Mark Taimanov (1926–2016)
Zitat von Conrad Schormann am 17. September 2025, 18:03 UhrMark Taimanov – Großmeister zwischen Schach und Klavier
Nach einem Nachruf von Leonard Barden im Guardian
Mark Taimanov (1926–2016) führte ein außergewöhnliches Doppelleben: Er war international gefeierter Konzertpianist im Duo mit seiner ersten Frau Lyubov Bruk und zugleich einer der führenden sowjetischen Schachgroßmeister. 1955 gewann er die UdSSR-Meisterschaft, spielte mehrfach in Kandidatenturnieren und gehörte über Jahrzehnte zur goldenen Generation des sowjetischen Schachs.
https://twitter.com/dgriffinchess/status/1929189456675782983
Berühmt – und berüchtigt – wurde Taimanov durch seine 0:6-Niederlage gegen Bobby Fischer im Kandidatenviertelfinale 1971 in Vancouver. Die klare Schlappe löste in der Sowjetunion einen politischen Skandal aus: Funktionäre vermuteten Verrat, fanden bei seiner Rückkehr US-Dollar und ein Buch von Alexander Solschenizyn und belegten ihn mit drakonischen Strafen. Er verlor seine bürgerlichen Rechte, sein Einkommen, seine Ehe und seine Karriere als Pianistenduettist. Erst 1973 wurde er offiziell rehabilitiert. Später verarbeitete er diese Episode in seinem Buch How I Became Fischer’s Victim.
Taimanov blieb trotz allem eine prägende Figur. Er kombinierte Schach und Musik, spielte Rachmaninow und Chopin, und suchte auch am Brett nach künstlerischen Lösungen – berühmt etwa sein taktisches Mattmotiv gegen Anatoli Karpow 1977 in Leningrad. In den 1990er-Jahren gewann er zweimal die Senioren-Weltmeisterschaft, gründete im hohen Alter eine Schachakademie in St. Petersburg und spielte noch 2015 ein Match gegen den gleichfalls über 80-jährigen Viktor Kortschnoi.
Neben seiner Laufbahn als Spieler hinterließ er ein reiches schriftstellerisches Werk, darunter Standardwerke zur Eröffnungstheorie. Besonders bekannt wurde die nach ihm benannte Taimanov-Variante in der Sizilianischen Verteidigung.
Sein Privatleben war bewegt: Nach der Scheidung von Lyubov Bruk und einer kurzen Ehe mit Jane Averbakh heiratete er später Nadezhda Bakhtina, mit der er im Alter von 78 Jahren Vater von Zwillingen wurde. Insgesamt hinterließ er drei Kinder.
Taimanov bleibt in Erinnerung als optimistischer, respektierter Schachdiplomat – ein Künstler, der zwei Welten verband und bis ins hohe Alter auf der Bühne wie am Brett glänzte.
Erste englische Übersetzung von Taimanovs detaillierter Erzählung über das Fischer-Desaster. Amazon-Klappentext:
In 1971 Robert James Fischer defeated Mark Taimanov by the sensational score of 6–0 in Vancouver, but the match games were far more competitive than the final score would suggest. Twenty years later Taimanov put pen to paper, reflecting on the experience. 50 years after the match, this is the first English translation of the Russian text, providing a richly detailed, honest and emotional account of the drama on and off the chessboard.
Mark Taimanov – Großmeister zwischen Schach und Klavier
Nach einem Nachruf von Leonard Barden im Guardian
Mark Taimanov (1926–2016) führte ein außergewöhnliches Doppelleben: Er war international gefeierter Konzertpianist im Duo mit seiner ersten Frau Lyubov Bruk und zugleich einer der führenden sowjetischen Schachgroßmeister. 1955 gewann er die UdSSR-Meisterschaft, spielte mehrfach in Kandidatenturnieren und gehörte über Jahrzehnte zur goldenen Generation des sowjetischen Schachs.
On this day in 1971: the 6th (and final...) game of the FIDE Candidates' Quarter-final match between Bobby Fischer (USA) & Mark Taimanov (USSR) in Vancouver. #chess pic.twitter.com/GU1lGadtz5
— Douglas Griffin (@dgriffinchess) June 1, 2025
Berühmt – und berüchtigt – wurde Taimanov durch seine 0:6-Niederlage gegen Bobby Fischer im Kandidatenviertelfinale 1971 in Vancouver. Die klare Schlappe löste in der Sowjetunion einen politischen Skandal aus: Funktionäre vermuteten Verrat, fanden bei seiner Rückkehr US-Dollar und ein Buch von Alexander Solschenizyn und belegten ihn mit drakonischen Strafen. Er verlor seine bürgerlichen Rechte, sein Einkommen, seine Ehe und seine Karriere als Pianistenduettist. Erst 1973 wurde er offiziell rehabilitiert. Später verarbeitete er diese Episode in seinem Buch How I Became Fischer’s Victim.
Taimanov blieb trotz allem eine prägende Figur. Er kombinierte Schach und Musik, spielte Rachmaninow und Chopin, und suchte auch am Brett nach künstlerischen Lösungen – berühmt etwa sein taktisches Mattmotiv gegen Anatoli Karpow 1977 in Leningrad. In den 1990er-Jahren gewann er zweimal die Senioren-Weltmeisterschaft, gründete im hohen Alter eine Schachakademie in St. Petersburg und spielte noch 2015 ein Match gegen den gleichfalls über 80-jährigen Viktor Kortschnoi.
Neben seiner Laufbahn als Spieler hinterließ er ein reiches schriftstellerisches Werk, darunter Standardwerke zur Eröffnungstheorie. Besonders bekannt wurde die nach ihm benannte Taimanov-Variante in der Sizilianischen Verteidigung.
Sein Privatleben war bewegt: Nach der Scheidung von Lyubov Bruk und einer kurzen Ehe mit Jane Averbakh heiratete er später Nadezhda Bakhtina, mit der er im Alter von 78 Jahren Vater von Zwillingen wurde. Insgesamt hinterließ er drei Kinder.
Taimanov bleibt in Erinnerung als optimistischer, respektierter Schachdiplomat – ein Künstler, der zwei Welten verband und bis ins hohe Alter auf der Bühne wie am Brett glänzte.
Erste englische Übersetzung von Taimanovs detaillierter Erzählung über das Fischer-Desaster. Amazon-Klappentext:
In 1971 Robert James Fischer defeated Mark Taimanov by the sensational score of 6–0 in Vancouver, but the match games were far more competitive than the final score would suggest. Twenty years later Taimanov put pen to paper, reflecting on the experience. 50 years after the match, this is the first English translation of the Russian text, providing a richly detailed, honest and emotional account of the drama on and off the chessboard.
