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Alexander Khalifman

1991/92 spielte Ex-FIDE-Weltmeister Alexander Khalifman tatsächlich unter deutscher Flagge. Aber für Deutschland spielte er nie. Auf der Seite des russischen Verbands lässt sich dazu die russische Perspektive lesen:

Ein Angebot aus Deutschland – und warum es scheiterte

Quelle: ruchess.ru, Artikel von Gennady Nesis und Dmitry Kryakvin (Januar 2016)

Anfang der 1990er reiste Alexander Khalifman mit seinem langjährigen Förderer Gennady Nesis nach Frankfurt. Die dortige Schachszene suchte Verstärkung – und Khalifman war zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Talent. Er hatte sich bereits auf internationalen Turnieren einen Namen gemacht. Die Organisatoren vor Ort wollten ihn für die Bundesliga gewinnen.

In Frankfurt lebte ein vermögender Schachliebhaber, ein gewisser Arthur Fischer – Namensvetter des legendären Bobby Fischer, aber kein Verwandter. Dieser Arthur Fischer war nicht nur an Schach interessiert, sondern auch bereit zu investieren. Er lud Khalifman in ein italienisches Restaurant ein. Gemeinsam mit Nesis saßen sie zu dritt beim Essen.

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Fischer mochte Khalifman auf Anhieb. Er schlug ihm vor, für seinen Frankfurter Klub in der Bundesliga zu spielen. Khalifman sagte zu. Zunächst lief alles wie geplant: Er trat für die Mannschaft an, wurde von Spielern und Fans gleichermaßen geschätzt. Khalifman war sprachbegabt, konnte sich rasch verständigen, passte sich gut an. Der Verein stellte ihm sogar eine Wohnung zur Verfügung.

Doch dann kam der nächste Schritt: Die Idee, dass Khalifman die Staatsbürgerschaft wechseln und für die deutsche Nationalmannschaft bei der Schacholympiade spielen sollte. Damit war eine Zeitenwende verbunden – sowohl für Khalifman als auch für das deutsche Schach. Ein Weltklassespieler im deutschen Team? Ein Riesengewinn.

Aber es kam anders.

In deutschen Schachkreisen regte sich Widerstand. Einige Großmeister sahen ihre Chancen in der Nationalmannschaft schwinden. In der Presse erschienen kritische Artikel. Die zentrale Frage lautete: „Sollen künftig nur noch Yusupov, Khalifman und Dautov für Deutschland spielen? Wo bleiben die Deutschen?“

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Die Kritik traf Khalifman hart. Er war kein Opportunist. Kein Karrierist. Wer ihn in diese Ecke stellte, hatte ihn nicht verstanden.

Statt sich in eine öffentliche Debatte zu begeben oder um Anerkennung zu werben, entschied sich Khalifman für den Rückzug. Er war verärgert. Enttäuscht. Und ging. Die Aussicht, für Deutschland zu spielen, war vom Tisch.

Er spielte später weiter in der Bundesliga, für deutsche Vereine. Aber ein Wechsel zur deutschen Föderation kam nicht mehr in Frage. Die Chance war vertan.


Khalifmans langjähriger Trainer und Wegbegleister Gennady Nesis über seinen Schützling.

https://twitter.com/dgriffinchess/status/2012797109062246410

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