Der Schachonkel

„Das hab‘ ich von meinem Papa/Opa/Onkel gelernt. Der ist sehr gut im Schach.“

Wenn das Schachkind so etwas sagt, und das passiert nicht selten, dann steht in aller Regel ein Spagat bevor. Einerseits musst du dem Kind allerlei zu Hause abgeguckten Mumpitz austreiben, andererseits darfst du nicht zu deutlich sagen, dass der Papa/Opa/Onkel keine Ahnung hat, um nicht gleich zu Beginn des Kindes Idol vom Sockel zu stürzen.

Gestern begab es sich beim Jugendtraining des SC Überlingen, dass sich so ein Schachonkel nicht nur materialisierte, sondern auch noch beim Blitzturnier mitspielen wollte. Und, schau an, der Onkel spielte gar meisterhaft. In seiner osteuropäischen Heimat hatte er als Jugendlicher zu den Besten des Landes gezählt, erwog gar, eine Profikarriere zu versuchen, bevor er seine Neuronenpower dann doch in den Dienst der theoretischen Physik stellte.

7 Punkte aus 7 Partien für den Schachonkel: Platz eins beim Überlinger Blitzturnier.

Eine Fakultät für theoretische Physik (oder für irgendetwas anderes) haben wir hier leider nicht. Und so wird der Besuch des Onkels leider nicht zu der Art Neuzugang führen, wie wir ihn dringend bräuchten. Der Onkel fährt morgen wieder nach Hause, und wir bleiben ein Dorfverein, der sich seine Meisterspieler selbst basteln muss.

Ein Kommentar zu „Der Schachonkel

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