Siegbert Tarrasch
Zitat von Conrad Schormann am 25. Februar 2025, 10:16 UhrDr. Siegbert Tarrasch war in den 1920er-Jahren zwar bereits eine Schachlegende, doch die Schachwelt hatte sich von ihm entfernt. Er war ein entschiedener Gegner der aufkommenden hypermodernen Schachtheorie, die von Aron Nimzowitsch geprägt wurde, und hielt deren Ideen für eine Verzerrung des Spiels. Doch die Praxis zeigte, dass er sich irrte – das hypermoderne Schach setzte sich durch.
Tarrasch, der für seine strenge Persönlichkeit bekannt war, wurde 1924 nicht zum Turnier in New York eingeladen, was ihn tief verletzte. Zudem trafen ihn persönliche Schicksalsschläge schwer: In den 1910er-Jahren verlor er drei seiner Söhne, sein medizinischer Beruf geriet in Schwierigkeiten, und seine Ehe zerbrach. Als Jude in Deutschland erlebte er zudem die wachsende antisemitische Bedrohung in den 1920er- und 1930er-Jahren.
https://perlenvombodensee.de/2020/04/15/paul-tarrasch-1892-1912/
Trotz all dieser Rückschläge blieb Tarrasch seinem klassischen Schachstil treu. Während sich die Welt um ihn veränderte, hielt er an Prinzipien wie Raumgewinn, direktem Angriff und präzisem Endspielspiel fest. Sein Stil galt als überholt, brachte aber weiterhin beeindruckende Erfolge und ästhetisch schöne Partien hervor.
Siegbert Tarrasch blieb sich in den 1920er-Jahren treu.
Dr. Siegbert Tarrasch war in den 1920er-Jahren zwar bereits eine Schachlegende, doch die Schachwelt hatte sich von ihm entfernt. Er war ein entschiedener Gegner der aufkommenden hypermodernen Schachtheorie, die von Aron Nimzowitsch geprägt wurde, und hielt deren Ideen für eine Verzerrung des Spiels. Doch die Praxis zeigte, dass er sich irrte – das hypermoderne Schach setzte sich durch.
Tarrasch, der für seine strenge Persönlichkeit bekannt war, wurde 1924 nicht zum Turnier in New York eingeladen, was ihn tief verletzte. Zudem trafen ihn persönliche Schicksalsschläge schwer: In den 1910er-Jahren verlor er drei seiner Söhne, sein medizinischer Beruf geriet in Schwierigkeiten, und seine Ehe zerbrach. Als Jude in Deutschland erlebte er zudem die wachsende antisemitische Bedrohung in den 1920er- und 1930er-Jahren.
Trotz all dieser Rückschläge blieb Tarrasch seinem klassischen Schachstil treu. Während sich die Welt um ihn veränderte, hielt er an Prinzipien wie Raumgewinn, direktem Angriff und präzisem Endspielspiel fest. Sein Stil galt als überholt, brachte aber weiterhin beeindruckende Erfolge und ästhetisch schöne Partien hervor.
Siegbert Tarrasch blieb sich in den 1920er-Jahren treu.
Zitat von Conrad Schormann am 5. März 2025, 8:34 Uhr159 Jahre Siggi Tarrasch:
https://en.chessbase.com/post/tarraschs-159th-birthday
Zusammenfassung:
Siegbert Tarrasch (*5. März 1862 in Breslau, †17. Februar 1934 in München) war einer der besten Schachspieler seiner Zeit. Er entdeckte als Gymnasiast seine Leidenschaft für das Schachspiel und wurde schnell einer der stärksten Spieler Breslaus. Während seines Medizinstudiums in Berlin spielte er regelmäßig mit Berthold und Emanuel Lasker in den Schachcafés der Stadt.
Ab 1881 nahm Tarrasch an Turnieren teil und dominierte in den 1890er Jahren viele Meisterschaften, insbesondere in Deutschland. 1895 erreichte er den vierten Platz beim bedeutenden Turnier in Hastings. Ein WM-Match gegen Wilhelm Steinitz lehnte er 1892 ab, und ein Duell mit Emanuel Lasker kam erst 1908 zustande, als Tarrasch seine beste Zeit bereits hinter sich hatte – er verlor klar.
Neben seiner Schachkarriere arbeitete Tarrasch als Arzt, zunächst in Nürnberg, später in München. Sein Grab in München geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, wurde aber 1995 wiederentdeckt und restauriert.
