Kandidatenturnier (2): Matthias Blübaum leidet – und hält

Natürlich ist jede Partie beim Kandidatenturnier schwierig. Trotzdem, Schwarz gegen Shootingstar Javokhir Sindarov, der zum Auftakt gewonnen hatte, der damit in die Top 10 der Welt aufgestiegen ist, und nun gegen den eloschwächsten Teilnehmer die Chance auf einen perfekten Start gewittert haben dürfte – ein ziemliches Brett, „der erste richtige Test“, wie es Matthias Blübaum nach der Partie formulierte.

Matthias Blübaum während der Zweitrundenpartie gegen Javokhir Sindarov. | Foto: Michal Walusza/FIDE

Erstaunlich war, dass der Usbeke es gegen Blübaums zu erwartendes Russisch ganz ruhig angehen ließ und ein typisches symmetrisches Endspiel mit offener e-Linie und etwas Raumvorteil zu kneten gedachte. Andererseits fehlte nicht allzu viel, und sein Eröffnungskonzept wäre aufgegangen. So, wie es kam, ein Remis, hat Blübaum Anlass seinen Start „okay“ zu finden. Kein besonderer Auftakt, aber solide. Entscheidend sei für ihn, mit Schwarz nicht gleich zu verlieren. Eine Niederlage in so einer Partie würde gleich zu Beginn aufs Gemüt schlagen.

Die Zweitrundenpartie Sindarov vs. Blübaum im Kandidatenturnier in gut 150 Sekunden.

Sindarov habe sich für eine von zahllosen Nebenvarianten entschieden, die zu einer Version dieses russischen Endspiels führen. Die hätten alle gemeinsam, dass sie zwar nicht brandgefährlich sind, aber auch nicht banal zu neutralisieren, erklärte Matthias Blübaum nach der Partie im Lichess-Gespräch. Blübaum beschreibt die Partie als unangenehm von Beginn an.

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Die Nebenvariante mit 4.Nd3 habe ihn überrascht. Das geläufige, aber nicht ganz so häufig gespielte 6…c6 könnte die Gegenüberraschung gewesen sein, spekuliert Blübaum. Seinem Gefühl nach waren beide früh aus dem Buch.

Nach dem 13. Zug von Weiß: Den Läufer nach h7 oder d7?

Nach dem 13. weißen Zug sieht Blübaum einen kritischen Moment: nach h7 oder nach d7 mit dem Läufer? Er hält beide Optionen spielbar, glaubt aber rückblickend, 13…Ld7 sei genauer gewesen. Stattdessen entschied sich Blübaum für h7, um seinem König das Feld d7 freizuhalten. Aber das habe Weiß die Option Sf4-h3-g5 gegeben, was die Stellung „ein bisschen unangenehm“ gemacht habe. „Insofern habe ich aus der Eröffnung heraus wahrscheinlich etwas falsch gemacht.“

Die Folge war eine Verteidigungspartie. Blübaum sagt, er habe ein wenig leiden müssen und mit dem Rücken zur Wand gestanden. Trotzdem blieb die schwarze Stellung stabil. Vielleicht habe Sindarov nicht ganz präzise gespielt, vielleicht habe er aber auch gar nicht so viel gehabt, wie Blübaum zwischenzeitlich befürchtete. So oder so, am Ende war es für Schwarz komfortabel.

Am Dienstag ab 14.30 Uhr in der dritten Runde führt Blübaum gegen Andrey Esipenko die weißen Steine.

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