Ein Meistertitel für BigZick

Er ist Kopf und Motor, Herz und Seele nicht nur des Hamburger Schachklubs. Die Deutsche Schachjugend, das Kreativzentrum des deutschen Schachs, wäre ohne ihn nicht gegründet worden, jedenfalls nicht schon Anfang der 70er-Jahre. Wäre der Hamburger SK von 1830 ohne ihn heute der größte deutsche Klub, einer der ganz wenigen mit eigenem Vereinsheim?

Schulschach und Jugendschach sind seit Jahrzehnten Konstanten im Leben von Hamburgs Schachmotor Christian Zickelbein. | Foto: ChessBase

Nach der Herauslösung aus dem HSV Mitte der 80er-Jahre galt es, den Schachklub wieder auf eigene Beine zu stellen. Christian Zickelbein hat das vollbracht. Um gleich danach auf der nächsten Baustelle weiterzuackern: Aus der stärksten Liga der Welt wollte er die repräsentativste Liga der Welt machen, und dafür galt es, die Bundesliga vom DSB zu lösen, um auch dieses Kind auf eigene Beine zu stellen. Christian Zickelbein gehörte dem ersten Vorstand des Schachbundesliga e.V. an.

Wer 50 Jahre alte Kongressprotokolle des DSB liest, findet schon darin Zeugnisse von Zickelbeins Wirken für das Jugend- und Schulschach.

Die Aufzählung all dessen, was Christian Zickelbein für das Schach geleistet hat, könnten wir an dieser Stelle lange fortsetzen. Stattdessen wollen wir erst einmal nachträglich gratulieren. Christian Zickelbein hat am Freitag Geburtstag gefeiert. Und so galt es für seine Mitstreiter vom HSK, ihrem verdientesten Mitglied ein Geschenk zu machen, einen Titel. Und das gelang:

Auf Anhieb als Zweiter platzierte sich der gerade erst aufgestiegene SK 1962 Ladenburg, eine Überraschung. In einer vergangenen Berichterstattung hatten wir festgestellt, dass sich der Verein aus Ladenburg alleine mit seinen 2000+-Spielern bis nach ganz oben gehangelt hat. Das war falsch. Eher sieht es so aus, als habe Ladenburgs Spielertrainer IM Vadim Chernov manchen Meisterkollegen für die Quarantäneligamannschaft seines Clubs gewinnen können.

Zum Beispiel IM Alexander Gasthofer alias Traxxxx, der eigentlich für die Schachfreunde Anderssen Bad Mergentheim spielt, einer von vielen, die jetzt einen Schach-Youtube-Kanal gestartet haben, aber einer von ganz wenigen, die darauf nicht zu uns sprechen, sondern nur für uns Schach spielen. Ob Gasthofer noch seine Stimme findet?

Mit etwas Wehmut sehen wir den Abstieg des SV Wattenscheid, der noch vor einer Woche das bestplatzierte deutsche Team stellte und mit Alexander Morozevich den spektakulärsten von mehr als 4.000 Spielern in den Quarantäneligen. Es ist erstaunlich, in welchem Maße der Oberligist aus dem Ruhrgebiet seine Ehemaligen an sich zu binden vermag. Auch dieses Mal spielte unter anderen Evgeniy Najer mit, der ist zwar eher 2700er als 2600er, aber eben kein Blitzspezialist, und so reichte es nicht, um drinzubleiben.

Ähnlich wehmütig fällt der Blick auf die zweite Liga aus. Adieu, Düsseldorfer SK. Wie den Wattenscheidern eine Liga höher Alexander Morozevich fehlte, fehlte den Düsseldorfern Georg Meier. Dessen Aussetzen konnte der vierfache Seniorenweltmeister Anatoly Vaisser nicht kompensieren. Aber allemal demonstrierte er, dass Rentenalter nicht vor Online-Blitz schützt. Vaisser (71) war der beste Spieler seines Teams.

Noch wehmütiger werden wir beim Blick auf zwei dritte Ligen. Der Kölner SK Dr. Lasker, mehrfacher Quarantäne-Meister, bestreitet den Quarantäne-Spielbetrieb weitgehend mit eigenen Kräften und ohne großmeisterliche Verstärkung. Und so wird in dem Maße, wie die Ligen stärker werden, die Luft dünner für die wackeren Kölner, die jetzt in die vierte Liga abgestiegen sind.

Ob dem FC Bayern und dem FC St. Pauli noch der Sprung in Liga zwei gelingt? Beide scheinen vorerst im Nadelöhr dritte Liga festzustecken.

Selbiges gilt für den SC Grunbach und sein deutsch-slowakisches Freundschaftsprojekt (siehe dieser Beitrag). 13-mal haben die Grunbacher erste Liga gespielt, jetzt sind sie Viertligist.

Während sich die Recken des SV Dinslaken wohl damit abfinden müssen, dass ihnen ohne Magnus Carlsen der Aufstieg in Liga zwei verwehrt bleibt, wollen die Vertreter des Schachbezirks Sauerland mehr. Neben GM Thorsten Haub und Blitzspezialist Marc Schulze haben sie jetzt auch GM Sebastian Siebrecht für sich gewonnen.

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