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Altes Brettspiel im grellen Videolicht: Stefan Löffler über den Esports World Cup in Paris

Vom 14. bis 16. August findet in Paris das Schachturnier des Esports World Cup 2026 statt, mit einer Bedenkzeit von 10+0 und einem Preisgeld von 1.550.000 US-Dollar für Schach – Teil des nach eigenen Angaben weltweit größten Esports-Events. 16 Spieler kämpfen um den Titel, angeführt von Titelverteidiger Magnus Carlsen sowie zwölf über die Champions Chess Tour qualifizierten Spielern wie Hikaru Nakamura, Ian Nepomniachtchi und Arjun Erigaisi, ergänzt um einen Vertreter aus „India Rising" und zwei Teilnehmer aus der Play-In-Stage. Wer sich für die Play-In-Runde qualifiziert, entscheidet sich zunächst bei der Last Chance Qualifier vom 4. bis 6. August, für die bis zu 256 Spieler antreten können, darunter bereits gemeldete Namen wie Wei Yi und Parham Maghsoodloo.

Livepartien, Ergebnisse, Tabelle

Carlsen verteidigt Titel beim Esports World Cup in Paris

Chess.com, 15. August 2026, Colin McGourty

Magnus Carlsen hat seinen Titel beim Esports World Cup in Paris verteidigt und gegen Denis Lazavik beide Sätze mit 3:1 gewonnen. Das berichtet Chess.com. Carlsen blieb während des gesamten Turniers ohne Partieniederlage und erhielt ein Preisgeld von 250.000 US-Dollar. Lazavik erhielt für den zweiten Platz 190.000 US-Dollar, Hikaru Nakamura sicherte sich Platz drei und 145.000 US-Dollar.

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Wie verlief das Finale?

Carlsen übernahm im ersten Satz nach 79 präzise verteidigten Zügen von Lazavik durch dessen Fehler in der Schlussphase die Führung. Nach eigener Aussage stützte sich seine Turnierstrategie auf genaue Beobachtung der Schwächen Lazaviks in Turmendspielen. Die zweite Partie endete durch eine zufällige Zugwiederholung remis, die dritte Partie blieb ereignislos.

Im zweiten Satz wechselte Lazavik seine Herangehensweise und spielte die Samisch-Variante der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung, wodurch Carlsen zeitweise unter Druck geriet. Carlsen reagierte mit einem Qualitätsopfer und gewann die Partie. Die abschließende Partie des Turniers entschied Carlsen mit einem Damenopfer für sich.

Was sagte Nakamura zum dritten Platz?

Alireza Firouzja gab das Spiel um Platz drei bei einer Führung Nakamuras von zwei Punkten bei zwei verbleibenden Partien auf, nachdem technische Probleme mehrere Übertragungen unterbrochen hatten. Nakamura hatte zuvor bereits im vierten Spiel durch einen entscheidenden Fehler Firouzjas die Führung übernommen. Nakamura äußerte sich im Nachgang zu seiner verbesserten Nervenkontrolle im Vergleich zum Vortag und veröffentlichte später eine klärende Stellungnahme zu seinen Aussagen nach dem Spiel.

Statement by Hikaru Nakamura.
byu/Crafty_Crab6604 inchess

Wie war das Turnier aufgebaut?

Der Esports World Cup in Paris war mit 1,5 Millionen US-Dollar dotiert, hinzu kam ein gemeinsamer Preispool von 30 Millionen US-Dollar für die teilnehmenden Esports-Teams. 16 Spieler qualifizierten sich über die Champions Chess Tour, das DreamHack-Turnier in Atlanta, India Rising oder als Titelverteidiger, fünf weitere über die Last Chance Qualifier vom 4. bis 6. August in Paris. Das Hauptturnier vom 11. bis 15. August umfasste ein Play-In, eine Gruppenphase im Doppel-K.-o.-System sowie ein anschließendes Einzel-K.-o.-Playoff. Gespielt wurde mit einer Bedenkzeit von zehn Minuten ohne Inkrement.

Schach sucht seinen Platz auf der lauten Bühne des E-Sports

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. August 2026, Stefan Löffler, Paris (Abo)

Wie verträgt sich ein 1500 Jahre altes Brettspiel mit der grellen Welt der Videospiele? Beim Esports World Cup in Paris zeigt sich, wie schwer sich Schach auf dieser Bühne behauptet. Das schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Neben Rennspielen wie Rocket League, die minütlich Jubel auslösen, wirkt der brave Applaus nach zwanzigminütigen Schachpartien blass.

Der Wettbewerb, ausgestattet mit 75 Millionen Dollar Preisgeld, wurde vom Kölner Veranstalter ESL ins Leben gerufen, der inzwischen der saudischen Savvy Games Group gehört. Wegen des Kriegs am Persischen Golf wich die Veranstaltung von Riad nach Paris aus – mit Unterstützung von Präsident Emmanuel Macron.

Organisatorische Reibungen

Die Terminwahl kollidierte mit den französischen Meisterschaften in Vichy, wohin die lokale Schachszene abwanderte. Die Kommentierung lief ausschließlich auf Englisch, während andere Disziplinen Französisch sprachen. Der Pariser Streamer Kevin Bordi, der sonst ausverkaufte Schach-Events organisiert, wurde schlicht nicht eingeladen. Fehlende Copyrights führten dazu, dass Chess.com statt eines Videospielverlegers als Partner auftrat.

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Zugpferde und Zahlen

Ralf Reichert, Chef der Esports World Cup Foundation, sieht in Magnus Carlsens Auftritt vor zwei Jahren in Riad den Durchbruch für Schach in seiner Branche. Carlsen wirbt als bezahlter „Botschafter“ neben Cristiano Ronaldo und dem League-of-Legends-Star „Faker“. Mit bis zu 177.000 gleichzeitigen Zuschauern übertraf das Turnier knapp das Kandidatenturnier, blieb aber ein Drittel unter der Reichweite der Riad-Premiere.

Sportliche Überraschungen

Technische Ausfälle prägten das Spiel um Platz drei zwischen Alireza Firouzja und Hikaru Nakamura, der schließlich gewann. Überraschend zog Denis Lazavik, ein im klassischen Schach noch unbekannter 19-Jähriger aus Minsk, ins Finale ein. Dort gewann erneut Carlsen – nach eigenem Eingeständnis auch dank bewusst kalkulierter Endspiel- und Bedenkzeit-Vorteile, weil anders als bei Schnellschach-Weltmeisterschaften keine Zusatzsekunden pro Zug vergeben wurden. Gegner gaben Remisstellungen dadurch oft vorzeitig auf – unspektakulär, aber kaum die Werbung, die Schach auf dieser Bühne bräuchte.