Timur Turlov

Kasachischer Milliardär, geboren am 13. November 1987 in Lobnya bei Moskau, Gründer und CEO der Freedom Holding Corp. Seit Januar 2023 Präsident des kasachischen Schachverbands, Gründer der International School Chess Federation (ISCF) und einer der wichtigsten Sponsoren der FIDE; kandidiert 2026 für deren Präsidentenamt.

Herkunft und Staatsbürgerschaft

Legte nach eigener Darstellung 2022 die russische Staatsbürgerschaft ab und ist seither ausschließlich kasachischer Staatsbürger; zuvor besaß er neben der russischen die Staatsbürgerschaft von St. Kitts und Nevis, die der karibische Inselstaat gegen Investitionen vergibt.

Im Wahlkampf 2026 wurde diese Darstellung bestritten: Der frühere FIDE-Kommunikationschef David Llada erklärte öffentlich, Turlov besitze noch einen 2018 ausgestellten russischen Pass, und Wadim Rosenstein verwies auf ein 2021 veröffentlichtes Dokument, das ihn als Bürger der Russischen Föderation führt. Turlov antwortete darauf nicht direkt, sondern präsentierte einen kasachischen Pass, den nie jemand bezweifelt hatte; sein Kommunikationschef Bulat Latypov legte eine Bescheinigung des russischen Generalkonsulats in Almaty vor, wonach Turlov nach russischem Recht Anfang 2023 kein Staatsbürger war. Was mit dem russischen Pass geschehen ist, blieb offen; die FIDE-Wahlkommission ließ die Frage im September 2026 ausdrücklich ungeklärt.

Freedom Holding

Die Ukraine setzte ihn und sein Unternehmen im Oktober 2022 wegen russischer Verbindungen auf ihre Sanktionsliste und fror Vermögen ein; Turlov nannte das einen Fehler und kündigte an, sein Ukraine-Geschäft auszubauen. Die Berichte der Shortseller Andrew Left und Hindenburg Research über Freedom Holding bezeichnete er als falsche Informationen. Nach Darstellung von PvB steht sein Finanzimperium international bei Aufsehern und Medien unter Beobachtung.

FIDE-Sponsoring

Wurde Ende 2022 mit der Rapid- und Blitz-WM in Almaty als FIDE-Sponsor aktiv und finanzierte seither zahlreiche weitere Großveranstaltungen des Weltverbands, darunter das WM-Match Ding gegen Nepomniachtchi 2023, den World Cup 2023 in Baku und die Rapid- und Blitz-WM 2024 in New York. FIDE-Kritiker Peter Heine Nielsen nannte das einen Fall von Sportswashing, da Freedom zu jener Zeit von einer Untersuchung des US-Justizministeriums betroffen und von der Ukraine sanktioniert war.

ChessBase-Übernahme

Übernahm im April 2026 das Hamburger Unternehmen ChessBase von dessen Gründergeneration, die keine Nachfolge hatte; Geschäftsführer Rainer Woisin blieb im Amt. Die Hamburger Sparkasse kündigte ChessBase nach dem Verkauf zum 1. Oktober 2026 das Geschäftskonto, mit allgemeinem Verweis auf Sanktionsregeln gegenüber Russland, Belarus und Iran.

FIDE-Präsidentschaftskandidatur 2026

Kandidiert 2026 für das Amt des FIDE-Präsidenten, mit Viswanathan Anand als Deputy. Ursprünglich war er als möglicher Nachfolger oder Partner Arkady Dvorkovichs gehandelt worden; nach dessen EU-Sanktionierung und Rückzug trat er selbst an.

Trat im Wahlkampf wiederholt auf offiziellen FIDE-Bühnen auf – bei einem Capacity Building Seminar in Afrika präsentierte er den kasachischen Verband als Erfolgsmodell, bei der FIDE-Universitäts-WM in Almaty war seine Freedom Holding als Mitveranstalter gelistet, und an den Brettern saß dort trotz Suspendierung des russischen Verbands ein russisches Team.

Im August 2026 gingen beide Mitbewerber formell gegen ihn vor – Rosenstein mit einem Disqualifikationsantrag, Buettner mit einer Beschwerde bei der Wahlkommission; Turlov ging auf keine der Sachfragen ein, wandte sich seinerseits aber gegen das Ticket Rosenstein/Tang.

Anfang September 2026 ließ die Wahlkommission alle drei Tickets zur Wahl zu. Turlov blieb mit beiden eigenen Beschwerden erfolglos: Sein Vorstoß, Rosenstein wegen einer Sponsoringvereinbarung mit dem Deutschen Schachbund auszuschließen und dem DSB das Stimmrecht zu nehmen, scheiterte ebenso wie sein Einwand, Verbandsnominierungen für Rosenstein/Tang seien nicht ordnungsgemäß beschlossen worden.

Die Beschwerde Rosensteins gegen ihn stufte die Kommission als für die Zulassung nicht relevant ein; einzige Folge war, dass die FIDE seine Dreifachrolle als Präsident des kasachischen Verbands, Chef von Freedom Holding und Leiter der ISCF förmlich in seinen Bewerbungsunterlagen führen und veröffentlichen muss. Auch der gegen ihn gerichtete Vorstoß Buettners führte nicht zum Ausschluss; ein Teil der Vorwürfe wurde an die Ethikkommission verwiesen, die vor dem Wahltag nicht entscheiden musste. Näheres unter FIDE-Präsidentschaftswahl 2026.