159 Jahre Siggi Tarrasch:
https://en.chessbase.com/post/tarraschs-159th-birthday
Zusammenfassung:
Siegbert Tarrasch (*5. März 1862 in Breslau, †17. Februar 1934 in München) war einer der besten Schachspieler seiner Zeit. Er entdeckte als Gymnasiast seine Leidenschaft für das Schachspiel und wurde schnell einer der stärksten Spieler Breslaus. Während seines Medizinstudiums in Berlin spielte er regelmäßig mit Berthold und Emanuel Lasker in den Schachcafés der Stadt.
Ab 1881 nahm Tarrasch an Turnieren teil und dominierte in den 1890er Jahren viele Meisterschaften, insbesondere in Deutschland. 1895 erreichte er den vierten Platz beim bedeutenden Turnier in Hastings. Ein WM-Match gegen Wilhelm Steinitz lehnte er 1892 ab, und ein Duell mit Emanuel Lasker kam erst 1908 zustande, als Tarrasch seine beste Zeit bereits hinter sich hatte – er verlor klar.
Neben seiner Schachkarriere arbeitete Tarrasch als Arzt, zunächst in Nürnberg, später in München. Sein Grab in München geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, wurde aber 1995 wiederentdeckt und restauriert.
Zitat von Conrad Schormann am 5. März 2025, 8:46 UhrDer antiromantische Romantiker:
https://www.ajedrezdeataque.com/04%20Articulos/00%20Otros%20articulos/Siegbert/Tarrasch.htm
WerbungZusammenfassung:
Siegbert Tarrasch, geboren am 5. März 1862 in Breslau, war ein Mann voller Gegensätze: Ein brillanter Taktiker, der sich zum dogmatischen Verfechter des Positionsspiels erklärte, ein charismatischer Lehrer mit unerschütterlichem Selbstvertrauen – und ein streitbarer Charakter, der seine Rivalen oft mit spitzer Zunge angriff. Sein Leben war eine ständige Gratwanderung zwischen Medizin und Schach, zwischen wissenschaftlicher Präzision und leidenschaftlichem Wettstreit.
Ein Wunderkind mit klaren Prinzipien
Schon als Kind fiel Tarrasch durch seine außergewöhnliche Intelligenz auf. Er behauptete, bereits mit vier Jahren lesen und schreiben gekonnt zu haben, und verschlang mit sechs sämtliche Bücher, die er in die Finger bekam. Ob dies in allen Details stimmt, sei dahingestellt – dass er ein außergewöhnliches Talent hatte, steht jedoch außer Frage.
Seine Schachkarriere begann in Breslau, der Heimat des legendären Adolf Anderssen, wo er seine ersten ernsthaften Partien spielte. Mit 18 Jahren erkannte er sein Talent und wollte sich ganz dem Schach widmen – bis eine Vorlesung des Mediziners Dubois Reynolds seine Begeisterung für die Heilkunst entfachte. Von da an versuchte Tarrasch, seine zwei Leidenschaften zu verbinden, doch das erwies sich als schwieriges Unterfangen.
Der dogmatische Schachdenker
Als Spieler war Tarrasch ein kompromissloser Vertreter der klassischen Schachschule, ein glühender Anhänger von Wilhelm Steinitz’ Theorien. Für ihn gab es keinen Zweifel daran, dass „gutes Schach“ aus einer soliden, logischen Strategie bestand. Sein berühmtes Diktum lautete:
„Das Schach ist eine exakte Wissenschaft.“
Doch so rational seine Überzeugungen waren, so leidenschaftlich verteidigte er sie. Tarrasch neigte zur Überheblichkeit, ja fast zur Arroganz. Widerspruch duldete er nicht – insbesondere nicht von jenen, die seine dogmatischen Prinzipien infrage stellten. Seine Konfrontationen mit dem späteren Weltmeister Emanuel Lasker und dem Hypermodernisten Aron Nimzowitsch wurden legendär.
