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Jan Timman (1951-2026)

Schachlegende Jan Timman (72) kehrt zurück ans Brett

Jan Timman im NiC-Podcast vor der niederländischen Meisterschaft: zum ersten mal im Leben Eröffnungsdateien angelegt!

https://www.newinchess.com/blog/post/nic-podcast-25-gm-jan-timman

Timestamps
00:00 – Intro
02:02 – Participating in the Dutch national championship again
04:03 – How did Jan work on his chess in the pre-computer era?
11:44 – Hein Donner stories
23:05 – Max Euwe stories
26:00 – Jan’s father’s initial objections to his chess career
29:25 – Jan’s brother, FIDE master Ton Timman
31:17 – AD BREAK
31:48 - Winning his first national championship fifty years ago, dominating the Dutch chess scene
35:41 – The rise (and stagnation) of rival Dutch players like Piket, Van Wely, Nikolic and Sokolov
38:07 – Gearing up for his first Dutch championship in 18 years
42:19 – When did Jan achieve his peak?
43:44 – What were Jan’s weaknesses as a player?
45:06 – Why did Jan’s contemporaries not achieve the same success?
47:00 – Does Jan still enjoy the game as much as before?
48:08 – Jan’s passion for composing endgame studies
50:36 – The upcoming Dutch championship
52:31 – Jan’s dream tournament and Kasparov’s deadly stare
56:02 – Outro 

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Jan Timman über Studien, Abschied und ein Leben für das klassische Schach
Quelle: New In Chess – „NIC Podcast #82: GM Jan Timman“, Dirk Jan ten Geuzendam

Der Podcast stellt GM Jan Timman in einer Phase des Übergangs vor. Der erfolgreichste niederländische Spieler der vergangenen 50 Jahre hat offiziell seine aktive Karriere beendet – und widmet sich nun fast ausschließlich einer Leidenschaft, die ihn seit Jahrzehnten begleitet: Endspielstudien. Anlass des Gesprächs ist sein neues Werk Timman’s Studies, ein 455-seitiger Sammelband mit 186 eigenen Studien, entstanden zwischen 1971 und 2025, darunter ein ganzes Kapitel mit neuen Kompositionen. Timman erklärt, warum Studien für ihn „der wichtigste Teil seines Schachlebens der letzten zehn Jahre“ geworden sind und wie sie ihn intellektuell mehr fesseln als Turnierschach.

Timman blickt im Podcast zurück: auf Kindheitserlebnisse, auf Begegnungen mit Euwe und Keres und auf seine Bewunderung für Komponisten wie Troitzky, Kubbel oder Kasparjan. Er erzählt, wie er selbst zum Komponieren kam, warum viele Großmeister Studien schätzen und wie oft sich große Spieler und große Komponisten in ein und derselben Person vereinten. Klassisches Schach verfolgt er weiter aufmerksam, schnelle Formate oder Freestyle interessieren ihn dagegen nicht. Seine Arbeit als Honorary Editor bei New In Chess führt er fort – die Arena sucht er nicht mehr. Für alle, die sich für Studien oder für die Gedankenwelt einer Schachlegende interessieren, ist diese Podcast-Folge ein Volltreffer.

Jan Timman ist tot:

Terrible news has hit the chess world today. Grandmaster Jan Timman has sadly passed away at the age of 74. Known as the "Best of the West", Jan was a fearless competitor, a World Championship contender, and a nine-time Dutch champion. Rest in peace.

Chess.com (@chess.com) 2026-02-19T14:13:29.156232Z

https://bsky.app/profile/frietema.bsky.social/post/3mfa5hltfds2w

Nederlandse schaaklegende Jan Timman (74), die in de jaren tachtig tweede van de wereld was, overleden

de Volkskrant (@volkskrant.nl) 2026-02-19T13:54:15.208Z

Schaaklegende Jan Timman (74) overleden: ‘The best of the West’ is niet meerIn zijn beste dagen stond Timman tussen grote Russische namen als Anatoli Karpov, Boris Spasski en Garri Kasparov bekend als 'The best of the West'.www.welingelichtekringen.nl/sport/schaak...

