Aaron Nimzowitsch

Lettisch-dänischer Schachtheoretiker und -meister, geboren am 7. November 1886 in Riga, gestorben am 16. März 1935 in Kopenhagen im Alter von 48 Jahren an einer Lungenentzündung. Einer der einflussreichsten Vordenker der hypermodernen Schachschule; sein Hauptwerk „Mein System“ popularisierte Konzepte wie Prophylaxe, Blockade und flexibles Zentrum. Galt zugleich als exzentrisch und laut dem Schachhistoriker Willy Hendriks als „vielleicht selbstverherrlichendster Schachspieler jemals“.
Werdegang
Zog 1903 gegen den Willen seines Vaters nach Berlin, um sich ganz dem Schach zu widmen, und verkehrte im Café Kaiserhof mit Größen wie Emanuel Lasker und Siegbert Tarrasch. Gewann seine besten Turniere 1926 in Dresden vor Aljechin und 1929 in Karlsbad vor Capablanca, Rubinstein und Bogoljubow.
Fehde mit Tarrasch
Attackierte 1913 in der Wiener Schachzeitung Tarraschs neues Buch als „nichts weiter als der Rat einer erfahrenen Hausfrau“ – Auftakt einer bis zu Tarraschs Tod andauernden Fehde. Während Tarrasch Schach als System fester, universeller Prinzipien lehrte – Zentrum mit Bauern besetzen, schnell entwickeln -, vertrat Nimzowitsch flexiblere, indirekte Konzepte, sichtbar etwa in der nach ihm benannten Nimzo-Indischen Verteidigung.
Mein System
Veröffentlichte sein Hauptwerk ab 1925. Willy Hendriks zufolge bot es kaum historische Einordnung und erweckte den Eindruck, alle Ideen seien allein von Nimzowitsch entwickelt worden – tatsächlich war vieles davon älter. Nimzowitsch selbst begründete das schlicht mit „Warum nicht?!“
Exzentrik
Hielt Kniebeugen im Turniersaal ab, um seinen „Geist am Laufen“ zu halten, und soll nach einer Niederlage auf einen Stuhl gesprungen sein mit dem Ausruf „Warum muss ich gegen diesen Idioten verlieren?!“ – überliefert von Hans Kmoch, der die Geschichte von eben jenem „Idioten“ gehört hatte, Friedrich Sämisch.


