Alexander von Gleich, Anna Endreß und Gerald Hertneck – das ist das Trio, das gemeinsam mit Richard Lutz das neue Präsidium des Deutschen Schachbundes bilden soll. Lutz hat seine drei Mitstreiter:innen jetzt bei seinen beiden angekündigten Online-Treffen mit DSB- und Landesfunktionären vorgestellt. Von Gleich soll Vizepräsident Finanzen werden, Endreß Vizepräsidentin Verbandsentwicklung, Hertneck Vizepräsident Sport. Auf Anfrage dieser Seite wollte sich Lutz zu seinem Team nicht äußern. Vor dem Kongress sehe er generell von öffentlichen Äußerungen ab, teilte Lutz mit.
Raufen sich nun alle zusammen, um unter der Führung von Richard Lutz ein konstruktives Miteinander zu etablieren und einen Neuanfang anzugehen? Sehen sie womöglich die Chance, die sich unserem Sport hier bietet? Und fahnden nach Wegen, sie zu ergreifen? Danach sieht es eher nicht aus.

Der Streit zwischen den Lagern geht weiter, und der einstige Bahnchef macht in diesen Tagen die Erfahrung, dass im DSB auch die Bereitschaft eines Topmanagers zur Kandidatur keine Dynamik auszulösen vermag. Stattdessen rumpelt es direkt nach dem Aufbruch zur „längeren Reise“, die Lutz erwartet, um das Ziel einer „kulturellen Transformation“ des Verbands zu erreichen. Gegen mindestens eine der drei jetzt verkündeten Personalien, Gerald Hertneck, regt sich deutlicher Widerstand.
Zwei Wochen nach der allgemein beklatschten, exklusiv von dieser Seite gemeldeten Verkündung der Kandidatur ist unter der Hand bereits von einem „Fehler“ Lutz‘ bei der Auswahl seiner drei Vizes die Rede, auch von „fehlender Flexibilität“: Lutz hat seine Kandidatur ausdrücklich an dieses Team geknüpft. Gehen seine Personalien nicht durch, könnte er zurückziehen. Worauf wiederum andere Leute spekulieren könnten.
Lauterbach, Klüners, Kiesel
Die „Berliner Erklärung“ und das koordinierte Bemühen mancher Verbände, die Präsidentschaft von Ingrid Lauterbach möglichst bald zu beenden, repräsentiert die eine Seite im gegenwärtigen Tauziehen. Auf der anderen arbeiten unverändert einige Landesverbände daran, Lauterbach eine Fortsetzung ihrer Präsidentschaft zu ermöglichen, Württemberg und Hessen etwa. Das hat sich seit dem Auftauchen Lutz‘ nicht geändert.
Lauterbach hat sich gerade erst im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung eine Hintertür offengelassen. Die Frage, ob sie erneut kandidiert, wollte sie weder bejahen noch verneinen. In ihrem „Tätigkeitsbericht“ für den Kongress stellt sie fest, die Unterschriften der Gegenseite unter besagte Erklärung seien „nicht ernst gemeint“ gewesen. Ihr Vizepräsident Sport Jürgen Klüners verkündet derweil, er sei bereit weiterzumachen, auch in anderen Konstellationen, würde aber sofort seinen Rücktritt anbieten, wenn ihm ein neuer Präsident signalisiert, „dass er nicht mit mir zusammenarbeiten möchte“. Die Personalie Lutz kommt in beiden Erklärungen nicht vor.
Jannik Kiesel (26), Vizepräsident Verbandsentwicklung, war bei seiner Kandidatur im Mai 2025 Teil des Auftakts einer dringend notwendigen Transformation: den ergrauten Laden verjüngen. Mit ihm traten für verschiedene Ämter fünf weitere U40-Kandidat:innen an, von denen nur Präsidentschaftskandidat Paul Meyer-Dunker knapp nicht gewählt wurde. Jetzt sieht sich Kiesel als Teil eines Quintetts der nächsten DSB-Generation. Er würde als Vizepräsident Verbandsentwicklung gerne fortsetzen, was er begonnen hat, sagt Kiesel auf Anfrage dieser Seite.
von Gleich
Von den Lutz-Kandidaten ist Alexander von Gleich eine logische Wahl als Vizepräsident Finanzen. Das Amt hat er seit Oktober 2024 bekleidet, bis er im Februar 2026 per Rücktritt die Reißleine zog, nachdem sich im Präsidium „unterschiedliche Auffassungen über Sachfragen, Arbeitsweise und Kommunikation“ gehäuft hatten.
