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Max Hegener

Millennium sucht seine Zukunft im hochwertigen Schachcomputer

Interviewpartner: Max Hegener · Interviewer: Michael Busse und Jonathan Carlstedt · Format/Medium: Schachtalk · 1. März 2026

Millennium will Schachcomputer nicht mehr nur als günstige Elektronikware verkaufen, sondern wieder als hochwertige Geräte für Menschen, die das Spiel lieben. Das sagte Max Hegener im Gespräch mit Michael Busse und Jonathan Carlstedt. Der Geschäftsführer beschreibt damit die Entwicklung seines Unternehmens weg vom Massenmarkt und zurück zu einem spezialisierten Schachangebot, das von einfachen Einsteigergeräten bis zu teuren Mephisto-Modellen reicht.

Hegener ordnet diese Entwicklung in die Firmengeschichte ein. Die Wurzeln reichen zu Manfred Hegener und der Firma Hegener + Glaser zurück, die zunächst als Bauelementefirma startete. Später kamen Auftragsentwicklungen hinzu, darunter frühe Schachcomputer. Diese Geräte bestanden zunächst nur aus einem „Brikett“ mit LCD-Anzeige, auf dem Zugkoordinaten erschienen, noch ohne Brett. Daraus entstand im Lauf der 1970er und 1980er Jahre ein eigener Markt. Die Blütezeit lag nach Hegeners Darstellung in den 1980er Jahren, verbunden mit dem Namen Mephisto.

Von Mephisto zu Millennium

In den 1990er Jahren wechselte die Marke mehrfach den Eigentümer und landete schließlich bei einem amerikanischen Unternehmen. Nach dessen Bankrott wurde der Name wieder frei. Millennium, eine spätere Gründung von Manfred Hegener, übernahm die Markenrechte zurück. So konnte Mephisto seit 2022 wiederbelebt werden.

Hegener selbst stieg nach einigen anderen Stationen um 2011 voll in das Unternehmen ein. Zu diesem Zeitpunkt war Schach nur eines von mehreren Geschäftsfeldern. Millennium belieferte große Handelsketten wie Aldi oder Lidl mit Elektronik, Spielwaren und Zubehör. Schachcomputer spielten zwar eine Rolle, aber fast nur im unteren Preisbereich. Die Geräte kosteten oft nur 30 bis 50 Euro und richteten sich an den Massenmarkt.

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Warum wieder hochwertige Geräte kamen

Gerade aus diesem günstigen Segment heraus entstand nach Hegeners Darstellung der Impuls zur Neuausrichtung. Von Kunden und Händlern kam die Rückmeldung, dass es zwar einfache Geräte gebe, aber keinen „ernsthaften Schachcomputerhersteller mehr“ und kein „vernünftiges“ Produkt mit starker Software und höherem Anspruch.

Das traf auf eine Marktlücke. Millennium reagierte mit einem Gerät, das deutlich stärker war als die bisherigen Einstiegsmodelle. Technisch sei eine Spielstärke von über 2000 Elo zwar kein großes Problem gewesen. Schwieriger sei es gewesen, gute Software und die passenden Partner zu finden. Entscheidend wurde hier die langjährige Verbindung zu Richard Lang und dessen Chess-Genius-Programm. Mit dieser Software brachte Millennium ein neues Modell auf den Markt, das sich im Bereich zwischen 100 und 150 Euro bewegte und sich laut Hegener sofort sehr gut verkaufte. Die Vorbestellungen lagen bereits über der ersten Lieferung.

Für Hegener war das der Beweis, dass es wieder Nachfrage nach anspruchsvolleren Geräten gab. Von da an entwickelte das Unternehmen jedes Jahr neue Modelle weiter. Es orientierte sich dabei stärker an Enthusiasten und Liebhabern als am Discountergeschäft.

Neue Produktlogik

Heute beschreibt Hegener das Sortiment als bewusst gestuft. Am unteren Ende stehen Geräte für Kinder, Eltern und erste Lernschritte am Brett. Darüber folgen Computer für ambitioniertere Spieler. Im oberen Bereich sitzt die wiederbelebte Mephisto-Reihe mit modularen Lösungen, Holzbrettern und einer auf Raspberry-Pi-Technik basierenden Konsole, die die Rechenleistung übernimmt.

