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Tobias Eismann

Vermarktung, nicht Vereinnahmung: Wie der DSB Sponsoren gewinnen will

Interviewpartner: Tobias Eismann, Geschäftsführer der Chess Media Group – Interviewer: Walter Rädler – Schachkicker – 05.08.2026

„Der DSB bleibt Herr seiner Bühnen – wir sorgen dafür, dass Unternehmen sie endlich finden." Das sagte Tobias Eismann im Gespräch mit Walter Rädler. Seit rund zwei Jahren sitzt er selbst wieder am Brett, nach über zwanzig Jahren Pause und einem hart erkämpften Elo von 2100 aus Jugendtagen im Verein.

Erfahrung aus 200 Vereinen

Seit 1999 baut Eismann Geschäftsmodelle auf und hat dabei rund 200 Vereine und Verbände vermarktet, vom FC St. Pauli bis in Basketball- und Handball-Bundesliga; als früherer Aufsichtsratsvorsitzender beim VfL Osnabrück kennt er Verbandsarbeit auch von innen. Am Schach reizt ihn die Stille in vollen Turniersälen und die Ehrlichkeit des Spiels: „keine Ausreden, kein Schiedsrichterpech, kein Wetterglück – am Brett bist du für alles selbst verantwortlich."

Bündelung der Rechte, erfolgsabhängige Vergütung

Die Chess Media Group übernimmt die Sponsoring-, Werbe- und Medienrechte des Verbands – von den Nationalmannschaften bis zum Schulschach – und entwickelt daraus markenspezifische Partnerschaften. Zur Vergütung sagt Eismann: „Wir verdienen ausschließlich an Geld, das wir neu für den Schachbund einwerben." Profitieren sollen Jugend, Frauen, Breite, Senioren, Inklusion und Spitzensport. Zum 150. Geburtstag des DSB 2027 will die Agentur zeigen: Deutschland spielt Schach.

Rat für Vereine: Authentizität statt Logos

Der These, Vermarktung sei nichts für Amateure, widerspricht Eismann: „Ihr Herzblut ist sogar ihr größter Vorteil, denn Authentizität kann keine Agentur und kein Vermarkter der Welt einfach so kaufen." Seine Ratschläge: lokal denken, da Sparkasse oder das Autohaus um die Ecke Nachbarschaft und Sinn kaufen, nicht Reichweite; Geschichten statt Logos verkaufen, etwa „Ermöglichen Sie zwanzig Kindern ein Jahr Schachtraining"; kleine, klare Pakete zwischen 500 und 2.000 Euro mit festen Gegenleistungen wie Turniername oder Polo-Shirt anbieten; Anlässe schaffen wie Stadtmeisterschaft oder Simultan in der Fußgängerzone; und eine feste Person im Verein benennen, die das Thema verantwortet. Sein Fazit: „Verantwortung schlägt Zufall – das gilt in der Bundesliga wie in der Kreisklasse."

„Das wird nicht funktionieren": Eismann hält die Schachbundesliga noch nicht für vermarktungsreif

Quelle: Chess Tigers – „Im Auftrag des DSB: Schachvermarktung mit Tobias Eismann - YouTube", 13. September 2026

Ein Logo gegen Geld – damit gewinnt der Schachsport keine Partner mehr. Tobias Eismann, Geschäftsführer der Chess Media Group und seit wenigen Wochen Vermarktungspartner des Deutschen Schachbundes, verlangt für jeden Euro eine belegbare Gegenleistung: Mediawerte, Erlebbarkeit, Zahlen. „Das sind die Zeiten sind gerade jetzt vorbei", sagte er über das bloße Logo-Sponsoring. Das sagte Tobias Eismann im Gespräch mit den Chess Tigers.

Derzeit gehe es vor allem ums „Inventarisieren": Homepage, Nationalmannschaften, Frauenbundesliga, das 150-jährige Jubiläum des Verbandes im kommenden Jahr. Erst daraus entstünden Pakete, die man Unternehmen anbieten könne. Der Vertrag mit dem Verband ist erfolgsabhängig und langfristig angelegt; die wirtschaftliche Vorleistung trägt seine Firma. „Unterm Strich trägt der DSB kein Risiko."

Ehrenamt als Hindernis

Bei der Schachbundesliga sieht Eismann genau hier das Problem. Anders als der Verband habe sie keine Geschäftsstelle, sondern ein ehrenamtlich getragenes Konstrukt. Professionelle Sponsoren erwarteten aber Ansprechpartner am Montagmorgen. Wer die Liga vermarkten wolle, müsse zuerst in Struktur und Personal investieren – und die 16 Vereine mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen Schritt für Schritt mitnehmen, ohne sie zu überfordern. Gespräche laufen, ein erster Konzeptentwurf liegt vor.

Dass Schach für große Marken attraktiv ist, belege der Dreijahresvertrag der FIDE mit Salesforce: „da steckt ein knallharter Business Deal dahinter".

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Der Mann, der jeder Grundschule ein Schachbrett bringen will

Quelle: noz.de – „Pionierarbeit: Wie Tobias Eismann aus Melle dem deutschen Schachsport auf die Sprünge hilft", 6. Oktober 2026, Sven Schüer

Jahr für Jahr wurde Tobias Eismann beim traditionellen Blitzschach mit Freunden schlechter – bis er vor rund zweieinhalb Jahren zum regelmäßigen Spiel zurückfand. Das schreibt Sven Schüer. Mit zwölf Jahren hatte der Unternehmer aus Melle in der Schach-AG seines Gymnasiums zum Spiel gefunden, organisierte mit Freunden die Meller Schachtage und maß sich während Abitur und Bundeswehr international mit Großmeistern. Beruf und Familie ließen das Brett später oft unberührt.

Zurück ans Brett – und zu den Kindern

Heute tritt Eismann wieder für den TSV Riemsloh in der Bezirksliga an und bringt gemeinsam mit anderen rund 20 Kindern das Schachspiel bei. „Wir sehen in leuchtende Augen“, sagt er über die Nachwuchsarbeit. Diese Erfahrung will er bundesweit ausweiten: Mit der in Osnabrück gegründeten Chess Media Group unterstützt er den Deutschen Schachbund inzwischen dabei, Sponsoren zu gewinnen und die Sportart professioneller aufzustellen. Die Strukturen des Verbands erinnerten ihn an frühere Zeiten, sagt Eismann – deshalb habe er vor rund einem Jahr Kontakt aufgenommen, um sich im Bereich Vermarktung und Medien einzubringen.

Sein Ziel reicht über Sponsorenverträge hinaus: „Ich wünsche mir, dass es an jeder Grundschule in Deutschland ein Schach-Angebot gibt.“ Werde das erreicht, passiere alles andere automatisch, ist er überzeugt. Auch für seine Region Osnabrück erhofft er sich diesen Effekt – etwa durch engere Koordination der Vereine, die perspektivisch sogar Bundesliga-Schach ermöglichen könnte.

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