Die mitunter bizarre Kunst der Vorbereitung
Zitat von Conrad Schormann am 25. März 2026, 21:13 UhrHypnotiseure, Computer und Helfer – wie Weltmeister sich vorbereiten
Quelle: The Indian Express – „The men, the machines (and the psychic mediums) that helped top grandmasters prepare for elite tournaments“, 24. März 2026, Amit Kamath, Mayank Chaudhary
Ein Mann sitzt am Tisch, greift zu einem Stück Glas und beginnt darauf zu kauen. Neben ihm ein Schachweltmeister, der gerade eine Partie verloren hat. Die Szene wirkt wie eine Erfindung – doch sie gehört zur Vorbereitung auf das wichtigste Match im Schach. Das berichtet The Indian Express.
Anatoli Karpov erlebt diesen Moment 1985 während seines WM-Kampfs gegen Garry Kasparov. Der Hypnotiseur Grisha Rozhkovsky will die Stimmung im Team heben. Zur gleichen Zeit setzt die Gegenseite auf andere Mittel. Nach vier Niederlagen ruft Kasparovs Team den Geistheiler Tofik Dadashev nach Moskau. Karpov beschreibt später, dieser habe sein Nervensystem beeinflusst und seine Konzentration zerstört.
Psychologie als Waffe
Schon früher greifen Spieler zu ungewöhnlichen Mitteln. Als Viktor Kortschnoi 1974 einen Parapsychologen engagiert, reagiert Karpov mit einem eigenen Experten. Wladimir Suchar, ein Schlafspezialist, sitzt nachts am Bett des Weltmeisters und murmelt leise Worte. Karpov bleibt wach.
Vier Jahre später steigert Kortschnoi den Aufwand. In Baguio lässt er sich von zwei Gurus begleiten. Gerüchte über Mordanklagen begleiten ihre Ankunft. Gleichzeitig drohen Außenstehende mit schwarzer Magie, falls kein Geld fließt.
Der Wandel der Vorbereitung
Diese Methoden verschwinden. Moderne Großmeister bauen ihre Teams anders auf. Sie holen sich Sekundanten – starke Spieler, die Varianten prüfen, Gegner analysieren und Trainingspartien spielen.
Ein Team kann heute aus mehreren Großmeistern bestehen. Dommaraju Gukesh arbeitet vor seinem WM-Titel mit sechs Helfern. Jeder übernimmt eine klare Aufgabe. Einer simuliert Schnellpartien, andere kümmern sich um Eröffnungen oder Endspiele. Ergänzend begleitet ein Mentaltrainer die Vorbereitung.
Auch andere gehen diesen Weg. Sergey Karjakin stellt 2016 ein Team aus Sekundanten, Physiotherapeuten und sogar einem Koch zusammen. Die Vorbereitung kostet mehr als eine Million Dollar.
Maschinen übernehmen die Analyse
Neben Menschen treten Maschinen. Ian Nepomniachtchi nutzt 2021 den Supercomputer „Zhores“, der Millionen Stellungen pro Sekunde berechnet. Ein Jahrzehnt zuvor arbeitet Veselin Topalov mit dem IBM-System Blue Gene/P. Tausende Prozessoren analysieren Varianten, unterstützt von eigens entwickelter Software.
Selbst diese technische Überlegenheit garantiert keinen Sieg. Viswanathan Anand gleicht den Vorteil aus, indem er sich mit drei ehemaligen Weltmeistern vorbereitet.
Das unsichtbare Team
Vor großen Turnieren bleiben viele Details verborgen. Spieler schützen die Namen ihrer Helfer. Hinter verschlossenen Türen entstehen Varianten, Ideen und Strategien.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht mehr bei Hypnose oder Aberglauben. Er entsteht im Team – in der stillen Arbeit hinter den Kulissen, während am Brett nur ein Spieler sitzt.
Hypnotiseure, Computer und Helfer – wie Weltmeister sich vorbereiten
Quelle: The Indian Express – „The men, the machines (and the psychic mediums) that helped top grandmasters prepare for elite tournaments“, 24. März 2026, Amit Kamath, Mayank Chaudhary
Ein Mann sitzt am Tisch, greift zu einem Stück Glas und beginnt darauf zu kauen. Neben ihm ein Schachweltmeister, der gerade eine Partie verloren hat. Die Szene wirkt wie eine Erfindung – doch sie gehört zur Vorbereitung auf das wichtigste Match im Schach. Das berichtet The Indian Express.
Anatoli Karpov erlebt diesen Moment 1985 während seines WM-Kampfs gegen Garry Kasparov. Der Hypnotiseur Grisha Rozhkovsky will die Stimmung im Team heben. Zur gleichen Zeit setzt die Gegenseite auf andere Mittel. Nach vier Niederlagen ruft Kasparovs Team den Geistheiler Tofik Dadashev nach Moskau. Karpov beschreibt später, dieser habe sein Nervensystem beeinflusst und seine Konzentration zerstört.
Psychologie als Waffe
Schon früher greifen Spieler zu ungewöhnlichen Mitteln. Als Viktor Kortschnoi 1974 einen Parapsychologen engagiert, reagiert Karpov mit einem eigenen Experten. Wladimir Suchar, ein Schlafspezialist, sitzt nachts am Bett des Weltmeisters und murmelt leise Worte. Karpov bleibt wach.
Vier Jahre später steigert Kortschnoi den Aufwand. In Baguio lässt er sich von zwei Gurus begleiten. Gerüchte über Mordanklagen begleiten ihre Ankunft. Gleichzeitig drohen Außenstehende mit schwarzer Magie, falls kein Geld fließt.
Der Wandel der Vorbereitung
Diese Methoden verschwinden. Moderne Großmeister bauen ihre Teams anders auf. Sie holen sich Sekundanten – starke Spieler, die Varianten prüfen, Gegner analysieren und Trainingspartien spielen.
Ein Team kann heute aus mehreren Großmeistern bestehen. Dommaraju Gukesh arbeitet vor seinem WM-Titel mit sechs Helfern. Jeder übernimmt eine klare Aufgabe. Einer simuliert Schnellpartien, andere kümmern sich um Eröffnungen oder Endspiele. Ergänzend begleitet ein Mentaltrainer die Vorbereitung.
Auch andere gehen diesen Weg. Sergey Karjakin stellt 2016 ein Team aus Sekundanten, Physiotherapeuten und sogar einem Koch zusammen. Die Vorbereitung kostet mehr als eine Million Dollar.
Maschinen übernehmen die Analyse
Neben Menschen treten Maschinen. Ian Nepomniachtchi nutzt 2021 den Supercomputer „Zhores“, der Millionen Stellungen pro Sekunde berechnet. Ein Jahrzehnt zuvor arbeitet Veselin Topalov mit dem IBM-System Blue Gene/P. Tausende Prozessoren analysieren Varianten, unterstützt von eigens entwickelter Software.
Selbst diese technische Überlegenheit garantiert keinen Sieg. Viswanathan Anand gleicht den Vorteil aus, indem er sich mit drei ehemaligen Weltmeistern vorbereitet.
Das unsichtbare Team
Vor großen Turnieren bleiben viele Details verborgen. Spieler schützen die Namen ihrer Helfer. Hinter verschlossenen Türen entstehen Varianten, Ideen und Strategien.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht mehr bei Hypnose oder Aberglauben. Er entsteht im Team – in der stillen Arbeit hinter den Kulissen, während am Brett nur ein Spieler sitzt.



