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Fedor Bohatirchuk (1892-1984)

Schachmeister Bohatirchuk: Vorbild für Doktor Schiwago

Quelle: ChessBase – „The man who was Dr. Zhivago: Fedor Bohatirchuk", veröffentlicht am 27. November 2017

Fedor Parfenovich Bohatirchuk, geboren 1892 in Kiew, war einer der bedeutendsten Schachspieler der frühen Sowjetunion – und soll dem Schriftsteller Boris Pasternak als Vorlage für die Figur des Doktor Schiwago gedient haben. Das berichtet ChessBase.

Bohatirchuk lernte Schach im Alter von 15 Jahren und gewann 1910 erstmals die Stadtmeisterschaft von Kiew. Zwischen 1923 und 1934 nahm er an sechs UdSSR-Meisterschaften teil und gewann 1927 gemeinsam mit Romanovsky den Titel. In seiner aktiven Karriere bestritt er gegen Alexander Alekhine nach eigenen Angaben mehr als hundert Partien – allein während eines einmonatigen Aufenthalts in Genua im Jahr 1914.

Konflikt mit dem Sowjetstaat

Besondere Bedeutung erlangte Bohatirchuk durch seine vier Partien gegen den späteren Weltmeister Michail Botvinnik: Er gewann drei davon und spielte einmal remis. Nach seinem Sieg gegen Botvinnik beim internationalen Turnier in Moskau 1935 soll Nikolai Krylenko, der damalige Volkskommissar für Justiz und Chef des sowjetischen Schachwesens, zu Bohatirchuk gesagt haben: „Sie werden nie wieder gegen Botvinnik gewinnen." Diese Prophezeiung erfüllte sich, weil Bohatirchuk fortan von Turnieren ausgeschlossen wurde, an denen Botvinnik teilnahm.

Bohatirchuk war von Beruf Arzt und Anatomieprofessor. Nach der deutschen Besetzung Kiews 1941 leitete er das Ukrainische Rote Kreuz und kümmerte sich um sowjetische Kriegsgefangene. Im Februar 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet, nach einem Monat jedoch wieder freigelassen. Ende 1943 floh er mit seiner Familie aus Kiew und gelangte über Krakau und verschiedene deutsche Städte schließlich 1948 nach Kanada, wo er sich in Ottawa als Arzt niederließ.

In Kanada lehrte Bohatirchuk als Professor für Radiologische Anatomie an der Universität Ottawa und erhielt 1955 die Barclay-Medaille der British Radiological Society. Schachlich gewann er 1963 und 1964 die kanadische Fernschach-Meisterschaft und wurde 1967 Internationaler Fernschach-Champion. Den Titel eines Internationalen Großmeisters, den die FIDE ihm bei der Schacholympiade 1954 in Amsterdam verleihen wollte, verhinderte der sowjetische Schachverband. Der Titel des Internationalen Meisters wurde ihm dennoch zuerkannt.

Bohatirchuk veröffentlichte 1978 eine Autobiografie, in der er seine Zusammenarbeit mit der Vlassow-Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs erläuterte und rechtfertigte. Boris Spassky, der Bohatirchuk 1970 persönlich begegnete, berichtete Botvinnik beeindruckt von dieser Begegnung. Botvinnik reagierte darauf mit den Worten: „Wenn ich ihm begegnete, würde ich ihn eigenhändig mitten in der Stadt aufhängen." Fedor Bohatirchuk starb am 4. September 1984 in Ottawa.

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Der Mann, der Botvinnik schlug – und dafür vom Brett verschwand

Quelle: Lasker-Gesellschaft – „Beat Rüegsegger # 06/26 – Schach und Literatur", 18. August 2026, Beat Rüegsegger

Vier Partien, drei Siege, ein Remis: Gegen den späteren Weltmeister Mikhail Botvinnik hatte Fedor Bohatirchuk eine Bilanz, die in der Sowjetunion niemand haben durfte. Das schreibt Beat Rüegsegger. Der Kiewer Mediziner und Schachmeister ist heute selbst unter Schachspielern kaum noch bekannt.

Besonders unangenehm war sein Sieg beim großen Moskauer Turnier 1935, wo der geförderte Botvinnik die Überlegenheit der Arbeiterklasse demonstrieren sollte und sich nach der Niederlage den Turniersieg mit Salo Flohr teilen musste. Justizkommissar Nikolai Krylenko, Kopf des organisierten sowjetischen Schachs, kündigte Bohatirchuk an, er werde nie wieder gegen Botvinnik gewinnen. Die Vorhersage traf zu: Er durfte an keinem Turnier mehr teilnehmen, bei dem Botvinnik antrat.

Rotes Kreuz, Gestapo, Ottawa

Nach der deutschen Besetzung Kiews 1941 leitete Bohatirchuk das Ukrainische Rote Kreuz und kümmerte sich um sowjetische Kriegsgefangene. Die Gestapo verhaftete ihn im Februar 1942 und hielt ihn einen Monat fest. 1948 wanderte er nach Kanada aus, lehrte in Ottawa Röntgen-Anatomie und spielte weiter: Zweiter der Landesmeisterschaft 1949, Internationaler Meister 1954. Den Großmeistertitel verhinderte der sowjetische Verband.

Sein Schüler Lawrence Day überlieferte, dass Boris Pasternak sich Bohatirchuk zum Vorbild für Doktor Schiwago genommen habe. Pasternak selbst spielte ordentlich Schach – eine Moskauer Partie vom 27. Oktober 1947 gegen Alexander Bek gewann er in 23 Zügen.

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