Philidor
François-André Danican Philidor (1726–1795), französischer Komponist und der bedeutendste Schachmeister des 18. Jahrhunderts. Er prägte das Schach weniger durch seine Partien als durch sein Schreiben darüber: Von ihm stammt der Satz, die Bauern seien die Seele des Spiels.
Leben
Philidor wuchs in einer Pariser Musikerfamilie auf und trat mit sechs Jahren als Page in die Hofkapelle von Versailles ein. Dort lernte er von den Musikern das Schachspiel. Im Café de la Régence, dem Treffpunkt der Pariser Schachspieler, schlug er als Jugendlicher alle Rivalen.
Nachdem eine Musiktournee Mitte der 1740er Jahre wirtschaftlich gescheitert war, lebte er vom Schach. In London besiegte er im Slaughter’s Coffee House den Syrer Philipp Stamma, ein Match, das als frühe inoffizielle Weltmeisterschaft gilt. 1749 erschien seine „L’analyse des échecs“.
1750 empfing ihn Friedrich II. auf Schloss Sanssouci und ließ seine Generäle gegen ihn antreten. In Berlin spielte Philidor blind an drei Brettern gleichzeitig; das Blindsimultan soll er erfunden haben.
Zwischen 1759 und 1765 brachte er elf Opern auf die Pariser Bühne, am erfolgreichsten die Opéra-comique „Tom Jones“ (1765). Er starb 1795 in London.
Sein Schach
Philidor beschrieb Schach als Positionsspiel: Bauernketten, Raumgewinn und Durchbrüche, die Figuren stehen hinter den Bauern und stützen sie. Angegriffen wird erst, wenn die Bauern gedeckt sind. Als Erster lehrte er den Wert verbundener Bauern.
Nach ihm benannt sind die Philidor-Stellung, das Remisrezept im Turmendspiel gegen einen Freibauern, und die Philidor-Verteidigung (1.e4 e5 2.Sf3 d6). Dass deren Vorstoß 3…f5 fehlerhaft ist, zeigte erst Louis-Charles Mahé de La Bourdonnais, 38 Jahre nach Philidors Tod.
Nachwirkung
1837 benannten die Briten die erste englische Schachzeitschrift nach ihm: „The Philidorian“. Zum 300. Geburtstag stand das Münchner Schachfestival 2026 in seinem Zeichen, mit Philidor-Arien, Blindsimultanpartien und seiner Biografin Susanna Poldauf als Gast. In „Legenden des Schachs“ von Artur Jussupow und Carsten Hensel (2026) eröffnet er den Reigen der 64 Porträts.
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