Rivalität mit Lasker – „Schachmatt!“
Emanuel Lasker, der spätere Weltmeister, war Tarrasch’ Erzfeind. Die beiden mochten sich nicht – und das war noch milde ausgedrückt. Als sie sich 1908 endlich im Weltmeisterschaftskampf gegenüberstanden, versuchte der Organisator, sie vor dem Match miteinander zu versöhnen. Lasker wartete, als Tarrasch den Raum betrat, sich tief verbeugte und mit fester Stimme erklärte:
„Für Sie, Herr Lasker, habe ich nur zwei Worte: Schachmatt!“
Dann verbeugte er sich erneut und verließ den Raum – Lasker und der Organisator blieben sprachlos zurück. Doch so groß sein Kampfgeist war, so chancenlos war er in diesem Duell. Lasker dominierte von Anfang an und siegte klar mit 10,5:5,5. Tarraschs Stolz war schwer getroffen – und er suchte sogleich eine Erklärung für seine Niederlage:
„Das Seeklima in Düsseldorf hat mir nicht gutgetan.“
Eine seltsame Begründung – vor allem, da Düsseldorf etwa 200 Kilometer von der Küste entfernt liegt.
Der Meister der Turniere – aber kein Weltmeister
Tarrasch galt lange als der stärkste Turnierspieler seiner Zeit. In den 1890er-Jahren gewann er zahlreiche große Wettbewerbe, darunter die DSB-Kongresse 1889, 1892 und 1894. Doch die ganz großen Matches mied er oft – aus beruflichen oder familiären Gründen.
So lehnte er 1892 eine Einladung von Wilhelm Steinitz zum Weltmeisterschaftskampf ab. Auch später musste er aus Zeitmangel viele Turniere auslassen. Das brachte ihm den Beinamen „Turnierweltmeister“ ein – eine zweifelhafte Ehrenbezeichnung, die suggerierte, dass er zwar viele Turniere gewann, aber nie um den höchsten Titel kämpfte, solange er auf seinem Zenit war.
Seine einzige WM-Chance kam 1908 gegen Lasker – zu spät.
Kampf der Ideen: Tarrasch gegen Nimzowitsch
Tarrasch war nicht nur als Spieler, sondern auch als Theoretiker bedeutend. Seine Prinzipien bestimmten die Schachlehre für Jahrzehnte:
- Zentrumsbeherrschung mit Bauern
- Entwicklung der Figuren mit Tempo
- Raumkontrolle als Schlüssel zum Erfolg
Doch in den 1920er-Jahren begann die Revolution der Hypermodernen. Aron Nimzowitsch, einer ihrer führenden Vertreter, widersprach Tarrasch entschieden. Während Tarrasch lehrte, das Zentrum müsse mit Bauern kontrolliert werden, argumentierte Nimzowitsch, dass auch Figuren wie Springer und Läufer die Kontrolle übernehmen könnten.
Die beiden lieferten sich erbitterte Wortgefechte. Tarrasch hielt Nimzowitschs Ideen für absurd und zeigte sich bis zuletzt unfähig, neue Konzepte zu akzeptieren.
„Noch nie wurde ein Spiel als so richtig angesehen wie meines.“
Diese Selbstgewissheit mag bewundernswert sein – doch sie verhinderte, dass er sich weiterentwickelte.
Lehrer und Vermächtnis
In seinen späteren Jahren zog sich Tarrasch mehr und mehr vom Turnierschach zurück und widmete sich der Lehre. Seine Schachbücher, allen voran Das Schachspiel (1931), prägten Generationen von Spielern und sind bis heute lesenswert.
Sein Einfluss war immens: Er war einer der ersten, der das Schach in systematische Prinzipien fasste und es so für eine breite Leserschaft verständlich machte. Viele seiner Endspiel-Studien sind bis heute relevant, und selbst wenn seine dogmatischen Ansichten überholt sind, bleibt sein Werk ein Meilenstein der Schachgeschichte.
Ein widersprüchlicher Charakter
Siegbert Tarrasch war ein Mann voller Widersprüche:
- Ein brillanter Taktiker, der sich zum Positionsspieler erklärte.
- Ein strenger Lehrer, der selbst keine neuen Ideen annahm.
- Ein überragender Spieler, der sein größtes Ziel, Weltmeister zu werden, nie erreichte.
Sein Stolz, seine Sturheit und seine Unfähigkeit, Niederlagen einzugestehen, machten ihn zu einer faszinierenden Figur. Seine Verdienste um das Schach sind unbestritten – doch sein Charakter machte es ihm schwer, sich weiterzuentwickeln.
Er starb am 17. Februar 1934 in Nürnberg. Sein Grab geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, bis es 1995 wiederentdeckt und restauriert wurde.
Sein Vermächtnis bleibt: ein brillanter, aber sturer Denker, der das Schach tief geprägt hat – und der mit seinem trockenen Humor, seiner Schärfe und seinem Stolz bis heute eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Schachgeschichte ist.
