Elham Amar

Norwegischer Großmeister (Titel 2024), Jahrgang 2005, gilt hinter Magnus Carlsen als eine der großen Hoffnungen des norwegischen Schachs. Gewann im Juni 2025 mit 7,5/9 das Pfingst-Open des Schachfestival München vor 160 Teilnehmenden aus 38 Nationen und überschritt damit erstmals die Marke von Elo 2600 – als erst sechster Norweger überhaupt. Betonte im PvB-Interview, sich trotz rascher Fortschritte keine konkreten Rating-Ziele zu setzen und nicht überheblich werden zu wollen.

Herkunft und Anfänge

Seine Eltern stammen aus Afghanistan und kamen als Flüchtlinge nach Norwegen; in der norwegischen Schachszene kann sich niemand erinnern, sie je gesehen zu haben. Amar fuhr schon mit elf allein zu Training und Turnieren. Eigentlich war er Fußballer und traute sich zu, der nächste Ronaldo zu werden, kam aber spät zum Turnierschach und erreichte binnen eines Jahres nach seinem ersten gewerteten Turnier 2100 Elo. Als starker Blitzspieler ohne Titel wurde er nach Onlinepartien wiederholt geblockt oder des Betrugs bezichtigt. Sein größtes Defizit waren lange die Eröffnungen; laut dem norwegischen Journalisten Tarjei Svensen hat er nie ein Schachbuch gelesen und nie einen richtigen Trainer gehabt. Den Anschluss schaffte er über die Trainingsgruppe von Simen Agdestein am Sportinternat NTG in Baerum bei Oslo, wo auch Magnus Carlsen aufwuchs und zur Schule ging.

Durchbruch

Kam vor 2022 mit 2360 Elo nie ins Ausland – Ferien oder Auslandsreisen kannte er nicht -, bis ihm Schach einen Sponsor verschaffte: die Investmentfirma Ferd AS der norwegischen Unternehmerfamilie Andresen, deren Geschäftsführer Morten Borge selbst begeistert Schach spielt. Die ersten drei Turniere, die er im Ausland spielte, gewann er alle.

Es folgten IM- und GM-Titel, 2025 der erstmalige Sprung über 2600 sowie der Sieg beim Münchner Pfingst-Open. Der FC St. Pauli verpflichtete ihn für einige Bundesligaeinsätze, ab 2026/27 spielt er nicht mehr für die Hamburger. Wurde 2026 erstmals und überlegen norwegischer Meister und gewann im August mit 7,5 aus 9 die Sparkassen Chess Trophy in Dortmund, wobei er in mehreren Partien unter Druck von Fehlern der Gegner profitierte. Spielt bei der Schacholympiade 2026 für Norwegen, das ohne Magnus Carlsen und Aryan Tari antritt; sollte Johan-Sebastian Christiansen aussetzen, übernimmt Amar das Spitzenbrett.