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Jonathan Speelman

Der Rechner mit der Feder: Jon Speelman wird 70

Quelle: ChessBase – „Jon Speelman at 70: A leading figure of English chess", 2. Oktober 2026, Carlos Alberto Colodro

Jonathan Speelman gehörte Ende der 1980er Jahre zu den vier besten Schachspielern der Welt. Das schreibt Carlos Alberto Colodro. Im Januar 1989 stand der Engländer gemeinsam mit drei anderen Spielern auf Platz vier der FIDE-Weltrangliste, seine höchste Elo-Zahl von 2645 hatte er bereits im Juli 1988 erreicht. Am 2. Oktober 2026 wird Speelman 70 Jahre alt.

Vom Mathematikstudenten zum Kandidaten

Nach einem Mathematikstudium in Oxford wandte sich Speelman 1977 dem Profischach zu und stieg rasch auf: Internationaler Meister 1978, Großmeister 1980. Dreimal wurde er britischer Meister, zuletzt 1986, in einer Generation, zu der auch Tony Miles, John Nunn und Nigel Short zählten. Seinen größten sportlichen Erfolg erzielte er im WM-Zyklus 1987 bis 1990: Nach dem Sieg über Yasser Seirawan und den Landsmann Short erreichte er das Kandidaten-Halbfinale, in dem er knapp gegen Jan Timman verlor. Mit der englischen Nationalmannschaft spielte er von 1980 bis 2006 bei jeder Schacholympiade und gewann dreimal Silber.

Der Analytiker nach der aktiven Karriere

Abseits des Bretts machte sich Speelman als Autor einen Namen, mit Büchern zur Endspieltheorie und jahrzehntelanger Kolumnenarbeit, unter anderem für The Observer und The Independent. Seine ChessBase-Kolumne „Agony" erscheint inzwischen in der 243. Folge und gilt als Markenzeichen seines Witzes und seiner analytischen Tiefe, mit der er bis heute Partien großer Meister wie Magnus Carlsen seziert.

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Jon Speelman rechnete wie von einem anderen Planeten

Quelle: Chess.com – „Happy Birthday Jon Speelman. One Of The Game's Nice Guys.", 4. Oktober 2026, simaginfan

Eine Stunde gemeinsamer Analyse in den 1980er Jahren reichte, um zu verstehen, wie weit der Abstand zur Weltspitze wirklich ist. Das schreibt simaginfan zum 70. Geburtstag von Jon Speelman, den er als einen der freundlichsten Menschen und zugleich brillantesten Köpfe des Schachs bezeichnet. Damals gehörte Speelman zu den besten zehn Spielern der Welt und rückte kurz darauf in die Top fünf vor.

Ein Rechner wie eine Maschine

Bei der gemeinsamen Analyse einer hochkomplizierten Stellung aus einer seiner Partien wurden die Figuren kaum berührt – beide rechneten im Kopf und riefen sich Zugfolgen zu. Obwohl er selbst bereits mit Großmeistern und internationalen Meistern analysiert hatte, geriet simaginfan ins Schwitzen: Speelmans Rechengeschwindigkeit wirkte wie ein Maschinengewehrfeuer aus Zügen, kaum verarbeitbar. Nach 45 Minuten war er geistig erschöpft, aber von einem Adrenalinschub erfüllt, wie er ihn selten in eigenen Partien erlebt hat.

Speelmans Laufbahn liefert dazu die Belege: Er schlug Garry Kasparov in einer Schnellpartie mit Schwarz mit einem Zug, der laut Kasparov selbst eine echte Überraschung war, und erreichte im Kandidatenturnier das Halbfinale gegen Jan Timman, nachdem er zuvor Nigel Short besiegt hatte.

Ein persönliches Dankeschön

Zum Abschluss bleibt vor allem die Dankbarkeit für eine unvergessliche gemeinsame Zeit – verbunden mit einem verspäteten, herzlichen Geburtstagsgruß an einen Mann, der mit seiner Klasse und seiner Freundlichkeit gleichermaßen beeindruckte.

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