Und wenn der Terminkalender noch so voll ist, die eine tägliche Blitzpartie muss sein. Ein paar Minuten nur, dann ist die Sache entschieden – mal per Angriff, mal dank sicherer Defensive. Festlegen mag sich Mario Voigt da nicht: „Wer nur angreift, riskiert alles. Wer nur verteidigt, kommt nie voran. Ich finde kontrolliertes Risiko gut“, sagt er im Gespräch mit insuedthueringen.de (für Abonnenten).

Der Ministerpräsident von Thüringen ist Mitglied des SV Blau-Weiß Bürgel. Die Rangliste der kleinen Schachabteilung des großen Vereins mit gerade einmal sieben Aktiven führt er an. Im Schach ist Voigt die Nummer eins des SV BW Bürgel, DWZ 1981. Zuletzt am Turnierbrett gesehen wurde er 2020 in der Bezirksklasse Ost des Schachverbands Thüringen. Eine Partie, Sieg gegen DWZ 1700, vier Ratingpunkte gewonnen.

Nach Spielstärke hebt sich der 48-Jährige von früheren Politiker-Schachspielern ab. Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt, Peer Steinbrück, Otto Schily – sie alle waren dem Schach eng verbunden, aber eher als Hobbyspieler. Dieses Quartett würde der ambitionierte Amateur Voigt wahrscheinlich simultan besiegen und müsste nur gegen Steinbrück ein wenig kämpfen. Unter allen Spitzenpolitikern, die sich je als Schachspieler geoutet haben, dürfte CDU-Mann Voigt der stärkste sein. (Außer der bis 2024 im EU-Parlament vertretene Reinhard Bütikofer ist noch stärker. Auch „Büti“ ist einer von uns, aber um seine Spielstärke zumindest abzuschätzen, fehlen die Indizien, Anm. d.Red.)
Angefangen hat es in der Kindheit, der Vater brachte ihm das Spiel bei. Früh trat er einem Verein bei, der Schachabteilung des Traditionsclubs Carl Zeiss Jena. Nach eigenen Angaben wurde Voigt mehrfach Thüringer Meister, spielte Deutsche Meisterschaften. Voigt war und ist gut genug, um Schach als Sport einzuordnen: „Nach 90 Minuten Fußball bin ich weniger fertig als nach sechs Stunden Schach.“

Heute läuft das Training digital. Welche Plattform er nutzt, bleibt im Gespräch offen – ob chess.com oder Lichess, verrät Voigt nicht. Sicher ist nur: Er spielt gegen echte Gegner und nimmt das ernst.
Als Schachspieler knüpft der Ministerpräsident an eine lange Tradition an. In der Bonner und Berliner Republik gab es über Jahre hinweg prominente Polit-Schachspieler und seit 1987 Abgeordnetenturniere. Nach der 22. Auflage von „Politiker spielen Schach“ 2016 mit rund 40 Teilnehmer:innen schlief die Serie der Politikerturniere ein.
Nun also Voigt, der nicht nur täglich spielt, sondern Schach als Lebensschule versteht. Planung in Zügen, Verantwortung für jeden einzelnen Schritt, Respekt auch vor den kleinen Figuren. „Aus jedem Bauern kann eine Dame werden“, sagt er. Und er bringt eine (seiner Einschätzung nach) Grundsatzfrage ins Spiel: „Bist du ein Springer-Spieler oder nicht?“ Voigt lässt die Antwort offen. Läufer mag er offenbar auch.
Bekannt als Schachspieler wurde auch der frühere Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel. https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Beutel
Sicherlich gibt es noch weitere Beispiele von schachspielenden Politikern.
Es muss an „Ausdauer, räumlicher Orientierung, keine Menstruation“ oder wahlweise Testosteron liegen, dass auch auf dieser Seite vor allem männliches, öffentlichkeitsbegieriges Managementpersonal als „einer von uns“ portraitiert wird oder selbiges in den Kommentarspalten auffällt.
btw: kennt jemand die geschätze Elo von Stanley Kubrick? Oder Humphrey Bogard?