Diese Geräte richten sich klar an Sammler und passionierte Nutzer. Hegener zieht selbst den Vergleich zu einer „schönen teuren Uhr“. Im oberen Bereich kosten die Modelle rund 2000 Euro oder mehr. Für ihn ist das kein Nebeneffekt, sondern Teil der Neupositionierung: weg vom namenlosen Elektronikartikel, hin zum spezialisierten Produkt mit Haptik, Holz und einem bestimmten ästhetischen Anspruch.

Entwicklung aus dem Austausch mit Kunden

Hegener betont mehrfach, dass diese Entwicklung nicht im stillen Kämmerlein entstand. Das Unternehmen habe viel Rückmeldung von Kunden bekommen, gerade von einer treuen und kritischen Schachkundschaft. Diese Käufer begleiteten neue Modelle, lobten, kritisierten und gaben Hinweise zu Bedienung, Design und Anmutung. Nicht jeder Wunsch sei sofort erfüllt worden. Aber die Rückmeldungen hätten geholfen, Produkte in Schleifen weiterzuentwickeln.

Auch Kooperationen mit bekannten Namen passen in dieses Muster. Daniel King etwa sei auf ein Millennium-Brett aufmerksam geworden, habe an dem Produkt Gefallen gefunden, aber die bisherigen Figuren gestalterisch kritisiert. Daraus entstand eine eigene, limitierte Edition mit reduziertem Design. Ähnlich ergaben sich Kontakte zu Rustam Kasimdzhanov, zunächst über Experimente mit Hybridschach in der Corona-Zeit.

Schachcomputermarkt und seine Grenzen

Trotz dieser Aufwertung sieht Hegener Grenzen. Der Vereinsmarkt ist aus seiner Sicht schwer zu erschließen. Vereine arbeiten mit knappen Budgets, haben oft schon eigene Ausstattung und treffen Investitionsentscheidungen nicht spontan. Dazu kommt starke Konkurrenz, etwa von DGT. Deshalb konzentriert sich Millennium vor allem auf Endkunden, die zu Hause gegen den Computer spielen.

Auch Hoffnungen auf Online-Schach und Hybridmodelle erfüllten sich nur teilweise. Während der Pandemie versuchte Millennium, Bretter als physische Schnittstelle für Onlinepartien zu positionieren. Die Grundidee war klar: Menschen sollten nicht auf einen Bildschirm starren, sondern mit echten Figuren auf echtem Brett spielen, während die Onlineplattform im Hintergrund läuft. Hegener sagt aber offen, dass diese Rechnung nicht wirklich aufging. Viele junge Nutzer hätten Schach direkt online kennengelernt und sähen im echten Brett keinen zusätzlichen Nutzen. Nach dem Ende der Lockdowns verlor das Hybridthema weiter an Zugkraft.

Zwei Ziele zugleich

So ergibt sich aus Hegeners Darstellung ein recht klares Bild des Unternehmens. Millennium will auf der einen Seite hochwertige Schachcomputer für Liebhaber bauen. Auf der anderen Seite sieht es in einfacheren Geräten ein Mittel, Kinder und Einsteiger ans Brett zu bringen. Im Hintergrund steht dabei immer wieder derselbe Gedanke: Schach soll technisch zugänglich sein, aber nicht im Bildschirm aufgehen.

Hegeners Schlusslinie ist deshalb weniger nostalgisch als strategisch. Das Unternehmen will „Menschen, die wirklich Schach lieben“, gute Geräte anbieten. Gleichzeitig versucht es, über Einsteigermodelle und Bildungsthemen neue Nutzer zu gewinnen. Die Zukunft des Schachcomputers liegt für ihn nicht im Massenmarkt alter Prägung, sondern in einer Mischung aus Spezialisierung, Haptik und einem Produkt, das wieder als echtes Schachgerät wahrgenommen wird.

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