Die Bezeichnung „antiromantischer Romantiker“ für Siegbert Tarrasch mag zunächst widersprüchlich erscheinen. Schließlich war er der dogmatische Verteidiger des Positionsspiels, der unerschütterliche Rationalist, der Schach als exakte Wissenschaft verstand. Doch in mehreren Aspekten seiner Persönlichkeit und seines Schaffens zeigt sich, dass er durchaus romantische Züge hatte – wenn auch in einer untypischen Weise.
1. Sein leidenschaftlicher Glaube an Schachprinzipien
Tarrasch war von seinen Ideen derart überzeugt, dass er sie mit beinahe missionarischem Eifer verbreitete. Er wollte nicht nur selbst erfolgreich sein, sondern das Schachspiel als Ganzes auf eine höhere Stufe heben. Sein berühmter Satz:
„Schach, wie die Liebe, wie die Musik, hat die Fähigkeit, den Menschen glücklich zu machen.“
zeigt, dass er das Schach nicht nur als Wissenschaft, sondern als Lebenskunst betrachtete. Er sah es als etwas Schönes, Erhabenes, das Menschen formen und inspirieren konnte – eine zutiefst romantische Vorstellung.
2. Die Unnachgiebigkeit eines Helden
Romantische Helden sind oft stur, leidenschaftlich und voller Überzeugung. Tarrasch verkörperte genau diese Eigenschaften. Er war überzeugt, dass sein Weg der einzig richtige war, und er verteidigte seine Prinzipien mit der Unnachgiebigkeit eines idealistischen Kriegers.
Seine Rivalitäten mit Lasker und Nimzowitsch zeigten, dass er nicht nur ums Gewinnen kämpfte, sondern um das Schach als geistige Disziplin. Sein Stolz, seine Verachtung für unorthodoxe Ideen – all das passt mehr zu einem tragischen Romantiker als zu einem kühlen Pragmatiker.
3. Die Ironie seiner Spielweise
Obwohl er als Verfechter der positionellen Strategie galt, zeigen viele seiner Partien eine enorme taktische Brillanz. Er hatte ein natürliches Gespür für Kombinationen, lehnte es aber ab, dieses Talent im Sinne der alten Romantiker auszuleben. Er war in gewisser Weise ein Romantiker wider Willen – er konnte das Spektakuläre, das Schöne, nicht verleugnen, selbst wenn er es nicht explizit anstrebte.
4. Seine Theatralik und sein Stolz
Der berühmte „Schachmatt!“-Ausruf gegenüber Lasker oder die absurde Begründung seiner WM-Niederlage (Düsseldorfs „Seeklima“) zeigen eine dramatische, fast theatralische Persönlichkeit. Er inszenierte sich selbst als unbezwingbaren Denker und reagierte auf Niederlagen mit fast literarischem Pathos. Solche Gesten erinnern mehr an einen romantischen Dichter oder einen tragischen Helden als an einen nüchternen Wissenschaftler.
Der romantische Geist im Antiromantiker
Tarrasch bekämpfte den romantischen Schachstil – doch er selbst war in vielerlei Hinsicht ein Romantiker. Sein Glaube an Schach als höhere Kunst, seine Prinzipientreue bis zur Sturheit, seine dramatischen Gesten und seine natürliche taktische Brillanz zeigen, dass er weit mehr war als nur ein trockener Theoretiker. Vielleicht ist er gerade deshalb so faszinierend: ein Antiromantiker, der nicht verhindern konnte, dass das Romantische in ihm immer wieder durchschien.
Der antiromantische Romantiker:
https://www.ajedrezdeataque.com/04%20Articulos/00%20Otros%20articulos/Siegbert/Tarrasch.htm
Zusammenfassung:
Siegbert Tarrasch, geboren am 5. März 1862 in Breslau, war ein Mann voller Gegensätze: Ein brillanter Taktiker, der sich zum dogmatischen Verfechter des Positionsspiels erklärte, ein charismatischer Lehrer mit unerschütterlichem Selbstvertrauen – und ein streitbarer Charakter, der seine Rivalen oft mit spitzer Zunge angriff. Sein Leben war eine ständige Gratwanderung zwischen Medizin und Schach, zwischen wissenschaftlicher Präzision und leidenschaftlichem Wettstreit.
Ein Wunderkind mit klaren Prinzipien
Schon als Kind fiel Tarrasch durch seine außergewöhnliche Intelligenz auf. Er behauptete, bereits mit vier Jahren lesen und schreiben gekonnt zu haben, und verschlang mit sechs sämtliche Bücher, die er in die Finger bekam. Ob dies in allen Details stimmt, sei dahingestellt – dass er ein außergewöhnliches Talent hatte, steht jedoch außer Frage.
