Schach, Afghanistan und die Taliban
Zitat von Conrad Schormann am 18. Juni 2025, 9:30 Uhrhttps://perlenvombodensee.de/2025/05/14/gluecksspiel-die-taliban-verbieten-schach/
https://perlenvombodensee.de/2025/06/16/afghanistan-darf-nicht-von-der-schach-landkarte-verschwinden/
„Afghanistan darf nicht von der Schach-Landkarte verschwinden“
Zitat von Conrad Schormann am 18. Juni 2025, 9:33 UhrZwischen religiösem Dogma und politischer Kontrolle
Die Taliban haben in Afghanistan das öffentliche Schachspiel verboten. Offiziell begründen die Behörden das mit der Sorge, Schach könne als Form des Glücksspiels gelten, was gegen die religiösen Moralvorgaben des Regimes verstoße. Das Verbot wurde zwar erst im Mai 2025 öffentlich gemacht, es zeichnete sich aber bereits zuvor ab – etwa als Schachbücher und Spielmaterialien an der Grenze beschlagnahmt wurden.
Besonders betroffen sind Freizeitspieler und frühere Trainer wie Ahmad Sami Hassanzadeh, der in Herat beim Spielen im Park von der sogenannten Sittenpolizei angegriffen wurde. Seine Schachsets wurden beschlagnahmt, zwei seiner Freunde wurden geschlagen. Eine Frau, die anonym bleiben wollte, berichtete, dass sie und andere Frauen schon seit der Machtübernahme 2021 vom öffentlichen Schachspiel ausgeschlossen seien. Vorher habe sie regelmäßig Unterricht für Mädchen gegeben – mit Zustimmung von Eltern, Schulen und der Gemeinde.
Laut dem ehemaligen Präsidenten des aufgelösten afghanischen Schachverbands, Ghulam Ali Malikzad, ist das Verbot de facto dauerhaft. Der Internationale Schachverband (FIDE) versucht laut Nigel Short, dem Direktor für Schachentwicklung, vorsichtig, eine Aufhebung zu erreichen – auch mit Verweis auf die Dutzenden islamisch geprägten Länder, in denen Schach erlaubt ist.
Islamwissenschaftler John Butt verweist auf religiöse Debatten seit den Anfängen des Islams: Während frühe Stimmen Schach als Sünde betrachteten, setzte sich später die Ansicht durch, das Spiel diene der militärischen Schulung – unter der Bedingung, dass es nicht vom Gebet ablenke oder mit Wetten verbunden sei. Schach sei insbesondere im islamischen Goldenen Zeitalter hoch angesehen gewesen.
Zum Abschluss äußerte sich auch die in die USA geflüchtete iranische Spielerin Dorsa Derakhshani: Für sie sei das Schachverbot ein typischer Akt autoritärer Systeme. Schach lehre kritisches Denken – etwas, das Diktaturen grundsätzlich unterdrücken wollten.
Quelle: National Public Radio (NPR), Beitrag vom 17. Juni 2025: “The Taliban has banned a lot of things ... but chess?” von Diaa Hadid und Fariba Akbari
Zwischen religiösem Dogma und politischer Kontrolle
Die Taliban haben in Afghanistan das öffentliche Schachspiel verboten. Offiziell begründen die Behörden das mit der Sorge, Schach könne als Form des Glücksspiels gelten, was gegen die religiösen Moralvorgaben des Regimes verstoße. Das Verbot wurde zwar erst im Mai 2025 öffentlich gemacht, es zeichnete sich aber bereits zuvor ab – etwa als Schachbücher und Spielmaterialien an der Grenze beschlagnahmt wurden.
Besonders betroffen sind Freizeitspieler und frühere Trainer wie Ahmad Sami Hassanzadeh, der in Herat beim Spielen im Park von der sogenannten Sittenpolizei angegriffen wurde. Seine Schachsets wurden beschlagnahmt, zwei seiner Freunde wurden geschlagen. Eine Frau, die anonym bleiben wollte, berichtete, dass sie und andere Frauen schon seit der Machtübernahme 2021 vom öffentlichen Schachspiel ausgeschlossen seien. Vorher habe sie regelmäßig Unterricht für Mädchen gegeben – mit Zustimmung von Eltern, Schulen und der Gemeinde.
Laut dem ehemaligen Präsidenten des aufgelösten afghanischen Schachverbands, Ghulam Ali Malikzad, ist das Verbot de facto dauerhaft. Der Internationale Schachverband (FIDE) versucht laut Nigel Short, dem Direktor für Schachentwicklung, vorsichtig, eine Aufhebung zu erreichen – auch mit Verweis auf die Dutzenden islamisch geprägten Länder, in denen Schach erlaubt ist.
Islamwissenschaftler John Butt verweist auf religiöse Debatten seit den Anfängen des Islams: Während frühe Stimmen Schach als Sünde betrachteten, setzte sich später die Ansicht durch, das Spiel diene der militärischen Schulung – unter der Bedingung, dass es nicht vom Gebet ablenke oder mit Wetten verbunden sei. Schach sei insbesondere im islamischen Goldenen Zeitalter hoch angesehen gewesen.
Zum Abschluss äußerte sich auch die in die USA geflüchtete iranische Spielerin Dorsa Derakhshani: Für sie sei das Schachverbot ein typischer Akt autoritärer Systeme. Schach lehre kritisches Denken – etwas, das Diktaturen grundsätzlich unterdrücken wollten.
Quelle: National Public Radio (NPR), Beitrag vom 17. Juni 2025: “The Taliban has banned a lot of things ... but chess?” von Diaa Hadid und Fariba Akbari



