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Luis Engel

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Profi zu werden, war nie ein Thema. Aber Luis Engel hätte gerne nach dem Abi ein Schachjahr eingelegt, um herauszufinden, "wie weit es gehen kann". Das hat die Pandemie verhindert.

Der Jurastudent Luis Engel im Gespräch mit Arne Kähler:

Schach bleibt Hobby – und das ist eine bewusste Entscheidung

Luis Engel im Gespräch mit Jonathan Carlstedt, Schachtalk der Chess Tigers, 12. April 2026

Schachprofi zu werden war für Luis Engel nie wirklich eine ernsthafte Option – nicht aus Mangel an Talent, sondern weil ihm der Gedanke, täglich sieben oder acht Stunden zu trainieren, auf Dauer keinen Spaß machen würde. Das sagte Luis Engel im Gespräch mit Chess Tigers Schachtalk. „Das wäre für mich nichts und da würde ich mich auch auf lange Sicht nicht motivieren können, beziehungsweise wenn ich es machen würde, würde glaube ich der Spaßfaktor drunter leiden", sagt der Hamburger Großmeister, zweifacher deutscher Meister und Jurastudent. Mit Vincent Keymer auf eine Stufe gestellt zu werden lehnt er freundlich ab: „Ich kenne Vincent und ich weiß, dass wir ganz anders ticken."

Zufälliger Einstieg, starke Förderung

Engel lernte Schach in der ersten Klasse von einem Mitschüler, spielte zunächst nur in der Schule und wurde beim Springerpokal-Grundschulturnier in Hamburg von Christian Zickelbein entdeckt, der ihn zum Hamburger Schachclub holte. Zickelbein, den Engel als unverzichtbar für seine Entwicklung beschreibt, habe den Club über viele Jahre getragen. Den entscheidenden Trainingsimpuls bekam Engel später durch Felix Meißner, der ihn bereits zur Jugend-WM nach Slowenien begleitete, und durch Karsten Müller, mit dem er bis heute regelmäßig trainiert. Als besonders prägend beschreibt Engel das intensive Lesen von Schachbüchern: „Das hat mir einfach mehr Spaß gemacht, als mich immer wieder irgendwie aufs Neue zu motivieren."

Sein Zwillingsbruder Robert spielte dabei eine wichtige Rolle. Da beide gemeinsam in Vereins- und Schulmannschaften auftraten und jeder seinen eigenen Bereich hatte – Engel das Schach, Robert den Fußball –, entstand nach eigener Aussage nie Konkurrenz, sondern gegenseitige Unterstützung.

Jura statt Brett

2020 begann Engel ein Jurastudium, legte letztes Jahr das erste Staatsexamen ab und startet im August das Referendariat. Im Studium spielte er weniger, seit dem Abschluss des ersten Examens ist er wieder aktiver. Derzeit arbeitet er drei Tage pro Woche in einer Kanzlei, plant langfristig als Anwalt zu starten und schließt auch eine spätere Richterkarriere nicht aus.

Seinen Verzicht auf eine Profilaufbahn bereut er nicht: „Es hätte einfach nicht so ganz perfekt zu mir gepasst." Die Frage, ob er ohne Jura ähnlich weit gekommen wäre wie Keymer, beantwortet er nüchtern: „Ich glaube, ich wäre auf jeden Fall nicht so dran geblieben und hätte so durchgezogen wie er."

Spielertypen und das Buch mit Müller

Gemeinsam mit Müller hat Engel das Buch Spielertypen verfasst, das Schachspieler in vier Kategorien einteilt und damit Stärken, Schwächen und passende Eröffnungen identifizierbar machen soll. Ein zweiter Band mit Aufgaben ist inzwischen erschienen. Engel beschreibt das Konzept als Brücke zwischen Schach und Psychologie: „Ich finde es nach wie vor ein super spannendes Thema." Interviewer Carlstedt ordnet sich selbst auf Nachfrage als Aktivspieler ein – Engel bestätigt das und erklärt, er würde gegen ihn mit solider Eröffnung spielen, um dessen Angriffsstärken zu umgehen.

Kandidatenturnier und WM-Ausblick

Matthias Blübaum bescheinigt Engel ein gutes Abschneiden beim Kandidatenturnier: „Er spielt sehr solides Schach." Javokhir Sindarov hatte er vorab als Geheimfavoriten eingeschätzt. Für die bevorstehende WM gegen Dommaraju Gukesh sieht er Sindarov als Favoriten, betont aber: Der psychologische Druck könne sich auch auf Sindarov verlagern, wenn alle seinen Sieg erwarten.

Hikaru Nakamuras schwaches Abschneiden führt Engel vor allem auf Eröffnungsprobleme zurück: „Das darf halt auf dem Niveau nicht passieren." Einen möglichen Einfluss seines Content-Geschäfts auf den Fokus schließt er nicht ganz aus, sieht aber die Eröffnung als Hauptproblem.

Grenke und persönliche Ziele

Das Grenke Chess Festival beschreibt Engel als unverzichtbares Turnier für deutsche Spieler – er hat dort sowohl eine IM- als auch eine GM-Norm gespielt. In diesem Jahr verlief es nicht nach Wunsch, zu viele Remisen gegen nominell schwächere Gegner kosteten ihn Platzierungspunkte. Bis August, wenn das Referendariat beginnt, plant er noch ein GM-Turnier in München und die Deutsche Einzelmeisterschaft. Im Oktober folgt die Studentenweltmeisterschaft in China – das Turnier, auf das er nach eigenen Worten am meisten hinfiebere.

Den Traum von der Olympiamannschaft hält er für realistisch schwer erreichbar: „Die deutschen Spitze ist so stark wie seit Jahren nicht."