Vor einem Jahr hielt Leonardo Costa wenig von einer Profikarriere. Jetzt will er ausloten, ob es dafür doch reichen könnte.

Leonardo Costa startet nach dem Abitur im Juni 2027 in ein einjähriges Schachjahr, finanziert von seinem Sponsor Roman Krulich. Das sagte Costa im Gespräch mit dem Deutschen Schachbund kurz vor der Deutschen Meisterschaft in Dresden, wo sich der 18-Jährige einmal mehr mit einem Teil der nationalen Elite messen wird.

Leonardo Costa vor einem Jahr in der SZ.

Noch vor gut einem Jahr klang das anders. „Ich habe mich noch nicht entschieden. Aber ich glaube nicht, dass ich diesen Weg gehen werde“, sagte Costa über eine mögliche Profikarriere im Mai 2025 während der Deutschen Meisterschaft in München im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Nach dem Abitur wolle er lieber „etwas in die Richtung Elektronik“ studieren: „Wenn ich mit Schach mein Geld verdienen muss, geht der Sinn verloren. Es würde mir weniger Spaß machen und vielleicht spiele ich dann schlechter.“

Die Deutsche Meisterschaft 2025. Das im Beitrag ausführlich beschriebene Drama um Costas GM-Titel blieb während des Wettbewerbs hinter den Kulissen.

Jene Meisterschaft war dramatischer, als es Zuschauer während des Wettkamps ahnten. Costas erste Großmeister-Norm, erzielt 2024 in Budapest, hatte die FIDE kurz zuvor aberkannt – Organisatoren hatten dort Paarungen zwischen israelischen und iranischen Spielern vermieden, ein Regelverstoß. Costa musste in München unter Druck eine vierte Norm nachlegen, um den Titel zu bekommen, und schaffte sie mit einem zäh erkämpften Remis gegen Frederik Svane in der Schlussrunde: 4,5 aus 9, Performance 2611.

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Ein Jahr später sieht Costas Plan so aus: Einsätze in den stärksten europäischen Ligen, die Teilnahme an der Europameisterschaft, stark besetzte Turniere außerhalb Europas sowie die Weltmeisterschaften im Rapid- und Blitzschach sollen Teil seines Schachjahres werden. Hinzu kommt ein tägliches Trainingsprogramm, vor allem mit seinem Trainer Pawel Eljanow, für das während der Schulzeit keine Zeit war. Ziel bleibt die 2600-Elo-Marke. Im Jahrgang 2008 liegt Costa mit 2540 Elo auf Weltranglistenplatz 14. Vor einem Jahr war er noch in den Top Ten.

Leonardo Costa in der Bundesliga neben seinem Coach Pawel Eljanow. | Foto: Sandra Schmidt

Die Deutsche Meisterschaft in Dresden ist die unmittelbare Herausforderung. Das Feld ist schwächer besetzt als in den vergangenen zwei, drei Jahren. Was diese Seite im März exklusiv meldete, hat sich bewahrheit: Weder Vincent Keymer noch Matthias Blübaum werden mit von der Partie sein. Gleichwohl ist das Feld stark. Costas Ziel ist ein Platz unter den ersten drei. Wichtiger ist ihm aber, sich auf die einzelnen Partien zu konzentrieren, anstatt ein bestimmtes Endergebnis anzupeilen.

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