Streit der Verbände: Polizeieinsatz beim Schach in Bulgarien
Zitat von Conrad Schormann am 13. September 2025, 9:04 UhrPolizei-Einsatz beim Schachturnier in Plowdiw – Oberstes Gericht entzieht Verband die Lizenz
Mit einem Eklat begann am 7. September das Festival der Denksportarten in Plowdiw: Polizisten betraten den Turniersaal und führten den Organisator Atanas Kurtenkov, Vorstandsmitglied der „Bulgarian Chess Federation 2022“ (BCF 2022), vor den Augen der Spieler ab. Der Vorwurf: Kurtenkov soll dem Verband mit mutmaßlich gefälschten Dokumenten eine Lizenz erschlichen haben. Die bulgarische Sportaufsicht hatte Zweifel an der Echtheit dieser Unterlagen angemeldet. Die Polizei schritt ein, um Ermittlungen aufzunehmen.
Lizenz rechtswidrig erklärt
Parallel dazu veröffentlichte das Oberste Verwaltungsgericht Bulgariens (ВАС) ein Urteil, das den Kern des Streits trifft: Die Lizenz, die das Sportministerium 2022 an die BCF 2022 vergeben hatte, sei rechtswidrig erteilt worden. Damit verliert der Verband vorerst seine Grundlage für nationale Meisterschaften und staatliche Förderung. Das Ministerium muss das Verfahren neu aufrollen.
Die zeitliche Nähe von Polizeieinsatz und Gerichtsurteil macht deutlich: Im bulgarischen Schach geht es längst nicht mehr nur um Figuren auf dem Brett, sondern um die Kontrolle über Strukturen, Gelder und internationale Anerkennung.
Zwei Verbände – zwei Realitäten
Seit Jahren gibt es in Bulgarien zwei konkurrierende Organisationen:
Bulgarian Chess Federation 2022 (BCF 2022): vom Sportministerium lizenziert, bislang verantwortlich für nationale Turniere.
Bulgarian Sports Chess Federation (BSCF): seit Ende 2023 von der FIDE als einzig legitimer Verband anerkannt.
Spieler und Vereine sitzen damit zwischen den Stühlen: Wer nationale Meisterschaften spielen wollte, musste sich an die BCF 2022 wenden. Wer international antreten wollte, brauchte die Nominierung der BSCF.
Vom CAS-Urteil zum Lizenzentzug
Die FIDE hatte nach jahrelangen Querelen 2023 eine klare Entscheidung getroffen: Nur die BSCF wird als Mitglied anerkannt. Die BCF 2022 klagte dagegen vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) – und verlor. International ist seither eindeutig die BSCF zuständig.
Das Oberste Verwaltungsgericht schaffte nun auch im Inland Fakten. Die Richter erklärten, dass die Lizenzvergabe an die BCF 2022 nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprach. Welche Rolle dabei das angeblich gefälschte Dokument spielte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Klar ist aber: Ohne Lizenz hat die BCF 2022 keinerlei Rechtsgrundlage mehr, nationale Titelkämpfe auszurichten oder öffentliche Mittel zu beantragen.
Vergebliche Einigungsversuche
Im Frühjahr 2025 versuchte Sportminister Ivan Pešev, beide Lager in einem Memorandum zusammenzuführen. Ziel war ein gemeinsamer Verband. Doch die Vereinbarung blieb folgenlos – zu groß ist das gegenseitige Misstrauen. Statt Annäherung kam es zuletzt zur Eskalation in Plowdiw.
Folgen für die Schachspieler
Für Bulgariens Schachszene bedeutet das Urteil große Unsicherheit. Wer organisiert die Jugendförderung? Welche Turniere haben noch offiziellen Status? Internationale Starts laufen über die BSCF, die von der FIDE anerkannt ist. Im Inland ist die Lage unklar – und Spieler wie Trainer stehen vor einem Scherbenhaufen.
Symbol eines zerrissenen Schachs
Der Auftritt der Polizei in Plowdiw zeigt, wie tief der Konflikt reicht. Ein Turnier, das eigentlich den Denksport feiern sollte, wurde zur Bühne für den Machtkampf zweier Verbände. Kurtenkov kam nach kurzer Zeit wieder frei, das Turnier wurde fortgesetzt.
