Boris Spassky

Sowjetisch-französischer Schachweltmeister von 1969 bis 1972, geboren am 30. Januar 1937 in Leningrad, gestorben am 27. Februar 2025 im Alter von 88 Jahren in Moskau. Zehnter Weltmeister der Geschichte und Teil der ununterbrochenen Reihe sowjetischer Titelträger seit Botwinnik; bekannt vor allem durch den Titelverlust 1972 an Bobby Fischer im „Match des Jahrhunderts“ und durch die Fairness, mit der er ihn hinnahm.

Karriere

Wurde als Kind während der Leningrader Blockade evakuiert und verbrachte die Kriegsjahre in einem Kinderheim; erlernte mit neun Jahren im Pionierpalast Leningrad das Schachspiel und war 1955 mit 18 der jüngste Großmeister der Welt. Verlor sein erstes WM-Match 1966 gegen Tigran Petrosian mit 11,5:12,5 und gewann den Titel 1969 im zweiten Anlauf gegen denselben Gegner mit 12,5:10,5. Verlor ihn 1972 in Reykjavik an Bobby Fischer mit 8,5:12,5 und verhielt sich dabei außerordentlich fair – einmal applaudierte er öffentlich einer brillanten Fischer-Partie; Fischer nannte ihn rückblickend einen „wahren Sportsmann“.

Blieb danach Weltklassespieler, gewann 1973 überraschend erneut die UdSSR-Meisterschaft, scheiterte aber 1974 an Karpov und 1977 an Korchnoi in weiteren Kandidatenrunden. Übersiedelte 1976 in dritter Ehe mit Marina Schtscherbachowa nach Frankreich, erhielt 1978 die französische Staatsbürgerschaft und spielte fortan für Frankreich bei Schacholympiaden sowie in den 1980ern für die Solinger SG in der Bundesliga.

Freundschaft mit Fischer

Traf 1992 in Belgrad trotz internationaler Jugoslawien-Sanktionen zu einem inoffiziellen Rückkampf auf den seit 20 Jahren inaktiven Fischer, der mit 17,5:12,5 gewann. Appellierte 2004 nach Fischers Verhaftung in Japan öffentlich für dessen Freilassung und besuchte nach dessen Tod 2008 sein Grab in Island.

Späte Jahre

Erlitt ab den 2000ern zwei Schlaganfälle, kehrte 2012 nach Russland zurück und lebte zurückgezogen in Moskau. War drei Mal verheiratet und hinterlässt Kinder aus allen drei Ehen.