Dr. Emanuel Lasker braucht seinen Doktortitel nicht neu. Er hat ihn ja noch.

In der Schachkolumne der Zeit stand am Mittwoch, Emanuel Lasker werde am 11. Juli bei der Promoviertenfeier der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sein Doktortitel „wieder zuerkannt“. ChessBase übernahm die Darstellung tags darauf unter der Überschrift „Laskers Depromotion wird rückgängig gemacht“.

Beides ist falsch. Weder macht die Universität am 11. Juli Depromotionen rückgängig, noch verleiht sie Titel neu. Das ergab eine Anfrage dieser Seite bei der Hochschule. Tatsächlich plant die Universität, im Rahmen der Feierlichkeiten offiziell festzustellen, dass die Aberkennung von 1939 Unrecht und damit nichtig war. Demnach hat Lasker seinen Doktortitel nie verloren.

Dr. Emanuel Lasker.

„Etwas missverständlich“ sei der Beitrag in der Zeit gewesen, sagt Uni-Sprecherin Blandina Mangelkramer. Details zu ihrem Umgang mit Depromotionen in der Nazizeit will die Hochschule nach der Promoviertenfeier bekanntgeben. Dem Programm dieser Feier lässt sich entnehmen, dass ausschließlich „Gedenken der politisch motivierten Depromotionen der NS-Zeit“ geplant ist.

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Lasker, geboren 1868, war von 1894 bis 1921 Schachweltmeister. 1900 in Erlangen promovierte er. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt, ein Jahr später der Doktortitel – mit der Begründung, der ausgebürgerte Jude sei „des Tragens eines deutschen akademischen Grades unwürdig“, wie der damalige Uni-Rektor Hermann Wintz schrieb.

Der Berliner Schachspieler Rolf-Dietrich Beran hat dazu beigetragen, dass die Lasker-Titelfrage aufs Tableau gerät. In einem Beitrag für die „Emanuel Lasker Gesellschaft“ Anfang 2025 stellte Beran fest, dass die Universität nach 1945 Anträge auf Wiederzuerkennung von Titeln erreicht haben, naturgemäß nur solche von Doktoren, die den Krieg überlebten. Lasker starb Anfang 1941 in New York. In seinem Fall stehe „eine offizielle Wiederzuerkennung“ noch aus, orakelte Beran seinerzeit.

Jahrzehntelang galten alle Tonaufnahmen Laskers als verschollen – bis im Januar 2022 in einem niederländischen Archiv ein Radiomitschnitt von 1935 auftauchte.

Nach Studienstationen in Berlin, Göttingen, Heidelberg und wieder Berlin promovierte Lasker 1900 in Erlangen mit der Arbeit „Über Reihen auf der Convergenzgrenze“. 1905 veröffentlichte er in den Mathematischen Annalen eine Arbeit, aus der der bis heute gültige Satz von Lasker-Noether hervorging, benannt auch nach der Mathematikerin Emmy Noether, der Tochter seines Doktorvaters. Lasker pflegte Kontakte zu den führenden Mathematikern seiner Zeit. Trotz Empfehlungsschreiben scheiterten seine Bewerbungen um Professuren in den USA.

Ab 1927 war Lasker mit Albert Einstein befreundet, mit dem er in Berlin regelmäßig spazieren ging und über wissenschaftliche Fragen diskutierte – darunter, ob die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum tatsächlich konstant sei, was Lasker in Frage stellte. Zu Laskers 60. Geburtstag 1928 schrieb Einstein, Lasker sei „einer der stärksten Geister, denen ich auf meinem Lebensweg begegnet bin“. Einen anderen Blick auf die gemeinsamen Spaziergänge gab Einstein 1952 im Vorwort zur Lasker-Biografie von Jacques Hannak: „Es war ein etwas einseitiger Austausch, bei dem ich mehr der Empfangende als der Gebende war; denn es war diesem eminent produktiven Menschen meist natürlicher, seine eigenen Gedanken zu gestalten, als sich auf die eines anderen einzustellen.“

Lasker beschäftigte sich früh mit den Grundlagen der Spieltheorie, lange bevor John von Neumann und John Nash sie systematisch begründeten. Generell war Lasker Spielen zugeneigt. Er spielte Bridge, war an der Gründung des US-Go-Verbands beteiligt, und „Fischer-Schach“ könnte auch „Lasker-Schach“ heißen. Schon in den 1930ern schlug Lasker vor, die Position der Figuren auf der Grundreihe zu losen.

2021 saß Lasker mitten in Münster – als Teil einer Sportlerausstellung, obwohl der langjährige Schachweltmeister zeitlebens mit Leibesübungen wenig im Sinn hatte.
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5 Kommentare
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Michael
Michael
7 Tage vor

Sehr Schade !
Da es hier seit neuestem auf Mobilfunkgeräten Werbebanner gibt in denen ständig Informationen wechseln und zudem nicht wegklickbar sind, ist für mich der visuelle Stress dermaßen hoch, dass mir eine ausreichende Konzentration auf Artikel nicht mehr möglich ist.
Verstehe sehr gut, dass auch Du Geld zum Leben brauchst…
Bitte dennoch zu prüfen ob, ähnlich wie bei Lichess, ein Spendenkonto errichtet werden kann um dafür in Bälde auf allzu aufdringliche Werbearten zu verzichten.

Weiterhin gutes Wirken sowie schöne Grüße!

Ingo Althöfer
Ingo Althöfer
7 Tage vor

Naja, wenn man pingelig ist, kann man sich an den Formulierungen in der ZEIT und bei ChessBase stören. Aber andererseits, wenn man den Sachverhalt in einem kurzen prägnanten Satz zum Ausdruck bringen will, ist so etwas wie „Lasker hat seinen Doktortitel zurück“ schon sehr nah an der Wirklichkeit. *********************************** Im unteren Teil von Conrads Artikel kommt es zu einer Verwechselung. Emanuel Lasker hatte mit dem, was die Ökonomen als „Spieltheorie“ bezeichnen, nichts zu tun. (i) Die Väter dieser „Spieltheorie“ waren Borel und von Neumann. Zu den bekanntesten Protagonisten gehörten John Nash und Reinhard Selten. (ii) Nicht zu verwechseln damit ist… Weiterlesen »