extremist“, aus russischen Schulbüchern wurde er getilgt.

Karriere

Der von Skandalen geprägte erste WM-Kampf gegen Anatoly Karpov 1984/85 wurde nach sieben Monaten und 48 Partien beim Stand von 5:3 für Karpov im Februar 1985 von FIDE-Präsident Florencio Campomanes abgebrochen; Kasparov empfand das als durchsichtigen Rettungsversuch für seinen Gegner. Im November 1985 beim Stand 0:0 neu angesetzt, gewann er den Titel. Unterlag kurz darauf, am 23. Dezember 1985, bei einem Uhrensimultan im Hamburger Interconti-Hotel dem Hamburger SK. Verlor beim GMA-Weltcup 1989 in Barcelona seine einzige Partie gegen Artur Jussupow, der den Sieg 2025 in Bopfingen als schmeichelhaft und vor allem Kasparovs Zeitnot geschuldet bezeichnete.

Beschrieb 1987 in seinem Buch „Politische Partie“ seinen Kampf gegen die „Schachmafia um Karpov“, die er mit der erstarrten Breschnew-Bürokratie gleichsetzte. Verlor 1997 das Revanchematch gegen den IBM-Supercomputer Deep Blue – die erste Computerniederlage eines amtierenden Weltmeisters unter Turnierbedingungen.

Politischer Widerstand

Forderte Putin 2007 als Präsidentschaftskandidat heraus, organisierte Massenproteste und wurde zeitweise inhaftiert und überwacht; Karpov soll ihm im Gefängnis durch mitgebrachtes Essen einen möglichen Giftanschlag vorgebeugt haben – trotz erbitterter sportlicher Rivalität verbindet beide bis heute Respekt. Ging 2013 endgültig ins Exil nach Kroatien und in die USA und warnte 2015 nach der Krim-Annexion vor einem Diktator, mit dem sich nicht verhandeln lasse. Konnte 2020 aus Angst vor einem Anschlag nicht zur Beerdigung seiner in Moskau gestorbenen Mutter Klara Kasparjan nach Russland reisen.

Anfang 2024 wurden Anschlagspläne bekannt: Die Rechercheverbünde The Insider und Bellingcat deckten auf, dass die russische Militärgeheimdiensteinheit 29155 bereits 2017 einen Agenten in seiner Nähe platziert hatte, dem es aber nie gelang, am gleichen Ort wie der stets separat untergebrachte Kasparov zu übernachten. Begrüßte im Juni 2024 das Ethikkommissions-Urteil gegen den russischen Verband und Arkady Dvorkovich als „willkommenes Lebenszeichen in der Schachwelt“ und warf Putin-Russland vor, alle Sportarten für Propaganda zu missbrauchen.