Seine Schachkarriere begann in Breslau, der Heimat des legendären Adolf Anderssen, wo er seine ersten ernsthaften Partien spielte. Mit 18 Jahren erkannte er sein Talent und wollte sich ganz dem Schach widmen – bis eine Vorlesung des Mediziners Dubois Reynolds seine Begeisterung für die Heilkunst entfachte. Von da an versuchte Tarrasch, seine zwei Leidenschaften zu verbinden, doch das erwies sich als schwieriges Unterfangen.
Der dogmatische Schachdenker
Als Spieler war Tarrasch ein kompromissloser Vertreter der klassischen Schachschule, ein glühender Anhänger von Wilhelm Steinitz’ Theorien. Für ihn gab es keinen Zweifel daran, dass „gutes Schach“ aus einer soliden, logischen Strategie bestand. Sein berühmtes Diktum lautete:
„Das Schach ist eine exakte Wissenschaft.“
Doch so rational seine Überzeugungen waren, so leidenschaftlich verteidigte er sie. Tarrasch neigte zur Überheblichkeit, ja fast zur Arroganz. Widerspruch duldete er nicht – insbesondere nicht von jenen, die seine dogmatischen Prinzipien infrage stellten. Seine Konfrontationen mit dem späteren Weltmeister Emanuel Lasker und dem Hypermodernisten Aron Nimzowitsch wurden legendär.
Rivalität mit Lasker – „Schachmatt!“
Emanuel Lasker, der spätere Weltmeister, war Tarrasch’ Erzfeind. Die beiden mochten sich nicht – und das war noch milde ausgedrückt. Als sie sich 1908 endlich im Weltmeisterschaftskampf gegenüberstanden, versuchte der Organisator, sie vor dem Match miteinander zu versöhnen. Lasker wartete, als Tarrasch den Raum betrat, sich tief verbeugte und mit fester Stimme erklärte:
„Für Sie, Herr Lasker, habe ich nur zwei Worte: Schachmatt!“
Dann verbeugte er sich erneut und verließ den Raum – Lasker und der Organisator blieben sprachlos zurück. Doch so groß sein Kampfgeist war, so chancenlos war er in diesem Duell. Lasker dominierte von Anfang an und siegte klar mit 10,5:5,5. Tarraschs Stolz war schwer getroffen – und er suchte sogleich eine Erklärung für seine Niederlage:
„Das Seeklima in Düsseldorf hat mir nicht gutgetan.“
Eine seltsame Begründung – vor allem, da Düsseldorf etwa 200 Kilometer von der Küste entfernt liegt.
Der Meister der Turniere – aber kein Weltmeister
Tarrasch galt lange als der stärkste Turnierspieler seiner Zeit. In den 1890er-Jahren gewann er zahlreiche große Wettbewerbe, darunter die DSB-Kongresse 1889, 1892 und 1894. Doch die ganz großen Matches mied er oft – aus beruflichen oder familiären Gründen.
So lehnte er 1892 eine Einladung von Wilhelm Steinitz zum Weltmeisterschaftskampf ab. Auch später musste er aus Zeitmangel viele Turniere auslassen. Das brachte ihm den Beinamen „Turnierweltmeister“ ein – eine zweifelhafte Ehrenbezeichnung, die suggerierte, dass er zwar viele Turniere gewann, aber nie um den höchsten Titel kämpfte, solange er auf seinem Zenit war.
Seine einzige WM-Chance kam 1908 gegen Lasker – zu spät.
Kampf der Ideen: Tarrasch gegen Nimzowitsch
Tarrasch war nicht nur als Spieler, sondern auch als Theoretiker bedeutend. Seine Prinzipien bestimmten die Schachlehre für Jahrzehnte:
- Zentrumsbeherrschung mit Bauern
- Entwicklung der Figuren mit Tempo
- Raumkontrolle als Schlüssel zum Erfolg
Doch in den 1920er-Jahren begann die Revolution der Hypermodernen. Aron Nimzowitsch, einer ihrer führenden Vertreter, widersprach Tarrasch entschieden. Während Tarrasch lehrte, das Zentrum müsse mit Bauern kontrolliert werden, argumentierte Nimzowitsch, dass auch Figuren wie Springer und Läufer die Kontrolle übernehmen könnten.
