Sandra Schmidt wird ÖSB-Generalsekretärin / DSAM 2025/26 gesichert

Sandra Schmidt wird neue Generalsekretärin des Österreichischen Schachbunds (ÖSB). Auf Anfrage dieser Seite bestätigte Schmidt, dass sie am heutigen Sonntag in Innsbruck den Vertrag mit dem ÖSB unterschreibt. Ihr künftiger Lebensmittelpunkt wird Wien sein. Schmidt hat sich gegen drei andere Bewerber:innen durchgesetzt.

Die erste Begegnung von Sandra Schmidt mit ÖSB-Präsident Michael Stöttinger bei der Rapid- und Blitz-WM in New York. Vorne links: FIDE-Mäzen Timur Turlov. | Foto: FIDE

Sandra Schmidt wird Nachfolgerin von ÖSB-Generalsekretär Walter Kastner, der im Dezember 2026 nach mehr als 20 Jahren an der Spitze des Verbands in den Ruhestand geht. Bis dahin sollen Schmidt und Kastner zusammenarbeiten, und Kastner soll sein Wissen und seine Kontakte an seine Nachfolgerin weitergeben.

In Deutschland hat Sandra Schmidt zuletzt als Beauftragte des DSB für die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Unter ihrer Regie, dank ihres Engagements, ihres Ideenreichtums und nicht zuletzt dank des DSAM-Teams, das sie um sich geschart hat, wächst die Turnierserie stetig. Die gute Nachricht: Schmidt wird auch die DSAM 2025/26 betreuen. Das sei mit ÖSB-Präsident Michael Stöttinger abgesprochen.

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Unter denjenigen, die verfolgen, was im Schach passiert, hatte schon vor einigen Tagen das jüngste Protokoll der ÖSB-Präsidiumssitzungen für Irritation gesorgt. Was drinsteht, lässt sich als Erpressungsversuch interpretieren: „Bevorzugte Kandidatin … ist Sandra Schmidt, allerdings unter der Voraussetzung ihre Tätigkeit für die Deutsche Schach Amateurmeisterschaft (8 Turniere) zu beenden.“

Für Schmidt ist die DSAM eine Herzenssache, ihr Baby, das sie gemeinsam mit ihrem vor einem Jahr tödlich verunglückten Partner Gregor Johann großgezogen hat. Das dürfte auch in Österreich bekannt sein. Und so habe ihr angesichts des Entweder-Oder-Passus des ÖSB-Präsidiums das Herz geblutet, sagt Schmidt. Die pragmatische Sicht von Stöttinger auf dieses Problem führte letztlich zur Vereinbarung. Nun ist mehr als ein Jahr Zeit, für die DSAM-Auflage 2026/27 und darüber hinaus Lösungen zu finden.

Heute vor einem Jahr: Nachruf auf den beim Wandern tödlich verunglückten Gregor Johann, DSAM-Macher und Lebenspartner von Sandra Schmidt.

Sandra Schmidt führt jetzt die Geschäfte eines Verbands, von dem der deutsche einiges lernen könnte, zielführendes, lösungsorientiertes Arbeiten zum Beispiel, frei von Regelungswut, Rechtssicherheitsangst und Datenschutzwahnsinn. Wo der deutsche Verband für die Verwaltung seiner Daten trotz hausgemachter Pleite mindestens 750.000 Euro an ein österreichisches (!) Unternehmen bezahlt, hat der österreichische Verband eine einfache und günstige Lösung implementiert

Das nationale Rating sowie ein wesentlicher Teil der Mitgliedsdaten werden in Österreich per chess-results.com erfasst und verwaltet, jederzeit öffentlich einsehbar. In Deutschland sollen jetzt (kein Scherz) wegen Datenschutz alle gut 2.000 Vereine die E-Mail-Adressen ihrer knapp 100.000 Mitglieder für den DSB erfassen. Nur diejenigen, bei denen das funktioniert hat (höhö), werden künftig auf der DSB-Website die Wertungszahlen im Detail einsehen können. Im Ergebnis wird damit die meistbesuchte und für Sponsoren am ehesten interessante Rubrik der DSB-Website zerstört sein.

Während der dunklen Jahre hat die DSB-Spitze zwar nach außen kontinuierlich verbreitet, wie böse die Perlen sind, aber drinnen zum Glück trotzdem das eine oder andere umgesetzt, das hier stand. Nach einem Hinweis vom Bodensee wurde zum Beispiel die DWZ-Abteilung der DSB-Website als Werbeträger entdeckt. Deren Wert als pro Woche 100.000-mal gesehener Werbeträger soll nun eingestampft werden – Datenschutz.

