„Was du nicht behandelst, holt dich ein“

Sie war 15, als die Taliban sie töten wollten. Aus nächster Nähe schoss ihr der Attentäter am 9. Oktober 2012 in den Kopf und in den Hals. Warum? Malala Yousafzai hatte sich öffentlich für das Recht von Mädchen auf Bildung eingesetzt. Sie überlebte knapp, wurde in Pakistan notoperiert und dann zur weiteren Behandlung nach England geflogen.

Malala Yousafzai dachte, eine Operation und Medikamente seien genug, um zu heilen. Ihrem Trauma stellte sie sich erst Jahre später.

Sieben Jahre nach den Schüssen erlebte die Friedensnobelpreisträgerin den Angriff eine ganze Nacht lang noch einmal. Ausgelöst hatte das ein Zwischenfall während ihrer Studienzeit. Panikattacken und Angst folgten, über Monate kein Schlaf, das Pochen des eigenen Herzschlags im Ohr. Davon berichtete die 29-Jährige jetzt im Gespräch mit der Autorin und Moderatorin Fearne Cotton.

Malala Yousafazai im Spiegel-Interview über die Lage der Frauen in Afghanistan (Abo*).

Im Krankenhaus in Birmingham hatte man ihr nach dem Attentat eine Therapie angeboten. Sie glaubte, nicht mehr zu benötigen als die Operationen und Medikamente: „I thought this is all I need to heal and recover from the Taliban shooting.“ Die Bilder des Angriffs hielt sie für vergessen. Erst der Auslöser am College holte sie zurück. Rückblickend hält sie den Anlass für zweitrangig: Es hätte alles sein können, weil sie den Anschlag unverarbeitet gelassen hatte. Eine Freundin riet ihr zur Therapie. Bis dahin hatte sie geglaubt, niemand könne sie verstehen.

Mut heißt nicht, keine Angst zu haben

In der ersten Sitzung schilderte sie ihre Probleme und bat um Medikamente; sie erwartete eine sofortige Lösung. Die Angst zwang sie, eine falsche Überzeugung zu korrigieren, nämlich die, dass Mut bedeutet, nie Angst und nie Schwäche zu spüren. Als die Panik begann, hielt sie sich deswegen für gescheitert. Sie glaubte, sich nicht länger mutige Aktivistin nennen zu dürfen.

Heute sagt sie: Wer in der dunkelsten Zeit weitermacht, woran er glaubt, ist mutig. Über die späte Therapie sagt sie, sie sei froh, nicht noch länger gewartet zu haben.

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