Die beiden lieferten sich erbitterte Wortgefechte. Tarrasch hielt Nimzowitschs Ideen für absurd und zeigte sich bis zuletzt unfähig, neue Konzepte zu akzeptieren.
„Noch nie wurde ein Spiel als so richtig angesehen wie meines.“
Diese Selbstgewissheit mag bewundernswert sein – doch sie verhinderte, dass er sich weiterentwickelte.
Lehrer und Vermächtnis
In seinen späteren Jahren zog sich Tarrasch mehr und mehr vom Turnierschach zurück und widmete sich der Lehre. Seine Schachbücher, allen voran Das Schachspiel (1931), prägten Generationen von Spielern und sind bis heute lesenswert.
Sein Einfluss war immens: Er war einer der ersten, der das Schach in systematische Prinzipien fasste und es so für eine breite Leserschaft verständlich machte. Viele seiner Endspiel-Studien sind bis heute relevant, und selbst wenn seine dogmatischen Ansichten überholt sind, bleibt sein Werk ein Meilenstein der Schachgeschichte.
Ein widersprüchlicher Charakter
Siegbert Tarrasch war ein Mann voller Widersprüche:
- Ein brillanter Taktiker, der sich zum Positionsspieler erklärte.
- Ein strenger Lehrer, der selbst keine neuen Ideen annahm.
- Ein überragender Spieler, der sein größtes Ziel, Weltmeister zu werden, nie erreichte.
Sein Stolz, seine Sturheit und seine Unfähigkeit, Niederlagen einzugestehen, machten ihn zu einer faszinierenden Figur. Seine Verdienste um das Schach sind unbestritten – doch sein Charakter machte es ihm schwer, sich weiterzuentwickeln.
Er starb am 17. Februar 1934 in Nürnberg. Sein Grab geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, bis es 1995 wiederentdeckt und restauriert wurde.
Sein Vermächtnis bleibt: ein brillanter, aber sturer Denker, der das Schach tief geprägt hat – und der mit seinem trockenen Humor, seiner Schärfe und seinem Stolz bis heute eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Schachgeschichte ist.
Die Bezeichnung „antiromantischer Romantiker“ für Siegbert Tarrasch mag zunächst widersprüchlich erscheinen. Schließlich war er der dogmatische Verteidiger des Positionsspiels, der unerschütterliche Rationalist, der Schach als exakte Wissenschaft verstand. Doch in mehreren Aspekten seiner Persönlichkeit und seines Schaffens zeigt sich, dass er durchaus romantische Züge hatte – wenn auch in einer untypischen Weise.
1. Sein leidenschaftlicher Glaube an Schachprinzipien
Tarrasch war von seinen Ideen derart überzeugt, dass er sie mit beinahe missionarischem Eifer verbreitete. Er wollte nicht nur selbst erfolgreich sein, sondern das Schachspiel als Ganzes auf eine höhere Stufe heben. Sein berühmter Satz:
„Schach, wie die Liebe, wie die Musik, hat die Fähigkeit, den Menschen glücklich zu machen.“
zeigt, dass er das Schach nicht nur als Wissenschaft, sondern als Lebenskunst betrachtete. Er sah es als etwas Schönes, Erhabenes, das Menschen formen und inspirieren konnte – eine zutiefst romantische Vorstellung.
2. Die Unnachgiebigkeit eines Helden
Romantische Helden sind oft stur, leidenschaftlich und voller Überzeugung. Tarrasch verkörperte genau diese Eigenschaften. Er war überzeugt, dass sein Weg der einzig richtige war, und er verteidigte seine Prinzipien mit der Unnachgiebigkeit eines idealistischen Kriegers.
Seine Rivalitäten mit Lasker und Nimzowitsch zeigten, dass er nicht nur ums Gewinnen kämpfte, sondern um das Schach als geistige Disziplin. Sein Stolz, seine Verachtung für unorthodoxe Ideen – all das passt mehr zu einem tragischen Romantiker als zu einem kühlen Pragmatiker.
3. Die Ironie seiner Spielweise
Obwohl er als Verfechter der positionellen Strategie galt, zeigen viele seiner Partien eine enorme taktische Brillanz. Er hatte ein natürliches Gespür für Kombinationen, lehnte es aber ab, dieses Talent im Sinne der alten Romantiker auszuleben. Er war in gewisser Weise ein Romantiker wider Willen – er konnte das Spektakuläre, das Schöne, nicht verleugnen, selbst wenn er es nicht explizit anstrebte.