Auch typisch fürs deutsche Schach: Niemand protestiert vernehmbar gegen diesen Unsinn, und all die Heftchen und Websites, die angeblich „Nachrichten“ vom Schach verbreiten, haben das Thema noch nicht einmal entdeckt (kleine Hilfestellung und Vorlage für Exklusivgeschichten hier; Themen, die die Perlen machen müssten, aber nicht dazu kommen).

Über bevorstehende Turniere werden alle ÖSB-Mitglieder automatisch per E-Mail informiert. Wer den Verein wechselt, bekommt in Österreich automatisch eine E-Mail mit der Aufforderung, den Wechsel zu bestätigen. Solche zugleich einfachen wie sinnhaften Lösungen sind im organisierten deutschen Schach unbekannt.

Veranstaltungen in Österreich werden stets gepriesen für Flair und Atmosphäre, aber da liegt es wahrscheinlich in der Natur der Sache, dass Piefkes das so schön nicht hinbekommen. Was bei den Piefkes als Idee durchaus im Gespräch war, aber versandet ist und offenbar nicht weiter verfolgt wird, machen die Österreicher vor: nationale Schachmeisterschaften als Teil der „Finals“, wo der Denksport sich gemeinsam mit anderen Sportarten auf der ganz großen Bühne präsentiert.

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Anlässlich der Präsidentenwahl (sic!) im französischen Verband des Schachsports 2021 ein Vergleich mit den Schachverwaltungen in Deutschland und Österreich.

Also alles besser in Österreich? Weit gefehlt. Schon das organisierte deutsche Schach, gesteuert von spitzensportfeindlichen Landesverbänden und einem Kongress mit einer erschütternden Leistungsbilanz, ließe sich besten Gewissens als Fehlkonstruktion bezeichnen. Die föderale Struktur spült kaum Praktiker, kaum Visionäre, stattdessen jede Menge Schachverwalter mit Paragrafen- und Satzungsfetisch in die Gremien. Aber immerhin, sollte sich hier je ein funktionierendes DSB-Präsidium finden, es hätte zwischen den Kongressen jeweils zwei Jahre Zeit, in Ruhe zu arbeiten.

In Österreich geht das nicht: Die Landespräsidenten bilden das ÖSB-Präsidium und sind insofern in der Lage, kontinuierlich Sinnvolles zu verhindern, Einfaches kompliziert zu machen oder die bestmögliche künftige ÖSB-Geschäftsführerin zu erpressen, noch bevor sie angefangen hat. Über all dem schwebt ÖSB-Präsident Michael Stöttinger, in der Ambivalenz eine ähnliche Figur wie seine deutsche Kollegin Ingrid Lauterbach, aber ganz anders.

Von Stöttinger wird erzählt, er sei ein pragmatischer, ideenreicher, gut vernetzter Macher, der Dinge in Bewegung zu setzen versteht. So weit, alles gut. Schwierig bis schwer erträglich wird es, wenn in Österreich FIDE-Offizielle auftauchen. Wo andere gut beraten sind, Distanz zu halten und Gegenpositionen zu vertreten, kann Stöttinger kaum nah genug heranrobben:

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Joschi
Joschi
4 Monate zuvor

1.) Wenn man sich als (bezahlter) Generalsekretär*in bei einer Stelle bewirbt, dann gibt es dafür gewisse Voraussetzungen und gewisse Parameter, die die Entscheidung beeinflussen. Es ist gutes Recht des entscheidenden Gremiums, Nebentätigkeiten nicht zu erlauben. Und es ist mehr als naiv, das als Erpressungsversuch zu deuten. Ich würde empfehlen, einmal die heile Schachwelt zu verlassen, in der alle böse sind, wenn sie so (professionell) agieren, wie es etwa in der Wirtschaft üblich ist. Umso schöner natürlich, dass Schmidt weiterhin für die Deutschen Amateure tätig sein kann. 2.) Denksport wird als Teil der Finals „auf der ganz großen Bühne präsentiert“. –… Weiterlesen »

joschi
joschi
4 Monate zuvor

Am 24. 8. hier veröffentlicht, am 25. 8. vom ÖSB und am 11. 09. (!) von chessbase …