Von Gleich war, zumindest anfangs, bereit, als Nachfolger Lauterbachs zu kandidieren. Dass er sich nun als Vize einsortiert, zeigt, dass er nicht zur verbreiteten Gattung der Funktionäre gehört, die sich über ein möglichst wichtiges Amt definieren. Die Lager- und Grabenbildung nicht erst seit seinem Rücktritt dürfte dazu führen, dass von Gleich ab sofort keine einstimmigen Politbüro-Wahlergebnisse mehr einfährt.
Endreß
Anna Endreß (33) ist, soweit ersichtlich, neu als Funktionärin. Als eines von zwei Mitgliedern des Lutz-Teams kandidiert die bei einer Lufthansa-Tochter arbeitende Rechtsanwältin unbelastet von den Verwerfungen der jüngeren Vergangenheit. In der Vita der Schachspielerin Endreß stehen unter anderem fünf deutsche Jugendmeisterschaften, eine Vize-Europameisterschaft mit der Mannschaft und die Teilnahme an der Schacholympiade 2008 in Dresden als Spielerin der zweiten deutschen Mannschaft. Dem Vernehmen nach ist sie erst kurz vor der Vorstellung des Lutz-Teams zum Teil davon geworden.
Hertneck
Die umstrittenste Personalie ist Gerald Hertneck. Der Münchner Großmeister, Jahrgang 1963, gehört seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Figuren des deutschen Schachs: National- und Top-50-Spieler mit einer Elo jenseits der 2600. Außerdem Mitgründer der Münchner Schachakademie und der Münchner Schachstiftung. Profi war Hertneck nie. Im Hauptberuf arbeitet er als Beamter bei der Stadtkämmerei München. 2021 bis 2025 war er DSB-Referent für Leistungssport.
Lutz und Hertneck kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in der Sportförderkompanie der Bundeswehr in Warendorf, wo sie sogar ein Zimmer teilten. Aus dieser Bekanntschaft dürfte jetzt die gemeinsame DSB-Kandidatur erwachsen sein. Aber bei der Vorstellung des Teams stieß die Personalie Hertneck auf offenen Widerstand.
Der Umstand, dass einige Ehrenamtliche die Zusammenarbeit mit dem knorrigen Bayern als „anstrengend“ empfinden, dürfte für die kommende Wahl noch am wenigsten relevant sein. Problematisch ist eher, dass Hertneck die beiden größten Landesverbände gegen sich haben könnte. Aus NRW wurde dem Vernehmen nach seine Mitverantwortung für das von Beginn an verkorkste, einige hunderttausend Euro teure und bis heute nicht abgeschlossene IT-Projekt des DSB angeführt. In Bayern nimmt man Hertneck krumm, dass er die Deutsche Meisterschaft 2025 in München mitorganisiert hat – bei der der Bayerische Schachbund außen vor blieb, ja, nicht einmal davon wusste. „Informationspolitik und Umgangston“ der DSB-Präsidentin ließen „sehr zu wünschen übrig“ hat dazu seinerzeit Bayerns Schachpräsident Ingo Thorn gesagt. Spätestens seitdem sind die Bayern ein führender Teil der Fundamentalopposition gegen Ingrid Lauterbach.
Lutz?
Einige Beobachter halten es angesichts dieser Gemengelage für gut möglich, dass Richard Lutz noch vor dem Kongress zu dem Schluss kommt, dass er seine Lebenszeit anderswo sinnvoller ausfüllen könnte als an der Spitze dieses sich seit Jahren immer neu selbst zerlegenden Verbands. Sollte er tatsächlich am 16. Mai DSB-Präsident werden, könnte ihm die von persönlichen Befindlichkeiten und Verbands-Klein-Klein geprägte Vorgeschichte seiner Kandidatur ein zentrales Problem vor Augen geführt haben. Er hätte ein weiteres Argument, die föderale Struktur des anhaltend scheiternden Konstrukts in Frage zu stellen.
