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SC Stukenbrock

Ein junger Spieler zwischen Ehrgeiz und Realität

Quelle: Neue Westfälische – „Einzelgänger, Nerd, Mathecrack? 16-jähriges Talent aus Stukenbrock trotzt Klischees“, 07.03.2026, Tobias Röring (Abo)

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Für Nico Glatt, 16 Jahre alt und aufgewachsen in Schloß Holte-Stukenbrock, spielt für den Schachclub Stukenbrock und den Rhedaer Schachverein. Seine ersten Züge lernte er zu Hause. Die Eltern brachten ihm das Spiel bei, so wie sie es selbst von ihren Eltern gelernt hatten. Aus gemeinsamen Partien entstand Ehrgeiz. Glatt spielte immer häufiger gegen seinen Vater – bis er ihn schließlich besiegte.

Tempo und Konzentration

Heute tritt er regelmäßig bei Turnieren in der Region an. Besonders reizt ihn Blitzschach mit drei Minuten Bedenkzeit. Schnelle Entscheidungen prägen diese Partien. Fehler entstehen schnell, Siege ebenfalls. In längeren Partien über mehr als anderthalb Stunden fordert ihn eine andere Herausforderung: Konzentration über viele Stunden hinweg. Manchmal lässt sie nach, sagt Glatt selbst.

Er beschreibt Schach als Sport, auch ohne sichtbare körperliche Anstrengung. Nach langen Turnieren fühlt er sich erschöpft. Nicht die Muskeln schmerzen, sondern der Kopf. Stunden intensiver Konzentration hinterlassen ihre Spuren.

Zwischen Klischee und Alltag

Mit den gängigen Vorstellungen vom Schachspieler geht er gelassen um. Die Bilder vom Nerd, vom Mathegenie oder vom Einzelgänger kennt er. Doch er erkennt sich darin nicht wieder. Für Mathematik interessiert er sich wenig, obwohl er gute Noten schreibt. In der Schule beschreibt er sich weder als Außenseiter noch als besonders beliebt.

Sein Alltag besteht aus mehreren Welten. Einige Freunde sitzen mit ihm am Brett, andere stehen auf dem Fußballplatz. In Gedanken beschäftigt er sich oft mit großen Fragen, sagt er selbst – manchmal sogar mitten in einer Partie.

Leidenschaft ohne Illusion

Der Weg im Schach kostet Geld. Ein Blitzturnier kostet etwa zehn Euro Startgeld, längere Turniere bis zu vierzig. Seine Eltern helfen, gelegentlich unterstützt ihn der Verein. Preisgelder erhält nur, wer alle Runden spielt. Aufgeben lohnt sich nicht.

Glatt spricht offen darüber. Insgesamt mache er finanziell Minus, sagt er. Vom großen Geld träumt er nicht. Mehr Training, mehr Analyse und möglicherweise ein Umzug wären nötig, um Schach zum Beruf zu machen. Im Moment bleibt es ein ambitioniertes Hobby.

Die Zukunft plant er dennoch sorgfältig. Nach dem Abitur denkt er über ein Studium nach, vielleicht Geschichte oder Politikwissenschaft. Schach wird wahrscheinlich Teil seines Lebens bleiben. Im Kreis Gütersloh wünscht er sich mehr Aufmerksamkeit für den Sport. Action, sagt er, liege immer im Auge des Betrachters.

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