Apollo 🌏 (@apollo11.bsky.social) 2026-02-19T09:25:23.662Z

We are deeply saddened by the passing of Jan Timman (1951–2026), one of the greatest figures in Dutch and international chess. ♟A World Championship contender and the strongest non-Soviet player of his generation, Timman was admired for his creative style, profound strategic

International Chess Federation Mirror (@fide-chess-mirror.bsky.social) 2026-02-19T05:30:13-06:00

Jan Timman war »The Best of the West«: Der Schach-Hippie ist tot. http://www.spiegel.de/sport/schach...

Florian Pütz (@flopuetz.bsky.social) 2026-02-19T15:31:47.184Z

Jan Timman – ein Leben zwischen Brett, Straße und Papier

Quelle: Chess.com – „Jan Timman (1951-2026)“, 20.02.2026, Peter Doggers

Jan Timman stirbt am Mittwoch, 18. Februar 2026, nach schwerer Krankheit. Das berichtet Chess.com. Er wird 74 Jahre alt. In den Niederlanden wächst er zum prägenden Spieler seiner Zeit heran, gewinnt neun nationale Titel und hält sich von Mitte der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre in der Weltspitze.

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Kindheit, Bücher, frühe Preise

Jan Hendrik Timman kommt am 14. Dezember 1951 in Amsterdam zur Welt. Er wächst in Delft auf, zwischen Den Haag und Rotterdam, mit Eltern, die Mathematik studieren. Zu Hause sieht er den Bruder Ton Timman mit dem Vater Züge notieren; das fasziniert ihn. Ton handelt mit dem Achtjährigen einen Tausch aus – fünf Partien Monopoly gegen eine Partie Schach – und stößt damit eine Laufbahn an, die später größer wird als alles, was der Bruder am Brett erreicht.

Der Junge tritt einem Klub bei und gewinnt 1960/61 ein Jugendturnier mit 17,5 aus 18. Mit 13 hält er den späteren Weltmeister Boris Spassky in einer Simultanvorstellung remis. Mit 14 gewinnt er die niederländische U20-Meisterschaft als jüngster Spieler. Mit 15 nimmt er 75 Gulden Preisgeld mit und sieht darin, wie er später schreibt, „a first installment“ für ein Einkommen am Brett.

Kein Hörsaal, kein Büro

1970 schließt Timman die Schule ab. Er will Mathematik studieren, zieht nach Amsterdam, steht vor einer langen Reihe am Schalter – und scheitert am fehlenden Geburtsschein. Er bittet um eine provisorische Bescheinigung, um Aufschub beim Militärdienst und ein Zimmer zu bekommen. Danach geht er nicht zurück. Sein Vater schickt 450 Gulden im Monat, bis Timman selbst die Reißleine zieht, nach Delft fährt und sagt: bitte kein Geld mehr. Später fasst er seinen Kern so: „I could never have had an office job.“

Lehrjahre, Titel, ein Land fiebert mit

Ein Sportfonds und Unterstützung durch Max Euwe bringen ihn für Training nach Moskau und Tbilisi zu Eduard Gufeld. 1971 holt er den IM-Titel, 1974 erhält er in Nizza den GM-Titel. Im selben Olympiadenturnier drängt Donner darauf, dass Timman am ersten Brett spielt – weil er niederländischer Meister ist. Timman spielt später elf Olympiaden am Spitzenbrett.

Mit den Erfolgen kommt das Fieber. Ende der 1970er Jahre sitzen Fans in Klubs und Cafés und drehen Figuren im Kopf, während eine Partie in Rio de Janeiro über Tage läuft, unterbrochen durch Hängepartien. Timman kämpft im Endspiel Turm und Bauer gegen Läufer und Bauer. Er bringt Endspielbücher von André Chéron nach Brasilien, arbeitet mit Ulf Andersson als Sekundant, gewinnt die Partie – und verpasst trotzdem die Qualifikation um einen halben Punkt. In den Niederlanden klingeln nach einer Zeitungskolumne zwanzig Telefone, weil Amateure eigene Gewinnwege sehen.