Gäbe es einen Weg, den Spitzenverband des Schachsports aus der Länderfalle zu lösen, ohne dass die Spitzensportförderung wegbricht, es könnte nur besser werden. Wären (wie in Frankreich) Vereine oder (wie in den USA) Spielerinnen und Spieler am DSB angedockt und nicht länger die Landesverbände, eine ganze Reihe von Problembären wäre aus dem Bild. Bleiben oder hinzukommen würden diejenigen, die sich tatsächlich für den (Spitzen-)Sport auf Bundesebene und dessen Wohlergehen interessieren.
In so einem Szenario, in dem es plötzlich allen um die Sache geht, würde die „kulturelle Transformation“ womöglich unmittelbar eintreten. Noch dazu hätte sich das jüngst vom Bundesturniergericht aufgezeigte Cheating-Problem von allein gelöst.


Ich bin begeistert, das ist ein tolles Team.
Das fühlt sich nach einem echten Neustart beim Deutscher Schachbund an. 2026 wird spannend und der Start in eine großartige Zeit sein!
Das Team von Richard Lutz besteht ganz offensichtlich aus vier sehr geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten. Richard Lutz wäre mit seinen Kontakten und seiner professionellen Führungserfahrung der richtige Mann an der Spitze, gerade mit Blick auf das anstehende Jubiläumsjahr. Gerald Hertneck ist als Referent für Leistungssport bereits zweimal mit großer Mehrheit gewählt worden. Alexander von Gleich wurde sogar zweimal einstimmig in seinem Amt bestätigt. Und Anna Endreß würde dem verstaubten DSB den dringend benötigten frischen Wind bringen. Das wissen auch alle Delegierten, die zum DSB-Kongress reisen werden. Nur spielt das leider keine Rolle. Bei den Wahlen im DSB gilt etwas anderes:… Weiterlesen »
Lutz und Hertneck haben sich nicht nur bei der Sportförderkompanie ein Zimmer geteilt, sondern hatten auch einen gemeinsamen Lehrer, nämlich Helmut Reefschläger. Wer Helmut als Lehrer oder Freund erleben durfte, hat tatsächlich etwas fürs Leben gelernt: vor allem Nonchalance. Helmut mochte keine engstirnigen Schachfunktionäre. Insofern ist zu hoffen, dass sich an der Spitze des Deutschen Schachbunds ein Wandel vollzieht.
Für mich ist noch nicht ganz nachvollziehbar, warum Jannik Kiesel abgewählt werden soll. Welchen großen Skandal habe ich da verpasst? Mit seiner Kandidatur im letzten Jahr ging einher, dass mehrere Referentenposten mit jungen Leuten besetzt werden konnten, die dem Schachbund meiner Ansicht nach gut getan haben. Wenn Hr. Lutz offenbar eine kollektive Abwahl des bisherigen Präsidiums begrüßt, sehe ich darin einen Widerspruch zur angekündigten „kulturellen Transformation“!
Wer war denn so bekloppt, diese Chance bewusst zu sabotieren? 🙁 Wie kaputt – oder groß – muss denn das Ego sein? Dann bin mal gespannt, was die Alternative sein wird. Aber ehrlich gesagt, habe ich mehr Sorgen als Hoffnung … Mist!