4. Seine Theatralik und sein Stolz
Der berühmte „Schachmatt!“-Ausruf gegenüber Lasker oder die absurde Begründung seiner WM-Niederlage (Düsseldorfs „Seeklima“) zeigen eine dramatische, fast theatralische Persönlichkeit. Er inszenierte sich selbst als unbezwingbaren Denker und reagierte auf Niederlagen mit fast literarischem Pathos. Solche Gesten erinnern mehr an einen romantischen Dichter oder einen tragischen Helden als an einen nüchternen Wissenschaftler.
Der romantische Geist im Antiromantiker
Tarrasch bekämpfte den romantischen Schachstil – doch er selbst war in vielerlei Hinsicht ein Romantiker. Sein Glaube an Schach als höhere Kunst, seine Prinzipientreue bis zur Sturheit, seine dramatischen Gesten und seine natürliche taktische Brillanz zeigen, dass er weit mehr war als nur ein trockener Theoretiker. Vielleicht ist er gerade deshalb so faszinierend: ein Antiromantiker, der nicht verhindern konnte, dass das Romantische in ihm immer wieder durchschien.
Zitat von Conrad Schormann am 16. März 2025, 12:47 UhrTarrasch vs. Nimzowitsch:
https://perlenvombodensee.de/2025/03/14/der-philosoph-und-die-hausfrau/
Tarrasch vs. Nimzowitsch:
Zitat von Conrad Schormann am 13. April 2026, 11:27 UhrOrdnung, Witz und das Wesen des Schachs: Siegbert Tarrasch
Chess.com, 11. April 2026, KevinChessSmith
Siegbert Tarrasch lehrte das Schach, ohne es zu dogmatisieren – auch wenn seine Kritiker ihn genau dafür angriffen. Das schreibt Chess.com.
Geboren am 5. März 1862 in Deutschland, war Tarrasch von Beruf Arzt und von Berufung Schachtheoretiker. In Deutschland nannten ihn seine Zeitgenossen Praeceptor Germaniae – der Lehrer Deutschlands. Sein Ziel war es, die Prinzipien des Schachs so zu formulieren, dass sie für jeden zugänglich wurden. ChessMetrics schätzt seine Spitzenrating auf 2824 im Juni 1895; zwischen Oktober 1890 und November 1906 führte er die Weltrangliste 111 Monate lang als Zweiter an.
Theoretiker mit Widersprüchen
Tarrasch baute auf den Erkenntnissen Wilhelm Steinitz' auf, betonte aber dynamisches Spiel und Figurenmobilität stärker als sein Vorgänger. Er formalisierte Prinzipien wie die Kontrolle des Zentrums, den Wert des Läuferpaars und – als sogenannte Tarrasch-Regel – die Aufstellung von Türmen hinter Freibauern. Mehrere Eröffnungen tragen seinen Namen, darunter die Tarrasch-Verteidigung und Varianten im Französisch und im Spanischen.
Seine schärfsten Kritiker kamen aus dem Lager der Hypermodernisten. Aaron Nimzowitsch spottete über Tarrasch als Dogmatiker, ohne sich dabei – nach eigener Einschätzung zumindest – wirklich mit dessen tatsächlicher Spielweise auseinanderzusetzen. Garri Kasparow urteilte später, Tarrasch habe keine ewigen Wahrheiten verkündet, sondern notwendiges Lehrmaterial in zugänglicher und geistreicher Form präsentiert.
https://youtu.be/BGiUfxxX0xo
Gegen Lasker chancenlos
Auf dem Brett blieb Tarrasch hinter seinem größten Rivalen zurück. Gegen Emanuel Lasker verlor er den WM-Kampf 1908 mit 3:8 bei fünf Remis; ein weiteres Duell 1916 endete noch deutlicher. Lasker selbst bemerkte über Tarrasch, dieser bestehe stets darauf, in fremden Partien Fehler oder Verbesserungen aufzuzeigen, und lasse dabei seine eigene Persönlichkeit stets in den Vordergrund treten – was sein kritisches Urteil zuweilen trübe.
José Raúl Capablanca beschrieb Tarrasch am Brett als lebende Statue: starr, aufrecht, das Gesicht von fast schmerzhafter Ernsthaftigkeit, den Blick so fest auf das Brett geheftet, dass man meinen könnte, er wolle den Tisch durchbohren. Taktisch hielt Capablanca Tarrasch allerdings für schwach – er werde in unerwarteten Situationen leicht aus der Fassung gebracht.