Quellen:
Bulgarian National Radio (BNR): ВАС: Лицензът на Българска федерация по шахмат 2022 е даден незаконосъобразно
TrafficNews Plovdiv: Скандал на фестивала на мисловните спортове – организатор отведен от полицията
FIDE: CAS announces its decision in the case of the Bulgarian Chess Federation 2022 vs FIDE
Polizei-Einsatz beim Schachturnier in Plowdiw – Oberstes Gericht entzieht Verband die Lizenz
Mit einem Eklat begann am 7. September das Festival der Denksportarten in Plowdiw: Polizisten betraten den Turniersaal und führten den Organisator Atanas Kurtenkov, Vorstandsmitglied der „Bulgarian Chess Federation 2022“ (BCF 2022), vor den Augen der Spieler ab. Der Vorwurf: Kurtenkov soll dem Verband mit mutmaßlich gefälschten Dokumenten eine Lizenz erschlichen haben. Die bulgarische Sportaufsicht hatte Zweifel an der Echtheit dieser Unterlagen angemeldet. Die Polizei schritt ein, um Ermittlungen aufzunehmen.
Lizenz rechtswidrig erklärt
Parallel dazu veröffentlichte das Oberste Verwaltungsgericht Bulgariens (ВАС) ein Urteil, das den Kern des Streits trifft: Die Lizenz, die das Sportministerium 2022 an die BCF 2022 vergeben hatte, sei rechtswidrig erteilt worden. Damit verliert der Verband vorerst seine Grundlage für nationale Meisterschaften und staatliche Förderung. Das Ministerium muss das Verfahren neu aufrollen.
Die zeitliche Nähe von Polizeieinsatz und Gerichtsurteil macht deutlich: Im bulgarischen Schach geht es längst nicht mehr nur um Figuren auf dem Brett, sondern um die Kontrolle über Strukturen, Gelder und internationale Anerkennung.
Zwei Verbände – zwei Realitäten
Seit Jahren gibt es in Bulgarien zwei konkurrierende Organisationen:
Bulgarian Chess Federation 2022 (BCF 2022): vom Sportministerium lizenziert, bislang verantwortlich für nationale Turniere.
Bulgarian Sports Chess Federation (BSCF): seit Ende 2023 von der FIDE als einzig legitimer Verband anerkannt.
Spieler und Vereine sitzen damit zwischen den Stühlen: Wer nationale Meisterschaften spielen wollte, musste sich an die BCF 2022 wenden. Wer international antreten wollte, brauchte die Nominierung der BSCF.
Vom CAS-Urteil zum Lizenzentzug
Die FIDE hatte nach jahrelangen Querelen 2023 eine klare Entscheidung getroffen: Nur die BSCF wird als Mitglied anerkannt. Die BCF 2022 klagte dagegen vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) – und verlor. International ist seither eindeutig die BSCF zuständig.
Das Oberste Verwaltungsgericht schaffte nun auch im Inland Fakten. Die Richter erklärten, dass die Lizenzvergabe an die BCF 2022 nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprach. Welche Rolle dabei das angeblich gefälschte Dokument spielte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Klar ist aber: Ohne Lizenz hat die BCF 2022 keinerlei Rechtsgrundlage mehr, nationale Titelkämpfe auszurichten oder öffentliche Mittel zu beantragen.
Vergebliche Einigungsversuche
Im Frühjahr 2025 versuchte Sportminister Ivan Pešev, beide Lager in einem Memorandum zusammenzuführen. Ziel war ein gemeinsamer Verband. Doch die Vereinbarung blieb folgenlos – zu groß ist das gegenseitige Misstrauen. Statt Annäherung kam es zuletzt zur Eskalation in Plowdiw.
Folgen für die Schachspieler
Für Bulgariens Schachszene bedeutet das Urteil große Unsicherheit. Wer organisiert die Jugendförderung? Welche Turniere haben noch offiziellen Status? Internationale Starts laufen über die BSCF, die von der FIDE anerkannt ist. Im Inland ist die Lage unklar – und Spieler wie Trainer stehen vor einem Scherbenhaufen.
Symbol eines zerrissenen Schachs
Der Auftritt der Polizei in Plowdiw zeigt, wie tief der Konflikt reicht. Ein Turnier, das eigentlich den Denksport feiern sollte, wurde zur Bühne für den Machtkampf zweier Verbände. Kurtenkov kam nach kurzer Zeit wieder frei, das Turnier wurde fortgesetzt.
Quellen:
Bulgarian National Radio (BNR): ВАС: Лицензът на Българска федерация по шахмат 2022 е даден незаконосъобразно
TrafficNews Plovdiv: Скандал на фестивала на мисловните спортове – организатор отведен от полицията
FIDE: CAS announces its decision in the case of the Bulgarian Chess Federation 2022 vs FIDE