Ich habe lange überlegt, ob ich mich nach drei Jahren wieder öffentlich zum DSB äußern soll. Angesichts der aktuellen Entwicklungen rund um den Deutschen Schachbund habe ich mich nun aber dazu entschieden, weil mir der Verband nach wie vor sehr am Herzen liegt. Ich würde mir wünschen, dass mögliche Antworten auf diesen Kommentar auf der inhaltlichen Ebene bleiben und nicht in eine Diskussion über meine Amtszeit von 2017 bis 2023 abgleiten. Aus meiner Sicht ist Richard Lutz mit großem Abstand der beste Kandidat für das Amt des Präsidenten seit vielen Jahren. Ich habe schon während meiner Amtszeit immer wieder gesagt,… Weiterlesen »
Alexander von Gleich hat auf ChessBase ausführlich zu den heutigen Vorgängen Stellung genommen, siehe den Beitrag unter https://de.chessbase.com/post/mir-ist-nicht-verborgen-geblieben-wie-stimmung-gegen-mich-gemacht-wurde. Die Darstellung wirkt sachlich, zugleich aber auch tief betroffen. Dem Video ist klar anzumerken, dass hier offenbar Grenzen des fairen Miteinanders massiv überschritten wurden. Sollte sich der geschilderte Eindruck bestätigen, würde das erneut zeigen, wie gravierend die strukturellen Probleme im Deutschen Schachbund inzwischen sind. Wer Macht ausübt, muss sich am Ende auch an seiner Verantwortung messen lassen. Umso mehr darf man auf die für den 16.05. notwendige „Lösung“ gespannt sein. Das Interview hinterlässt bei allen, denen der Schachsport und die Weiterentwicklung des… Weiterlesen »
Das Verhältnis zwischen dem Präsidenten des Deutschen Schachbundes und den Präsidenten der Landesverbände lässt sich wie folgt zusammenfassen:
1) Ich bin lieber der König von [Name des Landesverbandes] als der „Depp vom DSB“.
2) Immer wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, fällt den Präsidenten der Landesverbände noch etwas ein.
Die Kandidatur von Richard Lutz in Kombination mit einem extrem professionellen Team ist ein unverhofftes Geschenk für den Deutschen Schachbund. Man kann nur hoffen, dass von den beiden obengenannten Grundsätzen der zweite ausnahmsweise ignoriert wird.
Ich verstehe, das man im Block kandidieren will, was aber bekanntlich nicht möglich ist. Wir haben meiner Meinung mit dem Vize-Präsident Sport Prof. Jürgen Klüners und dem Vize-Präsidenten Verbandspolitik Janik Kiesel zwei sehr gute Leute in Amt und Würden, die gerne weitermachen würden. Die Gegenkandidatin von Janik Kiesel hat z.Bl wenig bis gar keine Erfahrung auf diesem Sektor, ich bin der Meinung, das der bessere Kandidat oder die bessere Kandidatin gewählt werden soll, egal aus welchem Block er/sie stammt. Die Kandidatur von Richard Lutz finde ich gut, unser wunderschöner Schachsport hätte es verdient, dass alle zusammen gemeinsam an einen Strang… Weiterlesen »
Für die Landesfürsten ist es nach meinem Eindruck seit Jahren wichtiger, in Wahlgängen persönliche Befindlichkeiten auszuleben und ein Trümmerfeld zu hinterlassen, als ein Team zu wählen, dass sich offenbar gefunden hat und gut zusammenarbeiten möchte. Und nur weil eine Person in einem bestimmten Bereich möglicherweise überfordert war (die vermaldeite nu-Software), muss das nicht heißen, dass sie woanders nicht nicht gut wirken kann. „Die nüchterne Bilanz der letzten drei Wochen zeigt, dass es diese Signale von Geschlossenheit und des (kulturellen) Aufbruch aus der Breite und Tiefe des Verbandes nicht gibt. Das gilt insbesondere für die Landesverbände, die nach meinem Eindruck –… Weiterlesen »
Ja der Herr Lutz hat schon bei seinem Job bei der Bahn seine phantastische Qualifikation bewiesen ….
Die hat er ja vorbildlich neu aufgestellt.
Ob eine Wahl stattfindet hängt zunächst davon ab ob das aktuelle Präsidium abgewählt wird, richtig? Wie kann sich jemand dann zur Wahl stellen? Ist es praktisch nur Delegierten möglich, die sich ggf. spontan zur Wahl stellen? Alle anderen sind ausgeschlossen? Wenn nicht, wie stellt man sich dann zur Wahl falls die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde?!
Alles Makulatur. Team Lutz zieht Kandidatur zurück, wie auf einer anderen Plattform gerade vermeldet worden ist.