Zitate, die blieben
Tarrasch war ein Aphoristiker, dessen Sätze das Schach überdauerten. Tempo sei die Seele des Schachs, schrieb er 1933. Wer nicht wisse, was er tun solle, solle warten, bis dem Gegner eine Idee komme – die sei sicher falsch. Und: Man müsse nicht gut spielen, es genüge, besser zu spielen als der Gegner.
Seine bekanntesten Bücher sind Dreihundert Schachpartien und Das Schachspiel. Letzteres erschien 1931 und enthält im Vorwort einen Satz, der Tarrasch in seiner Haltung vielleicht am deutlichsten zeigt: Er empfinde stets ein leises Mitleid mit dem Menschen, der das Schach nicht kenne.
Ordnung, Witz und das Wesen des Schachs: Siegbert Tarrasch
Chess.com, 11. April 2026, KevinChessSmith
Siegbert Tarrasch lehrte das Schach, ohne es zu dogmatisieren – auch wenn seine Kritiker ihn genau dafür angriffen. Das schreibt Chess.com.
Geboren am 5. März 1862 in Deutschland, war Tarrasch von Beruf Arzt und von Berufung Schachtheoretiker. In Deutschland nannten ihn seine Zeitgenossen Praeceptor Germaniae – der Lehrer Deutschlands. Sein Ziel war es, die Prinzipien des Schachs so zu formulieren, dass sie für jeden zugänglich wurden. ChessMetrics schätzt seine Spitzenrating auf 2824 im Juni 1895; zwischen Oktober 1890 und November 1906 führte er die Weltrangliste 111 Monate lang als Zweiter an.
Theoretiker mit Widersprüchen
Tarrasch baute auf den Erkenntnissen Wilhelm Steinitz' auf, betonte aber dynamisches Spiel und Figurenmobilität stärker als sein Vorgänger. Er formalisierte Prinzipien wie die Kontrolle des Zentrums, den Wert des Läuferpaars und – als sogenannte Tarrasch-Regel – die Aufstellung von Türmen hinter Freibauern. Mehrere Eröffnungen tragen seinen Namen, darunter die Tarrasch-Verteidigung und Varianten im Französisch und im Spanischen.
Seine schärfsten Kritiker kamen aus dem Lager der Hypermodernisten. Aaron Nimzowitsch spottete über Tarrasch als Dogmatiker, ohne sich dabei – nach eigener Einschätzung zumindest – wirklich mit dessen tatsächlicher Spielweise auseinanderzusetzen. Garri Kasparow urteilte später, Tarrasch habe keine ewigen Wahrheiten verkündet, sondern notwendiges Lehrmaterial in zugänglicher und geistreicher Form präsentiert.
Gegen Lasker chancenlos
Auf dem Brett blieb Tarrasch hinter seinem größten Rivalen zurück. Gegen Emanuel Lasker verlor er den WM-Kampf 1908 mit 3:8 bei fünf Remis; ein weiteres Duell 1916 endete noch deutlicher. Lasker selbst bemerkte über Tarrasch, dieser bestehe stets darauf, in fremden Partien Fehler oder Verbesserungen aufzuzeigen, und lasse dabei seine eigene Persönlichkeit stets in den Vordergrund treten – was sein kritisches Urteil zuweilen trübe.
José Raúl Capablanca beschrieb Tarrasch am Brett als lebende Statue: starr, aufrecht, das Gesicht von fast schmerzhafter Ernsthaftigkeit, den Blick so fest auf das Brett geheftet, dass man meinen könnte, er wolle den Tisch durchbohren. Taktisch hielt Capablanca Tarrasch allerdings für schwach – er werde in unerwarteten Situationen leicht aus der Fassung gebracht.
Zitate, die blieben
Tarrasch war ein Aphoristiker, dessen Sätze das Schach überdauerten. Tempo sei die Seele des Schachs, schrieb er 1933. Wer nicht wisse, was er tun solle, solle warten, bis dem Gegner eine Idee komme – die sei sicher falsch. Und: Man müsse nicht gut spielen, es genüge, besser zu spielen als der Gegner.
Seine bekanntesten Bücher sind Dreihundert Schachpartien und Das Schachspiel. Letzteres erschien 1931 und enthält im Vorwort einen Satz, der Tarrasch in seiner Haltung vielleicht am deutlichsten zeigt: Er empfinde stets ein leises Mitleid mit dem Menschen, der das Schach nicht kenne.


