FIDE-Präsidentschaftswahl 2026

Wahl des FIDE-Präsidenten am 26./27. September 2026 in Samarkand, unmittelbar nach der dort ausgetragenen Schacholympiade. Stimmberechtigt sind die rund 200 nationalen Verbände; traditionell bleiben etwa 15 Prozent der Wahl fern. Es kandidieren Timur Turlov mit Viswanathan Anand als Deputy, Wadim Rosenstein und Jan Henric Buettner mit Malcolm Pein. Amtsinhaber Arkady Dvorkovich trat nicht erneut an, nachdem die EU ihn im Juli 2026 sanktioniert hatte; Kirsan Ilyumzhinov zog seine Kandidatur zurück. Der Wahlkampf wird mit harten Bandagen geführt und dreht sich kaum um die Frage, was dem Schachsport nützen würde.

Neutralität des Apparats

Dvorkovich ließ seine Amtsgeschäfte zum 23. Juli ruhen, trat aber weiter als Repräsentant der FIDE auf – in Addis Abeba sprach er im Wir-Modus der Verbandsführung und verkündete einen direkten World-Cup-Startplatz für jede Kontinentalzone. Turlov nutzte parallel offizielle FIDE-Bühnen für seine Kampagne. Buettner warf der Verbandsspitze deshalb am 6. August in einer Unterlassungsaufforderung an den FIDE-Rat vor, mit Personal, Telefonen und womöglich Verbandsmitteln Wahlwerbung für Turlov zu betreiben; Belege legte er nicht vor, stellte sie aber in Aussicht und verlangte binnen sieben Tagen eine schriftliche Zusage, Personal und Mittel aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Dass Anand als Interimspräsident zugleich auf Turlovs Ticket steht, verschärft den Vorwurf.

Stimmenkauf und die Rolle der ISCF

Die FIDE-Wahlordnung verbietet Kandidaten, Delegierten größere Geschenke oder Vergünstigungen zukommen zu lassen. Buettner beziffert den Preis einer Stimme dennoch auf 40.000 Dollar in Europa und 5.000 in Afrika und beschreibt ein über Jahrzehnte gewachsenes Klientelsystem: Alle vier Jahre komme jemand vorbei und verteile Geld. Er selbst gibt nach eigener Aussage keines und sagt den Delegierten, sie sollten das Geld der Gegenseite ruhig nehmen und trotzdem ihn wählen. PvB sieht in Turlovs 2024 gegründeter Parallelorganisation ISCF, die ohne erkennbare Rechtsform operiert, ein Mittel, dieses Verbot zu umgehen: Über sie lassen sich Delegierten und Verbandspräsidenten Vorteile gewähren, ohne dass sie als Wahlkampfleistungen erscheinen.

Der afrikanische Stimmenblock

Afrika ist der umkämpfteste Block; Turlov und Dvorkovich reisten dorthin, Buettner und Pein ebenfalls. Bei der Wahl der African Chess Confederation am 27. Juli 2026 in Addis Abeba setzte sich Benard Wanjala mit 25:24 Stimmen gegen Amtsinhaberin Tshepiso Lopang durch, die noch am selben Tag Beschwerde einlegte: Wanjala habe nachts in der Hotellobby einem Delegierten 1.500 Dollar für dessen Stimme übergeben. Bleibt der Streit ungelöst, könnten in Samarkand zwei rivalisierende afrikanische Delegationen auftreten.

Angriffe auf Rosenstein

Rosenstein wurde ab Ende Juli 2026 Ziel einer anonymen Kampagne aus Dossier, russischem Telegram-Kanal und ukrainischem Portal, die ihm Kreml-Nähe unterstellte. Er sieht das Lager um Dvorkovich und Turlov dahinter und ließ mitteilen, ihm sei bedeutet worden, die Angriffe hörten auf, wenn er sich diesem Lager anschließe.

Verfahren gegen Turlov

Rosenstein forderte am 6. August in einem offenen Brief an die Wahlkommission und den Sportgerichtshof CAS Turlovs Disqualifikation und verlangte Belege zur Staatsbürgerschaft, zu den ukrainischen Sanktionen, zu einem möglichen Bankrisiko für die FIDE nach dem ChessBase-Vorbild und zu einer behaupteten 75-Millionen-Dollar-Investition ins Schach. Buettner reichte am 11. August eine fünfseitige Beschwerde ein, die auf ein rein russisches Team bei der Hochschul-WM, Geschäfte von Freedom-Tochtergesellschaften im Zusammenhang mit Sanktionen, einen Interessenkonflikt und den Einflug von 23 Personen aus Kasachstan und Russland zu einem ISCF-Kinderturnier in Südafrika zielt; bleibt sie unbeantwortet, will er zum CAS. Turlov ging auf keine der Sachfragen ein, sondern antwortete mit einem Statement über Kasachstans Neutralität und die Offenlegungspflichten seines börsennotierten Unternehmens.

Offene Fragen vor der Wahl

Ende August war ungeklärt, wer Afrika vertritt, ob die Wahlkommission auf die Beschwerden reagiert, ob Turlovs Passfrage beantwortet wird und ob der FIDE-Apparat aufhören kann, Partei zu sein. Buettner rechnet mit rund 90 Stimmen bei etwa 180 Anwesenden und hält sich für den „Last Man Standing“.