Mehrere Landesverbände werden laut einem Bericht von Chessbase vor das DSB-Schiedsgericht ziehen, um einen außerordentlichen Kongress und damit eine Neuwahl des Präsidiums zu erzwingen. Tatsächlich sind Anträge beim Schiedsgericht eingereicht. Aber ob das Gericht tätig werden wird, hängt vom nächsten Zug des Lauterbach-Präsidiums ab. Lenkt es ein, bedarf es keiner gerichtlichen Klärung.
Nach Informationen dieser Seite hat am Freitagabend per E-Mail Christoph Mährlein, Präsident des Badischen Schachverbands, das DSB-Präsidium aufgefordert, „die Nichtbehandlung des Antrags zu überprüfen und seinen satzungsgemäßen Pflichten nachzukommen“. Mit anderen Worten: Das Präsidium soll, wie von fünf DSB-Mitgliedern beantragt, einen außerordentlichen Kongress einberufen. Kommt das Präsidium Mährleins Aufforderung nach, geht es regulär weiter.
Sollte das Präsidium sich weiter verweigern, wäre für die Antragsteller ein Gang vor das Schiedsgericht der nächste Schritt. Explizit angedroht ist das noch nicht, aber angedeutet. „Sollte das Präsidium an seiner Auffassung festhalten, wäre das schwerwiegend“, schreibt Mährlein an das DSB-Präsidium sowie an die führenden Funktionäre der anderen Landesverbände. Mit anderen Worten: Wenn das Präsidium jetzt keinen Kongress einberuft, wird der Fall auf dem Schreibtisch des scheidenden Schiedsgericht-Chefs Norbert Sprotte landen.
Dass es im Falle einer Eskalation so kommen soll, bestätigen mehrere von dieser Seite befragte Funktionäre. Schon am Samstagmorgen, gut zwölf Stunden nach Mährleins Mail, seien die Papiere ans Schiedsgericht gesandt worden.
Nicht lange her, da hätte in einer eskalierenden Lage der amtierende DSB-Präsident Ullrich Krause auf der größten deutschen Schachseite ausführlich darstellen können, warum alles in Ordnung ist. Im Umgang mit seiner Nachfolgerin Ingrid Lauterbach ist das Arbeitsprinzip nun das umgekehrte. Die Position der Präsidentin kommt kaum vor, und zu Wort kommt sie gar nicht. Der in weiten Teilen wertende oder dramatisierende Text („krachte es im Gebälk“) endet mit Meinung. „Wünschenswert wäre…“, „…ewiger Streithaufen…“, „Was sollen die Spieler von ihrem Verband halten?“.
Ein persönliches Blog auf einem Feldzug? Liest sich so, soll es aber nicht sein. Unlängst im Schachgeflüster-Podcast hat der Autor seine Aufgabe so dargestellt: sachlich berichten, persönliche Meinung ausblenden, positive Grundstimmung schaffen.