„Existenzielle Bedrohung“: Kasparow über Trumps Druck auf kritische Medien

Der russische Oppositionelle und frühere Schachweltmeister Garri Kasparow hat in einem Gespräch mit CNN-Moderator Anderson Cooper eindringlich vor den Gefahren gewarnt, die er in den jüngsten Angriffen der Trump-Regierung auf kritische Medien erkennt. Für Kasparow erinnert das Vorgehen in den USA an die ersten Jahre unter Wladimir Putin, als in Russland die damals noch junge Pressefreiheit Schritt für Schritt zerstört wurde.

Garri Kasparow zu Gast bei Anderson Cooper.

Kasparow schilderte, wie Putin Ende der 1990er-Jahre die unabhängige Medienlandschaft systematisch zerschlug: Zunächst traf es einzelne Journalisten und satirische Sendungen – etwa ein populäres Puppentheater im Staatsfernsehen –, später wurden die Besitzer großer Medienunternehmen unter Druck gesetzt. Innerhalb von drei Jahren sei die freie Presse „liquidiert“ gewesen. „Es geschieht nie auf einen Schlag, sondern in kleinen, scheinbar vernünftigen Schritten“, sagte Kasparow.

Auch in den USA sieht er besorgniserregende Parallelen: Offizielle Drohungen gegen Fernsehsender, Debatten über die Einschränkung von Lizenzen und der Versuch, Kritik als „Hassrede“ zu brandmarken. „Jeder Möchtegern-Autoritäre beruft sich auf das öffentliche Interesse, wenn er die Presse attackiert“, warnte er. Trump habe zudem ein Talent entwickelt, das Abnormale als normal erscheinen zu lassen. Dinge, die zu Zeiten von Watergate noch ein politisches Erdbeben ausgelöst hätten, würden heute achselzuckend hingenommen.

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Kasparow verwies auf die Tradition der amerikanischen Demokratie, betonte aber, dass die Verfassung allein kein Garant sei: „Sie bietet nur die Grundlage für den Kampf, sie gewinnt ihn nicht.“ Deshalb müssten Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden und den Ernst der Lage erkennen.

Besonders gefährlich sei, dass sich Teile der republikanischen Partei offenkundig stärker an die Person Trump als an die Verfassung gebunden fühlten. „Wenn der FBI-Direktor einem Kongressausschuss ins Gesicht sagt, er arbeite nicht für das amerikanische Volk, sondern für einen Mann, dann ist das ein Alarmsignal“, so Kasparow.

Trotz aller Sorgen zeigte er sich überzeugt, dass die USA über stärkere demokratische Abwehrkräfte verfügen als Russland in den 1990er-Jahren. Doch diese müssten jetzt aktiviert werden: „Es ist eine existenzielle Bedrohung. Amerika darf sich nicht in Sicherheit wiegen.“

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