Aufstieg bis Platz zwei der Welt

1978 markiert eine Wende. Timman heiratet Ilse-Marie Dorff und ordnet sein Leben neu. Er sagt später: „Only after my marriage in 1978 I started working really hard.“ Die Ergebnisse kippen nach oben: starke Turniere, ein Sieg gegen Anatoly Karpov, ein Platz in der Weltspitze. Im Januar 1979 steht er auf Rang fünf der Weltrangliste. Anfang 1982 rückt er auf Rang zwei vor, direkt hinter Karpov – sechs Wochen nach dem Tod von Euwe.

1985 trifft er Kasparov in einem Match in den Niederlanden, verliert 2:4, gewinnt aber eine Partie, die als Kasparovs erste Niederlage als Weltmeister in Erinnerung bleibt. Timman drückt sich in dieser Zeit als „Best of the West“ durch Zyklen, Turniere und Matches, getragen von Ergebnissen, aber gebremst von Momenten, die kippen.

Kandidaten, Finalnähe, WM-Match gegen Karpov

Timman erreicht wiederholt die Kandidatenphase. 1986 verliert er deutlich gegen Artur Jussupow. 1989 wartet Karpov in Kuala Lumpur, Timman verliert und erlebt die erste Partie als Vorentscheidung. Anfang 1993 spielt er das Kandidatenfinale in San Lorenzo gegen Nigel Short und verliert knapp.

Dann verschiebt sich die Schachwelt. Short und Garry Kasparov lösen sich von der FIDE und gründen die PCA. Timman bekommt doch noch ein WM-Match – gegen Karpov. September 1993 führt ihn das Match in die Niederlande und nach Indonesien. Timman schreibt später: „For me, this turned out to be a match of missed chances.“ Karpov gewinnt 6:2 bei 13 Remisen.

Schreiben als drittes Leben

Neben dem Spielen zieht Timman das Schreiben an. Er liefert Analysen, Kolumnen, Bücher, Essays. Er arbeitet als Ehrenredakteur für New in Chess und trägt dort seit der Gründung 1984 regelmäßig bei. 1999 landet im Büro der Redaktion alle paar Wochen ein Fax mit handschriftlichen Seiten: seine neue Kolumne.

Er blickt 2017 in „Timman’s Titans“ zurück und setzt einen Satz, der sein Gefühl für den Wandel zusammenfasst: „I think that in these times, I wouldn’t have become a professional chess player. Knowledge has become too important. You cannot live on talent alone.“

Endspielstudien, Technik, ein später X-Account

Timman liebt Endspielstudien früh und intensiv. Er komponiert selbst, veröffentlicht 2011 „The Art of the Endgame: My Journeys in the Magical World of Endgame Studies“ und nennt die Arbeitsphase daran eine seiner glücklichsten Zeiten. 2024 schreibt er im Vorwort zu „100 Endgame Studies You Must Know“ über den Reiz, „backwards“ zu denken.

Computer bleiben lange Randwerkzeug. Er spielt nie online, er nutzt den Rechner in der Vorbereitung erst spät und ohne Begeisterung. Bei Studien akzeptiert er den Computer ab etwa 2008 als Hilfe und sagt: „I think that if I use the computer for my endgame studies, it’s a blessing.“

Am 11. Februar 2023 eröffnet er einen X-Account und postet bis zuletzt Studien, Lösungen und Zitate. Noch am 17. Februar 2026 schreibt er eine Lösung zu einer Studie aus.

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Bis zuletzt Profi

Timman spielt Liga bis in die Saison 2024/25, kehrt 2024 noch einmal zur niederländischen Meisterschaft zurück, zieht zwei Partien remis und verliert im Tiebreak. Ende 2025 sagt er: „Yes, I’m not an amateur. I’m a pro. I don't play chess for fun.“

Schachlegende Jan Timman (72) kehrt zurück ans Brett

Im Herbst 2025 melden Medien in den Niederlanden ein stilles Ende seiner Laufbahn, ohne Details zur Krankheit. Er will darüber nichts nach außen geben. Wenige Tage vor seinem Tod wirkt er in guter Verfassung und bleibt optimistisch. Am Mittwoch, 18. Februar 2026, endet sein Leben.

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